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   David Friedman: Weaving through motion: Release-Informationen

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VÖ: 12.09.2014
EAN/UPC: 705304459621
Traumton CD: 4596

David Friedman - Weaving through motion

„Solo-Platten sind eine wunderbare Gelegenheit, eigene Texturen zu kreieren“, freut sich David Friedman über sein neues Album Weaving Through Motion. Es ist tatsächlich erst seine zweite Solo-CD und gleichzeitig eine Art Jubiläum. Vor 20 Jahren nämlich erschien, ebenfalls bei Traumton, Friedmans erstes Solo namens Air Sculpture. Natürlich war der Amerikaner in Berlin davor und seitdem nicht untätig, spielte mit Prominenz wie Chet Baker, John Scofield, Wayne Shorter, Dino Saluzzi, Jean-Louis Matinier, Bobby McFerrin u.v.a. Konzerte und Alben ein. Aber eben nicht alleine. „Normalerweise bekommt man vom Label und vom Studio nicht soviel Zeit, etwas in Ruhe zu entwickeln“, erklärt Friedman. Das war bei dieser Produktion ganz anders. Mit Produzent Wolfgang Loos hat er viele Ideen ausprobiert, improvisiert, Melodien und Harmonien entwickelt. Durch die sorgfältige Überlagerungen einzelner Motive mittels Overdubs entstand schließlich „eine vertikale Klangarchitektur.“ 

Anders gesagt: die Stücke auf Weaving Through Motion strahlen eine individuelle Schönheit aus. Sie schimmert sanft, hintergründig, hält sich entschieden von dickem Make-up oder protzigen Accessoires fern. Dadurch wirkt sie unmittelbar attraktiv, aber nicht auftrumpfend. Mit jeder weiteren Betrachtung, in diesem Fall natürlich mit jedem weiteren Hören, locken die Stücke etwas mehr, offenbaren weitere Nuancen. Von manchen scheint eine kontemplative, fast Zen-ähnliche Ruhe auszugehen, jedoch ohne die Strenge einer Tee-Zeremonie oder einer Kalligraphie. Friedmans Musik fließt ohne Hast, aber mit einem klaren Ziel. „Es ging mir darum, dass jedes Stück eine eigene Atmosphäre erzeugt“, beschreibt er die grundsätzliche Idee. Man könnte ergänzen: eine Atmosphäre, die souverän Leichtigkeit mit Tiefgang vereint.

Schon die Begegnung der beiden Instrumente führt zu oszillierenden Dialogen. Die Metallplatten des Vibraphons entwickeln einen schwebenden, zuweilen luftigen Sound; eher trockene Patterns der hölzernen Marimba assoziieren erdige Klangfarben. Kein scharfer Kontrast, vielmehr eine sich gegenseitig bereichernde Kommunikation. Auf zusätzliche Perkussion, die Friedman 1994 noch ergänzend spielte, verzichtet er diesmal. Trotzdem zeigen viele Stücke eine sublime rhythmische Energie, teilweise auch Groove. Nicht zuletzt bei No (Changes), einer persönlichen Annäherung an die Rockband Yes. „Verglichen mit dem ersten Soloalbum habe ich dieses Mal etwas freier gedacht und weniger in ungeraden Metren“, bemerkt Friedman, „es ging mir um die Herausforderung, aus dem Nichts Melodien zu kreieren, die im Ohr bleiben.“

Vier Fremdkompositionen, bearbeitet im typischen Friedman-Stil, finden sich auf der CD. Thelonious Monks Round Midnight habe er schon lange mal aufnehmen wollen, allerdings „nur dessen Hauptthema“. Konsequenten Gestaltungswillen zeigt Friedman auch bei seiner Interpretation von Michel Legrands Windmills Of Your Mind. „Ich fand seine Grundidee immer gleichzeitig kitschig und genial“, sagt Friedman, „nun habe ich die harmonische Struktur und ein paar Harmonien geändert, einen Teil weggelassen und einen 7er-Groove statt einen 4/4-Takt unterlegt.“ Das Stück Átom von Ferenc Snetberger hat Friedman früher mit dem Gitarristen zusammen gespielt; die ungarische Stimmung liegt ihm, zumal er familiäre Wurzeln in dieser Region hat.

David Friedman wurde 1944 in New York City geboren und wuchs in der Jazzmetropole auf. „Der Jazz war damals sehr wichtig und überall präsent“, erinnert er sich, „alle seine stilprägenden Wegbereiter lebten noch. Man konnte in Manhattan sogar tagsüber richtig gute Swingtypen in Clubs spielen sehen. Und wenn man sich nach Harlem traute... ich habe dort gespielt, mit Hubert Laws, als einer von zwei Weißen unter vielen Afro-Amerikanern.“ 1977 trat er zum ersten Mal beim Festival in Moers auf, direkt nach dem Art Ensemble Of Chicago. Für das dortige Freejazz-Publikum war das eine Provokation. Damals wie heute interessiert sich Friedman für die Verbindung aus Melodik, Struktur und Improvisation. „Was mich schon immer faszinierte ist Improvisation, die nicht atonal ist, sondern tonal und harmonisch klingt“, zieht er eine Linie zum melodischen Spiel von Keith Jarrett oder Dave Liebman.

„Wenn mich ein Stück nicht zum Träumen motiviert, empfinde ich es als flach“, sagt David Friedman, „es muss meine Phantasie beflügeln.“ Das sei schließlich die Kraft der Musik: „Menschen in andere Stimmungen zu versetzen, für kurze Zeit in eine andere Welt zu entführen.“ Friedman nennt es augenzwinkernd „auralen Tourismus“ und hält fest: „die Töne spielen dabei eine untergeordnete Rolle, solange die atmosphärische Spannung bleibt.“




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