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   So.Weiss: Happiness For A Moment: Release-Informationen

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VÖ: 10.10.2008
EAN/UPC: 705304451922
Traumton CD: 4519

SO WEISS    Happiness for a Moment

Glücksmomente sind flüchtig: in jedem verheißungsvollen Beginn lauert oft Desillusionierung oder drohende Gewohnheit. Die Vergänglichkeit schöner Erlebnisse machen diese so kostbar – und deren Abstinenz so schmerzhaft. Das Berliner Jazzpop-Trio So Weiss findet für solche Zustände skeptischer Hoffnung, wehmütiger Erinnerung und hart errungener Selbstvergewisserung musikalische Entsprechungen, die direkt ins Herz zielen.

Die meist nur auf Gesang (Kristiina Tuomi), Klarinette/Saxophon (Susanne Folk) und Kontrabass (Roland Fidezius) reduzierten Stücke von So Weiss haben in ihrer Melodik weit mehr mit keltischen Balladen, französischen Chansons oder romantischen Kunstliedern gemein als mit Broadway-Klassikern. Gleichwohl sieht sich die Komponistin und Arrangeurin Susanne Folk vom American Songwriting beeinflusst. Jedoch nicht die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern vielmehr deren letzte Dekade war für die dreißigjährige Deutsch-Amerikanerin prägend, als mit Tori Amos, Paula Cole und Alanis Morissette gleich mehrere Musikerinnen durch ihre Hits bewiesen, das Emotionalität und Eingängigkeit sehr wohl harmonieren können.

Auch auf Happiness For A Moment, dem zweiten Album von So Weiss (das Debüt Hunter/Dancer erschien 2006 ebenfalls bei Traumton) schließen es geschilderte Sinnkrisen („I’ve Got It All“, „Drifting Off“), Vertrauensbrüche („After All This“) und Kommunikationsstopps („Silent“) nicht aus, rhythmisch leichtfüßig umgesetzt zu werden. Alle genannten Stücke orientieren sich an den Regeln für ausgefeilte Popsongs, die – und das ist hierbei stets der Gradmesser – insbesondere in der Minimalbesetzung funktionieren. Dazu braucht es neben dem Gespür für abwechslungsreiche Arrangements natürlich entsprechend versierte Instrumentalisten. Und im Falle von So Weiss handelt es sich um eine jazzgeschulte Band, deren Mitglieder in zahlreichen anderen international agierenden Formationen (u.a. Kenosha Kid, Odd Shot, Tuomi) mitspielen und im Laufe ihrer noch jungen Karriere von solch Koryphäen wie Maria Schneider, Steve Coleman, Frank Möbus, Greg Osby und Kenny Wheeler wertvolle Lektionen erhielten. .

In jedem der dreizehn Lieder auf Happiness For A Moment bekommen die einzelnen Stimmen ihren Raum: sie reagieren aufeinander, ergänzen sich, erklingen mal unisono oder werden durch weitere Instrumente (Akkordeon - Tino Derado, Perkussion - Ketan Bhatti) behutsam ergänzt – immer mit der Transparenz, die das jeweilige Stück braucht. Im Unterschied zum Vorgängeralbum Hunter/Dancer überwiegen diesmal Susanne Folks selbstgeschriebene Texte gegenüber den Lyrik-Adaptionen. Doch immerhin fünf Bearbeitungen von Poeten englischer (Ben Johnson, Sir Thomas Wyatt, John Keats), irischer (W.B. Yeats) und amerikanischer (Robert Frost) Herkunft verdeutlichen, dass Susanne Folk der Lektüre alter Gedichtanthologien weiterhin viele Inspirationen verdankt. Auch wenn sich dies musikalisch zumeist anders äußert als bei ihren eigenen Texten.

Während etwa Yeats’ „White Birds“ und Frosts’ „My November Guest“ auf einer durchgängigen Melodielinie basieren und sehr von der Atmosphäre (inklusive kontrabassgeneriertem Möwengeschrei und madrigalartiger Chöre) leben, bedient sich Susanne Folk bei ihrer Balladentrilogie gegen Mitte des Albums der wirkungsvollen Elemente dramatischer Popsongs. So besteht der Titelsong nur aus einer Strophe, die dreimal in unterschiedlicher Intensität die Frage aufwirft, ob es sich beim gerade empfundenen Glück nur um ein temporäres Gefühl handle oder doch alles einen anderen Verlauf nehmen könne. Dabei kommen in Kristiina Tuomis Gesang jeweils unterschiedliche emotionale Facetten - von der sanftmütigen ersten Vergewisserung über ein ungläubiges Infragestellen bis hin zum Flehen – zur Geltung.

„ Silent“ verblüfft daraufhin mit abrupten Tempo- und Arrangementwechseln (das harmonische Akkordeon & Klarinetten-Intro wird unmittelbar von Stimme & Bass abgelöst), welche die Stimmungsschwankungen der Protagonistin, die nicht weiß, wie sie das Schweigen des Geliebten zu deuten hat, passend zum Ausdruck bringen. Und „The End Of Me“ zeichnet die Entwicklung einer Verlassenen in drei melodisch unterschiedlichen Teilen nach: den mit Fassungslosigkeit vorgebrachten Vorwürfen („I guess you didn’t realize that you were half of me“) folgt eine wehmütige Rückschau, die schließlich darin mündet, dass die Ich-Erzählerin dem Ex-Partner auch noch die verbliebene Hälfte anbietet, da sie nichts mehr damit anzufangen weiß: „You can take it all with you when you go away“. Ein tieftrauriger, aber bis zuletzt zärtlicher Abschiedsrefrain, welcher sich auch auf dem Soul Cages-Album von Sting gut gemacht hätte. Denn entgegen dem Titels eines Sachbuch-Megasellers sind es eben oft beide Geschlechter, die „zu sehr lieben“. Und So Weiss haben mit Happiness For A Moment ein Werk voll ergreifender Intensität und kathartischer Kraft geschaffen, auf dessen Langzeitwirkung man vertrauen darf.



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