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   Laura Winkler & Wabi-Sabi Orchestra: Paper Clips: Release-Informationen

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VÖ: 04.04.2014
EAN/UPC: 705304460221
Traumton CD: 4602

Unbenanntes Dokument

Laura Winkler & Wabi-Sabi Orchestra
Paper Clips

An ambitionierten Großformationen ist die deutsche Jazz-Landschaft nicht gerade arm. Leider schaffen es nur wenige Big Bands, dem Jazz in unserer Zeit neue Farben hinzuzufügen und sich auf aktuelle Hörbedürfnisse einzustellen. Die junge aus Graz Stmmende und derzeit in Berlin ansässige Sängerin und Komponistin Laura Winkler findet mit ihrem Wabi-Sabi Orchestra nun einen völlig neuen Ansatz.

Wenn sie die Musik ihrer ersten CD „Paper Clips“ beschreibt, vermeidet Laura Winkler den begriff Big Band. Das liegt nicht etwa daran, dass sie sich von herkömmlichen Jazz-Orchestern absetzen wollte, sondern daran, dass das Portfolio des Wabi-Sabi Orchestras weitaus größer ist. Das Angebot reicht von kammermusikalischen Strukturen über präzise ausgearbeitete Voice-Tüfteleien, bei denen die Instrumentierungen bestenfalls unterstützenden Charakter im Hintergrund haben, bis hin zu saftigen Jazz-Arrangements. Den klassisch schmetternden Bläsersatz sucht man auf diesem Album indes vergebens.

Am Anfang dieses ungewöhnlichen Projektes stand eine Masterarbeit von Laura Winkler, die von John Hollenbeck betreut wurde. Der amerikanische Schlagzeuger, der seine Zelte längst in Berlin aufgeschlagen hat, sammelte ausgiebige Erfahrungen mit Großformationen, unter anderem der Jazz Big Band Graz, dem Village Vanguard Orchestra oder Bob Brookmeyers New Art Orchestra. Eine bessere Empfehlung hätte es für die Sängerin nicht geben können. Denn für Laura Winkler stand von Anfang an fest, dass sie nach neuen Farben und Kombinationsmöglichkeiten für eine große Gruppe suchen wollte. Als wäre eine organische Verbindung der zeitgenössischen Möglichkeiten von Stimme und Jazz-Orchester nicht schon Herausforderung genug, integrierte sie auch noch Geige und Viola in ihr Konzept. Dabei ging es ihr viel weniger um einen kontinuierlichen Gesamtklang des Ensembles als um die zahlreichen Begegnungsmöglichkeiten, die sich aus dieser Grundkonstellation ergeben.

Das Wabi-Sabi Orchestra erscheint wie eine große Kreuzung mitten in der Großstadt, auf der sich zahllose Stimmen unterschiedlichster Zungen begegnen und im Gespräch neue Bilder, Gedanken und Ideen freisetzen. Am Anfang steht die totale Draufsicht auf die Kreuzung, doch schnell löst sich der ultimative Klang in zahlreichen Episoden auf. Jede dieser Begegnungen hat ihre Zeit und wird von einem anderen Ereignis abgelöst. Solos im klassischen Sinn gibt es nicht, mal steht die eine Persönlichkeit oder Gruppierung mehr im Vordergrund, mal die andere. Aus all den Stimmen zusammen ergibt sich ein veränderliches Wimmelbild, das sich dennoch zu einem starken Erzählstrang verdichtet.

Hauptinspiration und Ausgangspunkt waren für Laura Winkler die Texte des japanischen Romanautors Haruki Murakami. Sie drang tief in die gleichermaßen ausgleichende und verstörende Sprache des Meistererzählers ein, analysierte einzelne Wörter und Wortkombinationen, las aus den Wörtern Formen heraus, suchte nach adäquaten Klängen und wurde fündig. So löste sie die Leichtigkeit und Schwere aus Murakamis Texten und übersetzte sie in pure Emotion. Ihre aus früheren Arbeiten mit Big Bands rührende Neigung zum Epischen durchmischte sie mit einem neuen Bekenntnis zum Spartanischen. Jedes Stück steht für einen anderen ästhetischen Anspruch.

Diese große Offenheit und Beweglichkeit fällt vor allem beim Einsatz von Laura Winklers eigener Stimme auf. Mal ist die menschliche Stimme in ihren tausend Facetten unangefochtenes Hauptinstrument der Band, wie in „Dance 1“ und „Dance 2“, in vielen anderen Stücken aber ist sie nur eine unter vielen Klangfarben. Die Bandleaderin tritt hier zwar durchweg als Vokalistin, hauptsächlich aber als Komponistin in Erscheinung, die mit ihren Mitteln hervorragend hauszuhalten weiß und kein Gestaltungselement über die anderen stellt. Im Vordergrund stand bei der Arbeit stets die Frage, was den Texten nützt.

Die Musiker und Musikerinnen, mit denen sie sich auf „Paper Clips“ umgibt, sind ausnahmslos Protagonisten der jungen bis ganz jungen Berliner Szene. Einige unter ihnen wie der vielversprechende isländische Gitarrist Daniel Bödvarsson oder jetzt schon zum großen Hoffnungsträger ausgerufene Drummer Tilo Weber haben noch nicht einmal ihr Studium am Jazzinstitut Berlin beendet. Andere wie Saxofonistin Kati Brien, Baritonsaxofonist Viktor Wolf oder Vibrafonist Raphael Meinhart sind gerade dabei, sich auf dem jungen Berliner Jazzpflaster unentbehrlich zu machen. Dienstältester Hase in der Herde ist Bassist Oliver Potratz, der sich bereits unter anderem mit Daniel Erdmann, Arne Jansen, Kalle Kalima und Carsten Daerr einen Namen gemacht hat.

Laura Winklers fein nuancierte Musik ist bis ins letzte Detail stimmig. Nur der Bandname scheint auf den ersten Blick einen gewissen Gegensatz zu dem ausgeklügelten Konzept zu bilden. Wabi-Sabi klingt nach Ramba Zamba oder ähnlich flüchtigen Partyvergnüglichkeiten, die von der tiefsinnigen und überaus reflektierten Musik Laura Winklers so gar nicht bedient werden. Doch der phonetische Schein trügt. Wabi Sabi bedeutet im Japanischen etwa soviel wie „die Schönheit im Schlichten“. Laura Winkler trug dieses Motto schon lange in sich, auf „Paper Clips“ findet sie endlich eine Möglichkeit, diese Maxime umzusetzen. 



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