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   Tobias Preisig: Drifting: Release-Informationen

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VÖ: 21.03.2014
EAN/UPC: 705304460528
Traumton CD: 4605

Tobias Preisig - Drifting

Kennen Sie Tobias Preisig? Richtig, ein umjubelter Jazzgeiger aus der Schweiz, der mit seiner CD „In Transit“ 2012 neue Maßstäbe zwischen der virtuosen Verspieltheit des Jazz und der aufmüpfigen Gradlinigkeit des Alternative Rock gesetzt hat. Die Platte lud dazu ein, beherzt „Weiter so!“ auszurufen. Jetzt liegt mit „Drifting“ die neue Veröffentlichung des Geigers mit seinem Quartett vor. Daher lohnt sich noch einmal die Frage: Kennen Sie Tobias Preisig wirklich? Denn wenn Sie bislang glaubten, diese Frage gerade heraus mit einem klaren „Ja“ beantworten zu können, dann lernen Sie ihn auf „Drifting“ neu kennen.

Es gibt CDs, deren Musik anzukündigen vieler Worte bedarf. Bei Tobias Preisigs drittem Album reicht ein einziges Wort, um fast alles zu sagen, was man über diese CD im Voraus wissen muss. Der Titel „Drifting“ bringt perfekt auf den Punkt, worum es hier geht. Vier Musiker, die sich frei von jeder Zielvorgabe in den unendlichen Möglichkeiten des Klanges treiben lassen, ohne allzu viel Konzept oder Überbau darauf zu verwenden.

War „In Transit“ ein Geigen-Album, auf dem ein Virtuose alle Facetten seines Könnens aufblitzen ließ, so ist „Drifting“ eine CD mit Geige. Der Unterschied zwischen diesen beiden Prinzipien ist weitaus größer, als es auf den ersten Blick erscheint. Tobias Preisig braucht nicht mehr zu demonstrieren, was er auf seinem Instrument leisten kann. Diesmal geht es ihm um die Beantwortung ganz anderer Fragen. Wie weit kann er mit den Klangmöglichkeiten seines Viersaiters gehen? Bis wohin kann er sich spielerisch zurücknehmen, um in der Reduktion dennoch ein Höchstmaß überraschender Akzente zu setzen. Und wie kann er ein Ensemble von Solisten und Individualisten so zusammenschweißen, dass das Augenmerk innerhalb des Gesamtkontextes gar nicht mehr auf die einzelne musikalische Stimme gelegt wird?

Es geht Preisig und seinen Mitstreitern (Stefan Aeby auf Piano und Rhodes, André Pousaz am Bass und Michi Stulz auf dem Schlagzeug) in erster Linie um Stimmungen. „In Transit“ bezeichnet er retrospektiv als düster, „Drifting“ hingegen ist in jeder Hinsicht transparent und von verschiedenen Zuständen von Licht durchflutet. Um eine Atmosphäre aufzubauen und zu halten, sind alle Mittel erlaubt. Am Ende zählt allein der Klang. Mit seiner Geige legt Preisig alle erdenklichen Fallen für Ohr und Verstand aus. Wo bleibt sie denn, die Violine, mag sich der aufmerksame Hörer hin und wieder fragen, dabei hat sie sich durch eine Hintertür schon längst in die ungemein räumlichen Klanggebilde der Band hinein geschlichen. Überhaupt setzt sich die Musik, so ganzheitlich sie zunächst wirken mag, aus unzähligen liebevoll ineinander gefügten Details zusammen.

Diese Liebe zum Detail deutet sich bereits im Cover an. Völlig losgelöst steht das Wort „Zero“ auf der Innenseite des Booklets, das ebenso viel über die Musik aussagt wie der Titel selbst. Bei Zero handelt es sich um den Ausgangspunkt, von dem aus alles möglich ist. Alles beginnt bei Null. Bei jeder Performance des Tobias Preisig Quartetts fällt am Anfang der Begriff „Zero“, der gleich einer Zündung den Weg zum Horizont eröffnet. Mit dieser Gepflogenheit folgen die vier Schweizer dem Wayne Shorter Quartet, das sich auf diese Weise bei jedem Konzert aufs Neue ihren gigantischen Fundus an Freiheit erspielt. Alle Glieder und den Geist ausstrecken, sich treiben lassen und unterwegs mitnehmen, was immer sich bietet. Was das jedoch im Einzelfall sein wird, kann man am Anfang eines Stückes niemals sagen.

Mit „Zero“ geht aber nicht nur eine Verpflichtung zur eigenen Offenheit einher, sondern auch eine Aufforderung an den Hörer, sich bei jedem Hören der CD erneut komplett zu öffnen. Denn der Quadrant, in dem sich diese Musik abspielt, ist keineswegs fest definiert, sondern verändert sich je nach emotionaler Verfassung, Tages- oder Jahreszeit und Umgebung, in der man die Songs hört. Die unglaubliche Reise, auf die Preisig uns mitnimmt, irgendwo zwischen Massive Attack und Mahavishnu Orchestra zu verorten, wäre zu einfach. Hier spielen Farben, Düfte, Bewegungen, Ausdehnungen, Aggregatzustände und Dichtegrade mindestens ebenso eine große Rolle wie musikalische Vorbilder.

„Drifting“ ist kein besseres oder schlechteres Album als „In Transit“, und wer den Vorgänger liebte, darf das auch immer noch tun. So klar auf den Punkt definiert, wie „In Transit“ war, so offen ist „Drifting“ in alle Richtungen. Beide CDs gemeinsam ergeben ein perfektes Ganzes eines außergewöhnlichen Musikers und seiner Band, deren gemeinsamer Weg zu jedem Zeitpunkt ganz am Anfang ist und immer bleiben wird.



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