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   Pär Lammers Trio: All die bunten Schafe: Release-Informationen

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VÖ: 23.02.2007
EAN/UPC: 705304450024
Traumton CD: 4500

All die bunten Schafe

All die bunten Schafe... Man muss noch keinen einzigen Ton der CD des Pär Lammers Trios gehört haben, um allein schon vom Titel des Albums gebannt zu sein. Da kommt ein Trio mit Piano, Bass und Schlagzeug, also eine der konventionellsten Besetzungen des Jazz, daher und bricht mit dem Titel seines Albums alle Tabus. Dieser Titel scheint eher zu einem Kinderbuch zu passen als zu einem instrumentalen Jazzalbum. Pär Lammers beherrscht alle Regeln und Kniffe des Jazz, und doch wirft er sein Jazzmäntelchen frohgemut ab und erzählt auf dem Klavier so verbindlich wie möglich ein paar Geschichten, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Die Musik hält, was der Titel verspricht. Vom ersten Ton an fühlt man sich auf einen bunten Abenteuerspielplatz der Klänge versetzt, der nicht nur zum Hören einlädt, sondern Lust auf immer mehr macht. Der 1982 geborene Pianist Pär Lammers spielte zunächst in verschiedenen Rockbands Schlagzeug und Bass, bevor er den Jazz entdeckte. Die muntere Eingängigkeit seiner Jazz-Auffassung weicht stark von herkömmlichen Jazz-Modellen ab. „Wenn Musiker meiner Generation sich zu stark am Jazz-Gedanken festhalten und sich en eigenen Einflüssen verschließen, weil sie ihnen nicht intellektuell genug sind, wird es schwierig, ihnen etwas abzunehmen“, betont Lammers und macht damit seine eigene Position deutlich. „Wenn ich Musik schreibe, versuche ich meine eigenen Einflüsse einzubeziehen. Das ist eben nicht nur Jazz, denn den Jazz habe ich erst relativ spät kennengelernt. Ich bin eher ein Kind der MTV-Generation. Musik war immer um mich herum, aber Rock und Pop hatte einen viel größeren Einfluss auf mich. Ich weiß nicht einmal, ob ich meine Musik Jazz nennen würde.“

Das mag jeder Hörer von „All die bunten Schafe“ selbst für sich entscheiden. Erstaunlich ist in diesem Kontext jedoch, dass sich Lammers, der sich auch schon Sporen als HipHop-Produzent verdient hat, mit Bassist Marcel Krömker und Drummer Benni Wellenbeck ausgerechnet ein Piano-Trio aufstellte. Keine andere instrumentale Kombination zeitigt gerade in jüngerer Zeit derart inflationäre Erscheinungen wie Piano-Bass-Schlagzeug. Doch Lammers jongliert entspannt mit den Erwartungshaltungen des Hörers. Er weiß, dass spätestens mit seinem ersten Griff in die Tasten jedes Vorurteil verfliegt. „Piano Trios sind nach wie vor sehr attraktiv“, hält er gelassen fest. „Da das Konzept immer wieder umgeworfen und zeitgenössischen Bedürfnissen angeglichen wird, findet es stets ein neues Publikum. Das Piano Trio ist ja die Jazz-Formation, die am meisten gekauft wird. Ich hatte nie wirklich eine Programmatik für mein Trio entwickelt, doch das Konzept ergab sich aus der Musik selbst.“

Gerade dass man Lammers‘ Musik nicht ohne weiteres benennen kann, macht sie so urban und alltagskompatibel. Ein entdeckungsfreudiger Jazz-Fan kann mit seinen Song ebenso viel anfangen wie ein Pop erfahrener Klassikhörer oder ein Rock-Fan, der mehr als Top 40 hört. Lammers selbst bezeichnet seine Kompositionen selbstbewusst als Songs. „Unsere Stärke sind kompakte Songs mit nachvollziehbaren Harmonien und eingängigen Melodien, die man leicht rüberbringen kann. Songwriter haben uns viel stärker beeinflusst als die meisten Jazzmusiker. Wir wollen nicht stundenlang über irgendwelche Changes improvisieren, sondern auch jenen Hörern etwas erzählen, die sich nicht ausschließlich mit Jazz befassen. Ich will keine Musik spielen, die ich nicht auch selbst hören wollte.“

Nun stellt man sich unter einem Song für gewöhnlich ein gesungenes Stück Musik vor. Doch Lammers vermag es kongenial, mit seinem Pianospiel eine zu kompensieren, die das konkrete Wort transportiert. Sein Medium ist die singbare Melodie. Instrumentale Musik und Singbarkeit sind für ihn kein Widerspruch. „Die Tatsache, dass die Musik nicht gesungen wird, heißt ja nicht, dass man sie nicht singen kann. Der Hörer braucht jedoch immer einen Bezugspunkt zu dem, was ihm präsentiert wird. Dabei muss man ja nicht gleich in die Schlagerecke geraten. Die Tragik des Jazz besteht jedoch oft darin, dass die Musik bestenfalls für Menschen gemacht wird, die ebenfalls Jazz spielen. Das trägt bestimmt nicht dazu bei, diese Musik wieder zu popularisieren.“

Natürlich weiß auch Pär Lammers, dass man die Stimme in einem Song nicht einfach nur durch eine schöne Melodie ersetzen kann. Entscheidend ist bei Lammers nicht was, sondern wie er auf den Tasten singt. Er hat sich eine eigene Sprache angeeignet. Lammers hat ein feines Gespür für Timbres, Kolorierungen, Atmosphären und Dynamik. Die Melodien von Lammers sind betörend schön und so einfach wie Kinderlieder, doch es steht außer Frage, dass sie auch viel langweiliger gespielt werden könnten. Doch Lammers hat als Kind eben nicht nur MTV konsumiert, sondern in seinem Elternhaus viel Klassik gehört und eine klassische Ausbildung auf dem Piano genossen. Das daraus resultierende Klanggefühl kommt ihm heute zugute.

Welche Energie die sanfte Kollision der Welten von Klassik und Pop in der Musik von Pär Lammers freisetzt, offenbart sich am besten in dem Song „Enjoy The Silence“. Dieser Song von Depeche Mode war eine Kulthymne des Synthie Pop, an der Lammers besonders gut seine Affinität zu herausragenden Songs abarbeiten kann. „Die Depeche Mode-Nummer ist ein wahnsinnig guter Song. Viele Leute hören da gar nicht mehr hin, weil sie vom Sound oder der Produktion genervt sind. Der ganze Überbau verdeckt ein wenig die echten Qualitäten des Songs. Doch gerade auf diese Sachen achte ich. Ich höre mir ohne Vorurteil alles an, versuche mich frei zu machen von Sounds und Images und zur musikalischen Essenz, zum Song vorzustoßen.“

Pär Lammers ist ein Pianist, der noch ganz am Anfang steht und doch schon eine unverkennbare individuelle Klangsprache entfaltet hat. Wer will, kann ihn als neuen Hoffnungsschimmer am deutschen Jazzhimmel sehen, doch wer mit dem Begriff Jazz nichts mehr anfangen kann oder will, kann ihn einfach als originellen Songwriter und gewieften Pianisten betrachten. Ob Jazz oder nicht, „All die bunten Schafe“ ist der Farbtupfer, auf den die deutsche Musik-Szene lange gewartet hat.



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