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   Frederik Köster / Die Verwandlung: Die Verwandlung: Release-Informationen

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VÖ: 26.04.2013
EAN/UPC: 705304458525
Traumton CD: 4585


Frederik Köster - Die Verwandlung

Für jeden kreativen Geist ist es alle paar Jahre an der Zeit, sich selbst zu überprüfen, überflüssigen Ballast abzuwerfen und nach neuen Inhalten zu suchen. Ein solcher Prozess wird meist als Verwandlung wahrgenommen. Geht diese menschliche Neuaufstellung bei einem Musiker auch noch mit einer künstlerischen Verwandlung einher, dann darf man etwas Großes erwarten.

Das neue Album des Trompeters Frederik Köster trägt nicht umsonst den Titel „Die Verwandlung“. Tatsächlich erscheint uns der Kölner ganz neu aufgestellt. Neue Band, neuer Sound, neue Philosophie. Nur seine Neugier ist dieselbe geblieben. Nachdem er sehr erfolgreich drei Alben mit konstanter Besetzung eingespielt hatte, war es für ihn an der Zeit, mit neuen Gefährten andere Wege zu beschreiten. Von Kafkas Romantitel „Die Verwandlung“ inspiriert, ist seine neue CD voller literarischer Verweise von Allen Ginsberg bis zu Haruki Murakami. Als kafkaesk kann man die Musik sicher nicht bezeichnen, eher hat Köster zu einer neuen Klarheit des Ausdrucks gefunden.

Beschreiten viele Jazzmusiker den Pfad von den Urgründen dieses Genres zur Abstraktion, geht Köster genau den entgegengesetzten Weg. Es ist für ihn die Rückkehr an einen Ort, an dem er nie zuvor war. „Die Verwandlung“ ist wohl sein bislang unmissverständlichstes Bekenntnis zu jener Musik, für die wir uns ohne alle Umschweife auf den Begriff Jazz einigen können. Der Trompeter wollte wieder stärker die spielerischen Momente seiner Musik betonen und sich nicht so sehr ein konzeptionelles Korsett anlegen lassen. Mental schwebte ihm das aktuelle Wayne Shorter Quartet vor, das zumindest anfangs sowohl auf persönlich menschlichem wie auch auf spielerisch abstraktem Level ein Höchstmaß an gegenseitiger Durchdringung ereichte.

Auch die Stücke selbst bergen jede Menge Platz für Verwandlung, eben weil sie diese spielerische Ebene betonen. Da sie nicht überkonzipiert sind, sondern sich aus kleinen Zellen entwickeln, denen die beteiligten Musiker einfach ihr Eigenleben lassen, entfalten sie viel Raum für spontane Gestaltung. Im ursprünglichen Sinne des Jazz stellen diese Aufnahmen nur einen Zwischenstand vor, der dann live wieder von völlig anderen Inkarnationen überholt werden wird. Das Album steht nicht für das finale Ergebnis einer Verwandlung, sondern beschreibt den Wandlungsprozess just im Augenblick der unmittelbaren Veränderung. Niemand muss hier etwas beweisen, sämtliche Songs drücken einen Zustand schöpferischer Gelassenheit aus. Wo auf Kösters früheren, deutlich rockigeren CDs ein Hang zu urbaner Enge und motorischem Stress vorherrschte, macht sich jetzt eine Anmutung von pastoraler Weite und zeitlicher Unabhängigkeit breit. Köster selbst kommt ursprünglich vom Lande, sein neues Album ist nicht zuletzt Ausdruck einer gewissen Großstadtflucht des gereiften Musikers. Selbst die sehr sparsam eingesetzten Electronics erweitern eher den Horizont, als dass sie für die digitale Hektik der Gegenwart stehen würden.

Allerdings offenbart sich Köster auch mehr denn je als Trompeter. Er ist wieder mehr Solist mit Band, auch wenn seine Gespielen Sebastian Sternal (Klavier), Joscha Oetz (Bass) und Jonas Burgwinkel sich nicht über einen Mangel an Freiraum und kollektiver Teilhabe beklagen können. Aber aus der Musik sprechen auch deutlich einige Vorbilder des Trompeters Köster wie zum Beispiel Tomasz Stanko, Chet Baker oder Kenny Wheeler. Einige dieser Anklänge hat er ganz bewusst zugeöassen, andere kamen eher aus seinem Unterbewusstsein. „Ich habe all diese Trompeter viel gehört. Man kommt einfach nicht an ihnen vorbei. Man wird sie nicht los, und nach Jahren manifestieren sie sich dann auf diese Weise im eigenen Spiel.“

Ein besonderes Stück ist „Guru/Night Gleam“, für das sich Köster einen Text von Allen Ginsberg vornahm, der von Tobias Christl vorgetragen wird. „Meist hat man als Musiker zuerst eine Melodie, für die man dann einen Text sucht. Ich wollte mal den entgegengesetzten Weg beschreiten. Deshalb entschied ich mich bewusst für einen Prosatext ohne klaren Sprachrhythmus oder Versmaß. So mussten wir uns als Musiker dem Text anpassen.“

Mit seiner neuen Platte hat sich Köster neu zwischen Vergangenheit und Gegenwart positioniert. Er weiß selbst, dass er das Rad nicht neu erfunden hat, aber darum ging es auch gar nicht. Er wollte für sich selbst etwas Neues finden, und das ist ihm gelungen. Seine Verwandlung ist gerade deshalb so glaubwürdig und ansprechend, weil sie uns nicht das komplett Neue, sondern das alltäglich Neue im Bekannten vor Augen hält.



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