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   Pär Lammers Trio: Hinten rechts, der Regen: Release-Informationen

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VÖ: 14.03.2008
EAN/UPC: 705304451229
Traumton CD: 4512

Pär Lammers Trio - Hinten rechts, der Regen

Die Überzeugungskraft des Jazz ist immer dann am größten, wenn er zwar das ganze Spektrum seiner Stilmittel ausnutzt, am Ende aber nicht auf Anhieb wie Jazz klingt. Pär Lammers, Jahrgang 1982, ist Vollblut-Jazzer. Sein Klavier-Trio mit Bassist Marcel Krömker und Drummer Benni Wellenbeck hat alles, was eine Jazz-Band braucht. Und doch hebt es sich wohltuend vom Einerlei der immer inflationärer aus dem Boden schießenden Piano-Trios ab. Lammers erzählt uns nämlich nichts von einer hundertjährigen Geschichte, die erstmal halbwegs verdaut sein will, um an seiner Musik Lust und Neugier zu entfachen. Seine Musik mutet so frisch und unverbraucht an wie die ersten Krokusse, die im Frühjahr die Schneedecke durchstoßen, seine Finger tupfen mit der Leichtigkeit von Schmetterlingsflügeln über die Tasten. Und doch haben seine Klänge Tiefe und Kontur.

Mit dem Album „All die bunten Schafe“ hat das Pär Lammers Trio 2007 mehr als nur eine Duftmarke gesetzt. Die verspielte Nonchalance des Trios im Umgang mit dem Sujet Jazz war geradezu einmalig. Obgleich das Album rein instrumental war, funktionierten Lammers‘ Kompositionen doch wie unbeschwerte Lieder, die man – einmal gehört – nicht mehr so schnell los wurde. So hemmungslos positiv und lebensbejahend war Jazz zuvor selten. Der Pianist empfahl sich als ebenso stiller wie vergnügter Beobachter, der seine Alltagsimpressionen in funkelnde Geschichten übersetzte. Mit seinem neuen Album „Hinten Rechts, Der Regen“ schließt er nun genau an diese eigene Tradition, seine Geschichten dem selbst erlebten Alltag abzulauschen, an.

Wie schon beim letzten Album beschreibt auch der Titel der neuen CD ein Bild. Doch nach den bunten Schafen kommt jetzt nicht das Regenwetter. Vielleicht ist die CD hier und da ein wenig nachdenklicher als ihr Vorgänger, doch genau genommen vertieft das Trio, was es einmal begonnen hat. Lammers, Krömker und Wellenbeck sind noch viel enger zusammengewachsen. Sie müssen überhaupt nichts mehr beweisen und können im gemeinsamen Dialog die Grenzen zwischen Jazz, Pop und Klassik mit jedem Song völlig neu abstecken. Der Überraschungsfaktor macht Souveränität Platz, mit der das Mischungsverhältnis zwischen den musikalischen Grundlagen des Trios sich in jedem Stück zu neuen, verblüffenden Konstellationen verschiebt. „Um Genres oder Stilistiken mache ich mir überhaupt keine Gedanken“, gesteht der junge Pianist freimütig. „Mir kommt es auf den Song und die Geschichte an, die ich zu erzählen habe. Das heißt nicht, dass ich überhaupt nicht mit Genres arbeiten würde. Aber es gibt im Voraus keinerlei Absprachen darüber, sondern die Genre-Bezüge ergeben sich aus dem jeweiligen Song heraus“

Die Basis, auf der Lammers das neue Stockwerk seines Triogebäudes errichtet, ist Vertrauen. Sein Vokabular, in dem Erinnerung und Alltag zu einem brisanten Idiom verschmelzen, ist zu einer unverwechselbaren Konstante in der europäischen Jazzlandschaft geworden. Es fällt Lammers leicht, sich in die Rhythmusgruppe hineinzudenken, spielte er doch selbst einst Bass und Schlagzeug. „Wir haben gelernt, viel freier miteinander umzugehen“, resümiert er. „Ich schreibe zwar die Stücke, aber die Arrangements sind viel demokratischer geworden. Es ist kein Piano mit Begleitung, sondern wir haben einen Gesamtsound gefunden, der uns als Band ausmacht. In stundenlangen Improvisationen ist eine gemeinsame Sprache entstanden, die uns von Stilen unabhängig macht.“

Bei aller Kontinuität gegenüber dem letzten Album gibt es auf „Hinten Rechts, Der Regen“ auch maßgebliche Veränderungen. Am augenfälligsten ist die Einbeziehung zweier Gäste. Vielleicht ist die Bezeichnung Gäste im herkömmlichen Sinne nicht ganz zutreffend, denn Sängerin Jessica Sligter und Gitarrist Andy Arnold sind alte Freunde von Lammers, bei denen der Vertrauensfaktor fast ebenso ins Spiel kommt wie bei seinem Trio. Jessica Sligter schätzt er vor allem wegen ihrer Qualitäten als Songwriterin, und Andy Arnold wegen seiner Lust am Fabulieren. Sie erweitern das Trio nicht zum Quartett, sondern entlocken ihm überraschende Farben, Timbres und Reserven. Zum Beispiel entdeckte Lammers durch Arnold die Gitarre auch für sich selbst, und schrieb nicht nur für, sondern auch auf dem Sechssaiter das Stück „Somewhere Inside“. Für einen volleren und kompakteren Bandsound sorgt nicht zuletzt die Entscheidung, das Studio als Instrument zu integrieren und seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen.

Ein Kontrapunkt der CD ist die Adaption von Elliott Smiths Stück „Between The Bars“. Smith war bekanntlich ein Songwriter, der zeitlebens von Depressionen gequält wurde und dessen mysteriöser Tod nur die unausweichliche Konsequenz aus einem System von Sackgassen war, in das er sich willentlich begeben hatte. Doch Lammers schafft es mit seiner ungebremsten Lebenslust, die sich in jedem einzelnen Ton offenbart, selbst Smiths fatalem Hang zum Depressiven noch einen positiven Energiestoß zu verleihen. „Ich fühle mich stets starken Songwritern verbunden“, so Lammers. „Elliott Smith war ohne Frage einer der besten Songwriter, die es gegeben hat. Vielleicht war er ja gar nicht so depressiv, wie es ihm immer unterstellt wird. Ich höre in seinen Songs auch vieles, das ich ganz positiv finde. Aber die Auseinandersetzung mit Songwritern hat sich auch auf meine eigenen Kompositionen ausgewirkt. So gestalte ich zuweilen die Rhythmen etwas komplizierter, um der Melodie zu folgen und letztlich dem Song zu dienen. Am Ende soll der Hörer gar nicht hören, was alles in das Stück geflossen ist. Ein guter Song spricht einfach für sich.“

„ Hinten Rechts, Der Regen“ ist ein innovatives Jazzalbum, das dem Hörer jedoch keinerlei Programmatik um die Ohren haut. Die Virtuosität der Spieler steht genauso wenig im Vordergrund wie das strukturelle oder konzeptionelle Gerüst. Es ist eine Platte, die man einfach hören kann. Ohne Vorbehalt oder Voraussetzung. Lammers krallt sich nicht am Jazz fest, hat es aber auch nicht nötig, ihn zu verleugnen. Er zelebriert Jazz für Genießer des Alltags, der seine eigenen Bilder entfaltet, ohne sich erklären oder herzuleiten müssen.



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