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   Tilmann Dehnhard Quintett: Koala Lounge: Release-Informationen

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VÖ: 10.02.2003
EAN/UPC: 705304223024
Traumton CD: 4466

Wer die spielerische Melancholie von Fellini-Filmen liebt, die oft nicht zuletzt durch die schlicht-schöne Musik von Nino Rota zu voller Blüte kommt, wird schon beim ersten Stück des Tilmann Dehnhard Quintett-Albums "Koala Lounge" in seiner Fantasie weiße Dampfer durch Nebelschwaden am Horizont vorbeifahren oder ent- und manchmal auch ein bisschen ver-rückte Träumer am Strand mit sich selbst tanzen sehen. Unwillkürlich lässt man sich mitnehmen und treiben von den wunderbaren Melodien, die immer leichte Wehmut, selten aber Traurigkeit ausstrahlen. Eher Vertrautheit, Intimität. Nichts für Verfechter gegelter Hochglanzästhetik. Wahre Schönheit, auch die etwas spröde, kommt von innen und hat mit Seele zu tun.

Die musikalische Biografie von Tilmann Dehnhard (Jg. 1968) weist in recht unterschiedliche Richtungen. In jüngerer Vergangenheit hat er sich vor allem mit dem Flötenspiel und damit verbundenen Spiel- und Atemtechniken beschäftigt, was die Solo-CD "Breath" (Klangräume) beeindruckend dokumentiert. Er ist mit dem Berlin Contemporary Jazz Orchestra unter Leitung von Alexander v. Schlippenbach auf dem Album "The Morlocks" (FMP) zu hören, mit dem Young ImprovisorÕs Pool auf "Backgrounds for Improvisors" (FMP), mit Jazz Indeed auf den Produktionen "Under Water" und "Who the moon is" (beide Traumton) und mit dem Nils Wülker Quintet auf "High Spirit" (Sony Music).

Als Tilmann Dehnhard 1998 für eine Konzertreihe im Bauhaus-Archiv Berlin sein Quartett, besetzt mit Tenorsaxofon, Trompete, Kontrabass und Schlagzeug, gründete, suchte er nach einem neuen, eigenen Sound, nach einer neuen Herausforderung. Er suchte nach dem Klang der Einfachheit, die alles andere als banal ist. Er suchte nach der Kraft der Melodie, auch nach dem Mut, auf eben diese zu vertrauen. Kein Hightech, keine Samples, keine Akkorde ‹ just music. Manchmal musste sich Tilmann Dehnhard selbst von der Richtigkeit seines Weges überzeugen, freimachen vom Druck des Irrtums, Originalität als Synonym für Kompliziertheit zu deuten. Er lernte, seiner inneren Stimme zuzuhören und an sie zu glauben.

Erst als er sein Klangideal gefunden hatte - die Dreistimmigkeit von Saxofon, Trompete und Bass, getragen von vielschichtigen Grooves und Sounds des Schlagzeugs - kam die Gitarre als fünftes Instrument hinzu, ohne der Grundidee im Wege zu stehen oder sie zu verwässern. Vielmehr macht sich Kai Brückner, Dehnhards "Lieblingsgitarrist", dessen "Melodie-Konzept" zu eigen und gibt der Gitarre eine gänzlich andere Bedeutung als in allen Bands, in denen man ihn sonst hört. Dass trotz all dem zuweilen auch ordentlich die Post abgeht oder eine Sängerin einen überraschenden Gastauftritt hat, ist wahrlich kein kleingeistiges Zugeständnis an landläufige (Jazz-) Hörgewohnheiten, sondern macht dieses Album zu einem bemerkenswerten Unikat der deutschen Jazzszene.
Ulf Drechsel (Januar 2003)

© Traumton Records, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

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