Alle News
Alle Künstler
Alle CDs
Alle Tourdaten



traumton.radio
   Hendrika Entzian Quartet: Turnus: Release-Informationen

[Tracks]   [Infos]    [Pressematerial]   [CD bestellen]



VÖ: 10.04.2015
EAN/UPC: 705304461921
Traumton CD: 4619

Hendrika Entzian Quartett - Turnus

„Wir spielen keine frei improvisierte Musik, sondern improvisieren über Song-artige Strukturen“, beschreibt Hendrika Entzian die Ästhetik ihres Debütalbums Turnus. Mit Gesang hat das Kölner Quartett um die 30-jährige Kontrabassistin und Komponistin aber nichts im Sinn. Das songhafte der Stücke zeigt sich in ihrer Form und in Melodien, die mal weite Bögen schlagen, mal die Atmosphäre einer klassischen Jazzbar weit nach Mitternacht vermitteln. Entzians musikalische Erzählkunst wirkt lyrisch und warmherzig, lockt mit hintergründigem Leuchten, überlässt plakative Gefälligkeit, Repetition und juvenile Muskelspiele gerne anderen. Ihre Leitmotive sind oft Sprungbretter für sensible, gleichwohl phantasievolle Improvisationen. Dabei scheint bisweilen der elegante Geist von Kenny Wheeler, Stan Getz oder Bill Evans am Horizont vorbeizuwehen.

„Wir wollten uns bewusst auf akustische Klänge konzentrieren“, beschreibt Hendrika Entzian den festen Ausgangspunkt der Band. „Alles weitere entwickelte sich weitgehend intuitiv, während wir spielten.“ Zwar stammen sechs der acht Stücke aus Entzians Feder, die Arrangements sind hingegen eine gemeinsame, gewachsene Sache. Seit Januar 2012 arbeiten Entzian, Maxi Jagow (Saxophon), Simon Seidl (Klavier) und Fabian Arends (Schlagzeug) kontinuierlich zusammen. Entzians Bekanntschaft zu Jagow reicht noch weiter zurück, in die Zeit, als sie in Hamburg begann, Kontrabass zu studieren. Das musikalische Einverständnis ist offenkundig, Jagows Stück Blauer Berg fügt sich nahtlos ins Album ein. Über Seidl und Arends sagt die Bandleaderin, „die beiden sind ideenreiche Solisten und Begleiter, außerdem hören sie extrem gut zu.“

Für die Produktion von Turnus lud Entzian die 1972 geborene Gitarristin Sandra Hempel ein, die sie ebenfalls während ihrer Hamburger Zeit kennengelernt hatte. Ihr warmer, klarer Sound passt zum akustischen Konzept des Quartetts. „Wir finden alle, dass sie eine wunderbare Gitarristin und hervorragende Solistin ist. Durch ihre Beteiligung ergaben sich neue Möglichkeiten und Ideen auch bei Kompositionen, die wir schon eine Weile im Repertoire hatten“, sagt Entzian. „Da wir alle Stücke im Studio live aufgenommen haben, hat uns Sandra auch noch einen zusätzlichen Energieschub verpasst.“

In Kiel wurde Hendrika Entzian 1984 geboren, erste musikalische Erfahrungen sammelte sie im Kinderchor. Als nächstes kam Klavier, dann die Gitarre und ein weithin bekanntes Bandproblem: zu viele Gitarristen, aber es fehlt ein Bassist. „Diese Rolle blieb irgendwie an mir hängen und da ich recht häufig spielte, wollte ich dann auch mal richtig Bass-Unterricht nehmen. Mein Lehrer war Kontrabassist und zu dieser Zeit begann ich mich für Jazz zu interessieren.“ Der große Bass und die Faszination des Jazz wiesen der jungen Frau letztlich auch den Weg zum Musikstudium in Hamburg. „Mir war immer klar, dass ich keine klassische Orchestermusikerin werden wollte. Aber ich hatte schon zu Schulzeiten Freunde, die Jazz gehört und teilweise auch studiert haben. Und als ich den Kontrabass das erste Mal in der Hand hielt, war mir schlagartig klar, das ist es.“ 2009 zog Hendrika Entzian nach Köln, wo sie unter anderem bei Dieter Manderscheid, Dietmar Fuhr und Sebastian Sternal studierte. Darüber hinaus nahm sie Unterricht in klassischem Bass, derzeit absolviert sie einen Masterstudiengang Jazz-Komposition und -Arrangement.

Mit einem Lead-Instrument solistisch im Vordergrund zu stehen, war nie Entzians Ziel. Als Bassistin fühlt sie sich aber keineswegs in einer Außenseiterrolle, sondern als Rückgrat der Band: „Man muss sehr gut zuhören und genau die Impulse geben, die im entsprechenden Moment benötigt werden. Mal heißt das, auf Solisten einzugehen, mal kann ich spontan neue Ideen liefern.“ Essentiell ist für sie auch noch ein anderer Aspekt. „Ich stand schon immer auf die Ausstrahlung handgemachter Musik. Man spielt etwas auf einem Instrument und es kommt unmittelbar an, ohne Technik, elektronische Effekte oder ähnliches.“ Auch deswegen klingt das Hendrika Entzian Quartetts im besten Sinne zeitlos. Ist die Distanz zu trendigen Effekten ein konzeptionelles Statement? „Wir hatten keine bewusste Abgrenzung zu Modernismen im Kopf, sondern haben einfach gespielt, was uns gefällt“, erklärt Entzian. Nuancierte Töne, facettenreiche Kompositionen und ein runder Bandsound verleihen Turnus seine charakteristische Aura. 

Bei der Tournee zur Veröffentlichung des Albums wird Sandra Hempel selbstverständlich als Special Guest dabei sein.



[nach oben] [zurück]



© Traumton 1998 - 2007 ::: Impressum ::: ::: home