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   Yakou Tribe: Red and Blue Days: Release-Informationen

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VÖ: 01.06.2004
EAN/UPC: 705304480922
Traumton CD: 4474

Lange sind die Zeiten vorbei, in denen sich deutsche Jazz Bands über amerikanische Vorbilder definieren mussten. Das Berliner Quartett Yakou Tribe hat bereits vor drei Jahren mit seinem Debütalbum „Road Works“ eigene Maßstäbe gesetzt. Ihre Stücke glichen urbanen Fantasien von Bewegung und Zustandsveränderung. Ein sinisteres (das japanische Wort yakou beschreibt unter anderem nächtliche Reise und nächtliches Schimmern) Überwinden der alltäglichen Trägheit, ein Schwelgen in unerhörten Sounds, direkt dem Berliner Pflaster abgelauscht.

Drei Jahre sind seitdem vergangen. Der Yakou Tribe ist weder weiter gezogen, noch musste er sich neu generieren. Mit seinem neuen Album “Red And Blue Days“ schließt er an, wo er mit „Road Works“ aufgehört hat und setzt dennoch völlig neue Akzente. Der Sound der Band ist entspannter geworden, kann in der kreativen Stille ebenso verweilen wie in der zielgerichteten Bewegung. Die sphärische Rastlosigkeit des ersten Albums wird mit Phasen gemessener Ruhe kontrapunktiert. Zum Abenteuergeist gesellt sich Nachdenklichkeit, zum Treibenlassen auf Klangflächen die Lust an der Vollendung. „Der wesentliche Unterschied besteht darin“, erläutert Gitarrist Kai Brückner, „dass die Sessions des ersten Albums sich über Jahre hinzogen, während die neue CD in einer konzentrierten Produktion entstanden ist. Aber wir können auch auf viel mehr gemeinsame Erfahrungen zurückgreifen, kennen uns genauer und bringen alles ungleich besser auf den Punkt.“

Das Album beginnt mit einem Kontrast in sich, einer wunderbar gelassenen und gemessen am Original sanften Fassung des Industrial-Klassikers „Hurt“ von den Nine Inch Nails. In Yakou Tribe wirken verschiedene Kräfte mit- und gegeneinander, sodass in jedem einzelnen Stück ein komplexes Feld von Spannungen, Verschiebungen und Kontrasten entsteht. Avantgardistisches paart oder mischt sich mit Traditionellem, Urbanes mit Pastoralem, Rhythmisches mit Melodischem, Geschmeidiges mit Sprödem, Amerikanisches mit Europäischem. Ein freundschaftliches Ringen von Kraftfeldern, die von jedem einzelnen Musiker ausgehen, für einen Augenblick im Vordergrund stehen, um sogleich einem anderen Kraftfeld Platz machen. „Wir verbringen über die Musik hinaus viel Zeit miteinander. Dennoch hat jeder von uns ziemlich eigene Vorstellungen davon, was Yakou Tribe am Ende ausmacht. Wir vertreten extrem unterschiedliche Vorlieben. Nicht selten gibt es zu einem Stück innerhalb der Band vier verschiedene Kommentare“, so Kai Brückner, und Saxofonist Jan von Klewitz ergänzt: „Yakou Tribe ist weniger die Summe der unterschiedlichen Geschmäcker der Bandmitglieder, als das, was sich bei aller Vielfalt als gemeinsames überlappt.“

Yakou Tribe ist die Summe vier außergewöhnlicher Musiker-Persönlichkeiten. Alle vier wurden in den Sechzigern geboren, sind mit Led Zeppelin und den Rolling Stones aufgewachsen und haben ein Jahr nach der Jahrtausendwende alle nur denkbaren künstlerischen Metamorphosen hinter sich gebracht. Kai Brueckner gehört zu den innovativsten und ausdrucksstärksten Gitarristen der jüngeren Berliner Szene. In New York ging er durch die Hände von Lehrern wie John Abercrombie und Mike Stern, die deutliche Spuren in seinem Spiel hinterlassen haben. Mit Jerry Granellis Band UFB nahm er mehrere Alben auf und tourte durch die USA und Kanada. Jan von Klewitz arbeitete unter anderem in Gruppen unter der Leitung von Albert Mangelsdorff und Alexander von Schlippenbach, in Ensembles mit Bill Elgart, Michel Godard und Steve Argüelles sowie in der großartigen Crossover-Jazzband Tacabanda. Bassist Johannes Gunkel studierte erst Klavier und Geige, bevor er zum Kontrabass konvertierte. Er nahm an Workshops mit Dave Liebman teil und spielte mit Matthias Rüegg, Jim Black und John Taylor. Rainer Winch schließlich gehört zu den renommiertesten Schlagzeugern Deutschlands. Er spielte mit Siggi Busch, Marc Levine, Kirk Nurock, Felix Wahnschaffe und wirkte auf Paul Brodys CD "Tango Toy" mit.

Der Albumtitel „Red And Blue Days“ geht auf eine Titel-Idee Jerry Granellis für ein altes Stück von Kai Brückner zurück. „Er steht für das tägliche Auf und Ab zwischen Euphorie und Frust, Spaß und Unlust, Traum und Wirklichkeit“, erklärt Brückner. Trotzdem das zweite Album von Yakou Tribe sich wesentlich stärker auf der inneren Geschlossenheit der einzelnen Stücke aufbaut als sein Vorgänger, der sich mehr an das Gesamtwerk durchziehenden Stimmungen orientierte, scheut sich der Yakou Tribe nicht vor Asymmetrie, Ecken und Kanten. Nicht zuletzt hinterlässt die Stadt Berlin selbst ihre Abdrücke im Sound der Band. Brückner macht das „einerseits an der Hektik und Unruhe der Großstadt“ fest, „die sich in urbaneren Passagen Bahn bricht“, andererseits aber auch an der „Sehnsucht nach der Umgebung, dem Rauswollen aus dem Chaos, das sich in balladesken und countryhaften Stücken ausdrückt.“ Klewitz sieht gerade das Ungleichgewicht der Stadt ohne Mittelpunkt in dem stilistisch schwer zu ortenden Soundgemisch der Band aufgefangen. „Berlin läßt Freiräume und bietet Herausfordung, hier müssen wir uns auf keinen bestimmten Sound festlegen, schillernde Vielfalt und wache Offenheit bieten Raum für Kreativität. Zwischen Swing und Avantgarde, Country und Rock fühlt man sich niemals eingeengt und findet immer wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten.“

Dichter als "Road Works" komprimiert „Red And Blue Days“ die endlosen Weiten und schwingt in musikalischer Abenteuerlust weit über den Radius des Jazz hinaus.


© Traumton Records, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten



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