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   Patty Moon: Lost In Your Head: Release-Informationen

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VÖ: 03.10.2008
EAN/UPC: 705304451823
Traumton CD: 4518

Lost In Your Head

“the kids alright
the dogs are humming
in their beautiful river parade
how I wish
to join their happiness
and love for a simple day”



Mit diesem geradezu idyllischen Bild beginnt „Lost In Your Head“, das neue Album von Patty Moon, ihres Zeichens Sängerin, Pianistin und Komponistin, die mit ihrem Kompagnon, dem Multiinstrumentalisten und Produzenten Tobias Schwab, seit nunmehr zehn Jahren Musik macht und die nun ihr zweites gemeinsames Album vorlegen. Die Idylle, die sich auf dem Opener „Under My Wolfskin“, anbahnt, ist natürlich trügerisch, davon kündet schon das nervös flirrende Piano. Bei all der Verträumtheit und Verspieltheit, die die vielschichtig angelegten Kompositionen des Duos ausstrahlen, stecken die Songtexte voller Untiefen und Unwägbarkeiten, Schimären und Dämonen. Patty Moon schreibt ihre Songs intuitiv mit nach innen gerichtetem Blick, durchforstet aufmerksam ihre Seelenlandschaft. Tobias baut diese in wohltemperierte Harmonien getauchten Streifzüge mit obsessiver Detailverliebtheit zu wahren Songskulpturen aus, voller überraschender Wendungen und griffiger Spannungsbögen, mit einer ganzen Palette an Instrumenten von Gitarren, Trompete, Flügelhorn, Melodica und Akkordeon bis hin zum obskuren Geräuschpalast. Im Zentrum steht jedoch immer die traumverloren sanfte und magisch wirkende Stimme von Patty Moon.

Ihr im Jahr 2004 erschienenes Debütalbum „Clouds Inside“ war von Kritik und Publikum durchweg positiv, wenn nicht euphorisch aufgenommen worden, allein die Verkaufszahlen ließen zu wünschen übrig. Für ihr neues Werk ließen sich Patty und Tobias denkbar viel Zeit. Gewachsen und gereift sind die 13 aus Dutzenden Entwürfen ausgewählten neuen Songs im Verlauf der letzten vier Jahre. Während „Clouds Inside“, das von dem Notwist-Produzenten Mario Thaler im Uphon-Studio in Weilheim abgemischt wurde, noch stark von Electronica geprägt war und die Prämissen von TripHop erfüllte, sind die Songs auf „Lost In Your Head“ eher akustischer Natur und geradezu klassisch instrumentiert, wobei das Faible für bizarre Geräusche und kaum identifizierbare Soundschnipsel weiter kultiviert wurde. Auf sinfonische Untermalung – die Streicher der Holst Sinfonietta Freiburg hatten auf dem letzten Album für zusätzliche Klangfarben gesorgt – haben sie diesmal verzichtet. Nichtsdestotrotz besticht jeder Song durch ein ganz eigenwilliges Arrangement. Akribisch haben die beiden Künstler ihre Songs, allesamt Homestudiorecordings, Schritt für Schritt, Schicht für Schicht weiterentwickelt. An einigen Songs haben sie monatelang gefeilt. Einzige feste Koordinate neben den beiden Hauptakteuren war, wie schon beim Debüt, Schlagzeuger Daniel Hansmann, ohnehin treuester Mitstreiter der Band. Als weitere Gastmusiker kamen die beiden Cellisten Anselm Geiger und Josephine Hesse hinzu sowie Christian Simon (Flügelhorn, Trompete), der auch schon bei Debüt mit von der Partie war.

Mit „Lost In Your Head“ steht das Duo aus Freiburg der melancholischen Seite moderner Avantgardisten wie Radiohead und Kate Bush näher als Acts wie Portishead, Björk und Goldfrapp, mit denen Patty Moon in den letzten Jahren nicht selten verglichen wurde. Die neuen Songs wirken nicht selten schlafwandlerisch. Für ihre Seelenzustände findet Patty Moon wundersame Metaphern, die stärker nachwirken als narrative Wortgeflechte. Krankheit („Best For Me“), Angst („Flapping Monsters“), Schmerz („Hurt“), Tod („Your Murderer“) und Isolation („Starving“) – die Welt der Patty Moon scheint nicht gerade auf Rosen gebettet. Tatsächlich war Patty in den letzten zwei Jahren häufig und ernsthaft krank. Was letztlich als Burn-out-Syndrom diagnostiziert wurde, hatte bei Patty zu angsteinflößenden Symptomen wie Bewusstseinsstörungen, Ohnmacht und physischen Schmerzen geführt. Auch die fatalen Folgen des Selbstmordversuchs eines Freundes haben sie viel Kraft gekostet. „Die Songs haben mich schon auch gerettet, weil ich wieder weiß, wer ich bin und wie sehr ich das Leben liebe.“ So sind die Songs eine Form der Selbsttherapie und des Selbstschutzes. Nichts stillt die Sehnsucht nach innerem Frieden und Gleichgewicht so gut wie ihre Songs.

Judith Heusch, so der bürgerliche Name von Patty Moon, ist mitten in der Natur aufgewachsen mit Mühle, Bach und Wald. Eine glückliche Kindheit hat sie nach eigenem Bekunden trotzdem nicht unbedingt gehabt, wobei ihr die Natur und ihre Tiere immer Zuflucht waren. Das hat sich bis heute nicht grundlegend geändert. „Auch heute noch fühle ich mich da einfach sicherer, da bin ich ich. Ich kann nur selten von einer so tiefen Liebe sprechen wie zur Natur. Ich bin Frühaufsteher und bin schon früh am Morgen mit meinen Hunden unterwegs. Ich liebe die Dämmerung, die Farben, die Gerüche, die Geräusche, einfach alles. Ich finde es sehr spannend und auch was die Ästhetik angeht, das Höchste, was es gibt. Da laufe und radel ich viel und dann bin ich bei mir, kann Dinge gut fassen, kann vor mich hin summen, kann mir klar werden, welchem Bild, welchem Gefühl, welcher Situation ich einen Song widmen kann.“

Heute arbeitet die Sängerin, die mit 15 von zuhause auszog ist und mit 25 Jahren ihr Abitur auf der Abendschule absolvierte, als Buchillustratorin und als Zeichnerin für die Werbung. Sie gibt Klavierunterricht und schreibt Theaterstücke und Musicals für Kinder. Auch einige Romanentwürfe warten noch auf ihre endgültige Realisation. Patty Moon, deren Name eine Hommage an Peppermint Patty von den Peanuts ist und die auch einige Jahre in der Micky-Maus-Redaktion arbeitete, ist ein großer Comic-Fan, aber in ihren Songs tauchen ganz andere Phantasmen auf. Tobias lehrt an einer Musikschule und arbeitet ebenfalls viel mit Kindern und Jugendlichen. Als Arrangeur, Komponist und Musiker deckt das Multitalent ein denkbar weites Feld ab: Von Schwarzwälder Musikkabarett und Jazz-Combo über Musicals und experimentelle Electronica bis hin zu Progressive Metal und Blasorchester. Zuletzt hat er die Musik für zwei Kurzfilme des Fotografen und Regisseurs Telemach Wiesinger komponiert (der auch für die Videos von Patty Moon verantwortlich zeichnet). Wie experimentierfreudig Tobias ist, hört man bei der Produktion des neuen Albums.

Beide Musiker haben sich ihre Kindlichkeit bewahrt, was zweifellos ihrer guten Beziehung zu Kindern und deren Welt förderlich ist. Auf dem Album gelingt es ihnen ein ums andere Mal, dieser Kindlichkeit künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Der Sample einer Spieluhr, die dem Titelsong das Tempo vorgibt, das Spielzeugklavier, das dem dramatischen „Your Murderer“ noch mehr Spannung verleiht, das Blechspielzeug, das auf dem jahrmarkthaften „Hurt“ seinen Akzent setzt und selbst die Melodica in „Straight Alone“ scheint wie geschaffen für ein Wiegenlied. Dabei ist gerade das letztgenannte Stück eines der am komplexesten arrangierten, bei dem Akkordeon und Bläser zum tangoähnlichen Rhythmus den Schulterschluss zwischen Balkanschwermut und Mariachi-Klängen wagen. Nicht selten faszinieren in den von Patty Moon somnambul getragenen Wehmutproben Details und Facetten, die Assoziationen freien Lauf lassen. Das sich sanft wiegende, elegische Flügelhorn im Titelsong, die Sehnsuchtsklarinette in „Starving“, die Westerntrompete in „Golden Frame“ oder der wie eine Beatmungsmaschine klingende Rhythmus der stellar klaren Ballade „Ready For The Smell Of Snow“ – es gibt eine Unmenge zu entdecken auf „Lost In Your Head“, diesem Songreigen, der ungemein viel Raum und Tiefe bietet und in den man lange eintauchen und sich schwerelos treiben lassen kann.

„Lost In Your Head“ ist ein Album der spürbaren Gegensätze. All die innere Unruhe, die von den Songs ausgeht, wird vom ruhigen Fluss der Melodien besänftigt. Naiv und doch subversiv, luzide und doch ganz rätselhaft, gravitätisch und doch federleicht. Patty Moon inszenieren ihre ätherischen Songs mit Akribie, Liebe und Leidenschaft. Live weiß diese freigeistige Formation als Duo mit Gesang und Piano respektive Gitarre und Laptop ebenso zu begeistern wie als offenes Ensemble, je nach Gelegenheit und Gusto ergänzt um Cello, Schlagzeug und wenn möglich einem Streichquartett. Mit ihrem Album „Lost In Your Head“, das zur Tournee im Herbst erscheinen wird, stellen sich Patty Moon erneut der Öffentlichkeit. Es gilt, einen in allen Belangen sinnlichen Act mit einer der faszinierendsten Sängerinnen unserer Zeit zu entdecken. Selten standen die Chancen besser, mondsüchtig zu werden.
Juni 2008



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