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   Rodach: On Air: Release-Informationen

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VÖ: 01.09.2002
EAN/UPC: 705304183922
Traumton CD: 4459

Chillout & Polka Dots

Abheben, auf Sendung sein. Beides schwingt mit im Titel des neuen Albums von Michael Rodach. Und jene leise Ironie, die jeden Kampf wider die Schwerkraft begleitet. Wenn sich jedoch schon die Naturgesetze nie verändern, warum nicht einfach spielen mit den Elementen? So füllt Rodach den Äther rot-weiß, das hineinschwebende Flugzeug himmelblau. Die Dinge umkehren, ins Gegenteil treiben und schauen, was dann passiert, ist eine seiner vielen Stärken. Die macht auch vor Selbstversuchen nicht Halt, weshalb sich Rodach inzwischen ausgerechnet in einer Pudelgegend Berlins eingemietet hat - der Illusion zuliebe von der Freundlichkeit der Welt.

Sie flimmert auch durch seine 18 neuen Stücke. Doch Rodach wäre kein Kenner des unberechenbaren Zickzackkurs von Stimmungen, blieben Schattenseiten ausgespart. Erneut hat er sein Klangall mit eigensinnigen Melodiemobilen, schwerelosen Soundschleiern und traumverloren Clowns bevölkert. Auf der Suche nach ihrem persönlichen Fluchtpunkt ziehen sie vorbei, manche verbissen und eilig, andere lauschen saumselig Echos hinterher.

Michael Rodach sagt, dass er nicht lang nach Assoziationen für seine Klänge forschen muss. Begegnungen, alltägliche Situationen reichen, schon strömen Bilder und Töne. Wie auf dem iberischen Flughafen, als er sich plötzlich von Stimmen umzingelt fühlte. Körperlose Frauen perlten aus den Lautsprechern, sexy und kühl. Wisperten Flugnummern und andere geheimnisvolle Chiffren. Eine Viertelstunde stand Rodach da und bannte die geschäftige Vielschichtigkeit auf Band. Das KlingKlang der Ansagemelodie, kernige Männerstimmen, die Athmosphäre moderner Mobilität - all das hat er in "Smooth Airport Voices" zur grandios groovenden Clubnummer verschmolzen.

Mit ihr beginnt "On Air" und damit ein faszinierender Trip durch die vielen Parallelwelten, die Rodach bedient. Musik für Film, Tanz und Theater ist seine Spezialität - der Gitarrist kann Bilder begleiten, ohne ihren Inhalt zu verraten.

Anders als auf seinem letzten Soloalbum "Himmel und Hölle" (2000) hat Rodach dieses Mal seine Ideen nicht auf harten Kontrast gebürstet. "On Air" schwingt sich sanft durch die unterschiedlichen Stimmungen und Tempi. Manches leuchtet kühl wie das melancholische "Nine Lifes" und "Das blaue Wunder", andere Stücke oszillieren zwischen hitzigen Polen wie das kuriose "Uyediana", das in dem sekundenkurzen Zuruf erwachte, den die Serben traditionell an ihre Bienen richten. Schrille Flöten und Trommeln der Baseler Fasnacht bahnen sich grell durch "Trauma", das rhythmische Ächzen, Fauchen und Zischen eines in die Jahre gekommenen Maschinenparks begleitet "Tausend Gründe" und "Strange Birds " führt einen grummelnden Monolog, der so typisch ist für schräge Vögel, ob sie nun Flügel oder Beine haben. Bleiben noch weitere Highlights wie das magische "Casino Orion", das an die einst so hellhörige TV-Serie "Raumschiff Orion" erinnern will, und "Zeit steht still", in seiner Wirkung so meditativ wie ein monochromes Bild.

"On Air" ist ein starkes Album. Selbstbewusst, voll nachtfarbener Gestalten mit einem eigenen Film im Kopf.

© Traumton Records, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

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