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   Martin Klein: Das Leben hatīs doch gut mit uns gemeint: Release-Informationen

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VÖ: 18.09.2015
EAN/UPC: 705304462126
Traumton CD: 4621


MARTIN KLEIN: Das Leben hat's doch gut mit uns gemeint

In den acht Jahren, in denen Martin Klein als Sänger, Pianist und Loop-faszinierter Klangkünstler in der Wiener Alternative-Pop-Szene aktiv ist, erwarb er sich den Ruf, mit jeder Veröffentlichung Neuland zu erkunden. Auf englischsprachigen Piano-Power-Pop im Trioformat (Songs For My Piano, 2008) folgten 2011 das komplett deutschsprachige, nur auf Gesang und Klavier fokussierte Album Lass uns bleiben und 2013 schließlich Tracks For My Keyboards, eine mit Vintage-Electro-Orgeln eingespielte Sammlung tanzbarer und Ambient-artiger Stücke, die fast ganz ohne Text auskommen.

Auf den Konzerten, die Martin Klein anlässlich seines letzten (im Eigenverlag erschienenen) Albums gab, machte der Vollblut-Musiker jedoch deutlich, dass er sich mitnichten von einem der vorangegangenen Stile abgewandt habe. Vielmehr zeigte er mit Verve, wie viel ihm daran liegt, sie gleichberechtigt fortleben zu lassen. Und dies schließt weiterhin Auftritte mit seiner Jazz-bewanderten Rhythmusgruppe (Manuel Brunner, E-Bass + Alex Kerbl, Schlagzeug) mit ein, die schon oft demonstrierte, dass auch viele der deutschsprachigen Stücke hervorragend rocken und rollen.

Nun erscheint von dem 32jährigen, dessen vermeintliche Sprunghaftigkeit schon so manch österreichischen Berichterstatter irritierte (was Martin Klein übrigens in einer fingierten Radioshow, die sich auf seinem Soundcloud-Portal anhören lässt, genial persiflierte) das vierte Album Das Leben hat's doch gut mit uns gemeint. Auf den ersten Eindruck hin weist es eine frappierende Ähnlichkeit mit dem zweiten auf: erneut auf Gesang und Flügel reduziert, die gleiche Anzahl an Stücken, die der Mann am Klavier auch hier wieder in einem Rutsch, sprich: "Ohne Overdubs" (um schon mal einen Songtitel vorwegzunehmen), einspielte.

Darin könnte man nun gerade eine Volte wittern, doch der Hintergrund dieses für Martin Klein ungewöhnlichen Schritts ist ganz prosaisch: über die Jahre, in denen er – u.a. als Filmkomponist, doch vor allem: für sich - neue Klanglandlandschaften auslotete, entstanden parallel auch immer weitere deutschsprachige Lieder. Und als dann ein Dutzend beisammen war, lag es nahe, sie in ähnlicher Form wie Lass uns bleiben zugänglich zu machen.

"Mir war mal wieder danach ein paar deutschsprachige Lieder zu schreiben. Ich hab mich ins Studio gehaut und sie aufgenommen. Drei Stunden. Der Martl, ein Flügel und das Studio. Das war's. Ich find die Songs sehr leiwand (österreichisch für „klasse“; AdV) und hoffe, dass das Berliner Label sie raus bringt." , war vor rund einem Jahr auf der Facebook-Seite des Künstlers zu lesen. Und ja – das Berliner Label war und ist von Martin Kleins neuen Stücken nicht minder fasziniert als beim denkwürdigen Augenblick, als es, zu weit zurückliegenden MySpace-Zeiten, unter flotten (immer noch hörenswerten) Ben-Folds-Five-Verbeugungen wie „Don't Let It Get You Down“ plötzlich einige deutsche Balladen entdeckte, die in ihrer berührenden Poesie und Melodieversonnenheit ihm ein Liebe-auf-den-ersten-Hörer-Erlebnis bescherte, wie es nicht alle Tage vorkommt.

Seither sind durch kammermusikalische (wenngleich medial groß aufgezogene) Ausflüge sogenannter "Deutsch-Poeten" oder Konzertformate wie "TV Noir" viele Singer/Songwriter-affine Menschen auf den Geschmack des natürlichen Klavierklangs gekommen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich jenes Publikum von Martin Kleins neuer Liedersammlung ebenfalls angesprochen fühlt. Doch was ihn gegenüber vielen jener Protagonisten auszeichnet, ist die Gabe, bei allem Gefühl nie in Larmoyanz zu verfallen.

Vielmehr zeigen Martin Kleins Lieder Wege auf, die Wahrnehmung für die schönen Dinge des Lebens zu schulen, die unschönen (wie z.B. die im Spruch „Wer Tauben füttert, füttert Ratten“ zu Tage tretende Gesinnung einiger Wiener Mitbürger) nicht gleich persönlich zu nehmen und wie sich Notlagen oft am besten mit Humor lösen lassen. So etwa in „Unten auf der Gasse“, wo eine durch Stromausfall vereitelte Songskizze zum Denkanstoß wird, das nächste Mal besser auf die Handschrift zu vertrauen. Auch die das Titelstück abrundenden Zeilen („Heut' kann man keine Kästen bauen/oder Zahlen generieren/Heut' kann man in den Himmel schauen/und dabei was phantasieren./Heut' bekommt man nur das Neue/und das Alte nicht dazu,/denn das Neue gibt uns Hoffnung/und das Alte drückt im Schuh.“) zeigen die Möglichkeit auf, wie das Annehmen tagesaktueller Gegebenheiten, und seien sie „nur“ meteorologischer Natur, eine optimistischere Haltung begünstigen kann.

Dabei zeichnet es Lieder wie „Du“, „Bleib noch ein paar Stunden hier“ oder das eröffnende „In sich ruht die Welt“ aus, dass sie um die Flüchtigkeit solcher (Glücks-)Momente wissen, die ohne Vorbehalte und mit aller Sinnlichkeit (selten ist körperliche Behaglichkeit an einem heißen Sommertag so aufreizend lasziv geschildert worden wie im letztgenannten Stück) beschrieben werden. Und man muss sich nicht erst eingehend mit Heraklit beschäftigen (obgleich die Anregung dazu sicher in Martin Kleins Sinne wäre), um für die Metaphern in „Alles fließt“ und „Zu weit“ empfänglich zu sein.

Und wenn mal, wie in den für Gloria Dürnbergers Dokumentarfilm „Das Kind in der Schachtel“ geschriebenen Balladen, die besungenen Umstände zunächst nur wenig Trost verheißen, darf auf die kathartische Wirkung der direkten Konfrontation („Aber was, wenn wir nur einmal richtig sehen?“) vertraut werden. Der kongeniale Moment, wo in Gloria Dürnbergers autobiographischer Recherche die Strophe „Die Wirklichkeit verschmilzt mit/der Zeit und sie denkt nach/durchbricht damit die Schutzschicht/die im Verborgenen lag“ erklingt, dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass „Das Kind in der Schachtel“ 2014 beim Grazer Filmfestival „Diagonale“den Publikumspreis erhielt.

Die souveräne Art, mit der Martin Klein in seinem abgesteckten Terrain für größtmögliche Abwechslung sorgt, macht es daher plausibler, ihn in Gesellschaft gleichaltriger Landsmänner wie Andres Spechtl oder solch verdienten Meistern der Beobachtungsgabe wie Bernd Begemann, Jens Friebe (der immer öfter Geschmack an Solo-am-Flügel-Performances zu finden scheint) und - vor allem in dessen Eigenschaft als Texter für Erika Pluhar und Marianne Mendt - André Heller zu sehen. Und was sein ebenso feinfühliges wie temperamentvolles Klavierspiel angeht, dürfen ruhig die live aufgezeichneten Solo-Werke von Carole King und Laura Nyro bzw. von Randy Newman und Allen Toussaint (das bereits erwähnte „Unten auf der Gasse“ bringt a lot of Louisiana-Blues ins Kaffeehaus!) in die Runde geworfen werden. Und falls jemandem bei Kleins kraftvollem Anschlag in „Keine Overdubs“ die zweite Seite von Keith Jarretts Köln-Konzert (also „Part II a“) in den Sinn kommt: nur zu !

Visuell hat Das Leben hat's doch gut mit uns gemeint jedoch mehr mit Jarretts Mysteries-Album gemein, auch wenn auf der Cover-Phoneographie der Wiener Foto-Künstlerin Claudia Kraus statt entlaubter Bäume hochgewachsene Gräser (und „Spalier stehende Wolken“) zu sehen sind.

Wir werden tagtäglich mit einer gigantischen Flut an Bildern und Reizen konfrontiert, die uns mitzureißen und wegzuspülen droht und uns entfernt von dem, was uns als Mensch ausmacht. Wir sind stets Vergleichen ausgesetzt, werden aufgerufen, uns darzustellen und zu positionieren. Und irgendwann entsteht der Wunsch zu flüchten: Hinein in eine Welt, die auf Elementares reduziert ist und Ruhe gibt.”, reflektiert Claudia Kraus auf ihrer Website und erweist sich auch hiermit als Schwester im Geiste von Martin Klein, der bereits vor einigen Jahren auf die Interview-Frage, ob für ihn nun in der Lebensführung karrierebedingte Veränderungen anstehen würden, entgegnete: „Ich möchte gar nicht das ganze Jahr auf Tour sein, sondern früh aufstehen und auf den Berg gehen, um dort ein Klavierstück zu schreiben. Sehen, wie sich die Vegetation verändert, die Sonne aufgeht, einfach Zeit für Beobachtung haben.“

Diese Haltung durchdringt auch seine neuen zwölf Lieder, die um eine ganz spezielle „Cover-Version“ ergänzt werden. Denn Das Leben hat's doch gut mit uns gemeint schließt mit „Gute Nacht“, dem Eröffnungsstück aus Schuberts Winterreise ! In den letzten zwanzig Jahren sind ja einige renommierte Popkünstler im (spät-)romantischen Lied-Repertoire fündig geworden (Jeff Buckley bei Benjamin Britten, Martha Wainwright bei Ralph Vaughan Williams oder Louis Philippe und Danny Manners bei Francis Poulenc), doch bei Martin Klein erweist sich dieser Fingerzeig als besonders plausibel.

Denn bereits auf Lass uns bleiben fanden sich viele Reminiszenzen an das Schubertsche Kunstlied (hier wären "Das Floß", "Nebel" und "Der Fischer und das Mädchen" zu nennen). Und bei Kleins feinfühliger Interpretation der Worte Wilhelm Müllers ist auch ein direkter Bezug zu einem seiner neuen Stücke zu erkennen: „Doch ich weine nicht“ ist mit Zeilen wie „Ich steig' wo ein,/steig' wieder aus, bin ganz verloren./Die Kälte hat das Bahnhofslicht schon fast erfroren" thematisch ganz nah dran am rastlosen Ich-Erzähler der Winterreise. Und es kann kein Zufall sein, dass Martin Klein gegen Ende des Stücks - anstelle die letzte Strophe („Will dich im Traum nicht stören,/wär schad um deine Ruh/Sollst meinen Tritt nicht hören,/sacht, sacht, die Türe zu“) anzustimmen - eine Art rhythmische Reprise von "Keine Overdubs" erklingen lässt, die als zusätzlicher Ansporn zum Aufbruch nach neuen Ufern verstanden werden darf.

Als Nahziel steuert Martin Klein das ORF-Radiocafé (Argentinierstr. 30A, Wien) an, wo er am 8. Oktober die Lieder von Das Leben hat's doch gut mit uns gemeint (und noch einige mehr) live präsentieren wird.


Bio

Martin Klein wuchs in Innsbruck auf. Als Kind lernte er Cello und spielte mit seinen Schwestern in einem Streichquartett. Im Elternhaus stand auch ein altes Piano, auf dem er sich das Klavierspielen selbst beibrachte. Mit etwa 15 Jahren spielte er in ein paar lokalen Jazz- und Rockbands Schlagzeug. Später übersiedelte er nach Wien, dann nach Utrecht (Niederlande).

Inspiriert von der regen holländischen Songwriter-Szene begann er selbst Songs zu schreiben, kehrte nach Wien zurück und nahm dort sein Debüt Album Songs for My Piano auf.
Nach dieser CD-Veröffentlichung bekamen seine Lieder Don´t let it get you down und On my way to you massives Airplay auf dem alternativen Radiosender FM4. Der Falter schrieb von einem "Thom Yorke ohne Kunstrucksack und einem Maximilian Hecker ohne Elfenbeinturm", der Standard von "sensibler und obsessiver Kunst" und das Music Information Center Austria von einem der ohne Zweifel zu den hoffnungsvollsten Vertretern der heimischen Singer/Songwriter-Szene gehört.

Zwischen 2007 und 2010 spielte der Musiker Auftritte im Storm Club London, im Austrian Cultural Forum London, beim Tschirgart Jazzfastival als Support von Sophie Hunger, im Radiokulturhaus Wien und beim Fest der Salzburger Festspiele.
Im Jahr 2010 erschienen zwei weitere Singles. Your Heart Has Gone und Did I Ever Let You Know. Letztere wurde von Sony Music auf der FM4 Soundselection 22 veröffentlicht.
Im November 2011 erschien sein zweites Album Lass und bleiben bei Traumton Records in Berlin. Mit diesem Album kehrte er zu seinen Wurzeln zurück und widmete sich seinen Songs in schlichter Solo-Besetzung. Die Lieder wurden live im Studio und unter Verzicht auf Overdubs aufgenommen. Die CD wurde am Chansonfest Berlin und bei Brut im Konzerthaus Wien präsentiert.
Bayern 2 wählte Lass und bleiben zum Musik-Favoriten, FM4 schrieb von "einem nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich beeindruckendem Werk" und das deutsche Fachmagazin Jazzthetik ortete "traumverlorene kleine Meisterwerke". Der größte deutsche MP3 Blog Tonspion schrieb gar: "Wenn echtes Leben auf Traumwelten eines Poeten trifft. So muss Musik sein“.

Zwischen 2011 und 2013 spielte Martin Klein vermehrt Konzerte in Deutschland, wie etwa im Rationaltheater München, im Zimmer 16 Berlin, im Horns Erben Leipzig oder der Veränderbar Dresden. Sein bisher größtes Konzert fand im Juni 2013 am Karlsplatz Wien statt, als er solo am Flügel sitzend, die Stadt von der Seebühne aus in den Schlaf wiegte. Am Berliner Ensemble war er mit Maresa Hörbiger in Welcome back Fräulein Else als Theatermusiker zu erleben. Als Gastmusiker ist er auf Alben von Wolfgang Ambros, Clara Luzia, Martin Spengler und Walkner.Moestel zu hören.

Im Jahr 2013 veröffentlichte Martin Klein das experimentelle Album Tracks for My Keyboards. Mit diesem Werk wurde er seinem Ruf, als unberechenbarer Künstler gerecht, der sich nichts aus musikalischen Erwartungshaltungen oder Stilschubladen macht. Tracks for My Keyboards ist eine tanzbare Elektro-Platte geworden, die Martin Klein in seiner Wohnung während der letzten fünf Jahre aufgenommen hatte. Die Erweiterung seines Equipments bewirkte auch eine musikalische Expansion. Er selbst titulierte die bislang an ihm unbekannte musikalische Seite als "Elektro-Trash-Punk aus dem Wiener Untergrund". Die Tageszeitung Die Presse schrieb darüber: "Die weltabgewandte Schönheit von Songs wie "Vienne" und "Cello Song" lässt erkennen, wie wenig sich Klein von der Behelfsmäßigkeit des Lebens beeindrucken lässt. Seine Träume scheinen wirklicher als alle Wirklichkeit. Sein Utopia versucht nichts weniger, als die Entzauberung der Welt rückgängig zu machen."
Im September 2013 schrieb gar das New Yorker Nycrophone: "If you love the piano and captivating melodies, definitely familiarize yourself with his music.“

Im Jahr 2014 komponierte Martin Klein die Musik zum Film Das Kind in der Schachtel von Gloria Dürnberger. Der Film gewann den Publikumspreis der Diagonale 2014. Weiters spielte er ein Solo-Konzert in der Hafenstadt Triest im Rahmen der Ausstellung MAK - Salotto Vienna.

Im Oktober 2015 erschien sein viertes Album Das Leben hat´s doch gut mit uns gemeint, das so wie Lass uns bleiben ohne Overdubs und solo am Klavier sitzend eingespielt wurde. Deutschland Radio Kultur, Ö1, Radio FM4 und Bayern 2 stellten Lieder des neuen Albums in ihren Sendungen vor.
Bayern 2 ortete eine Art “neuzeitlichen Franz Schubert“ und das deutsche Fachmagazin MusikWoche berichtete: „Das Album ist ein wahres Kleinod – um diesen fast schon aus der Mode gekommenen Begriff zu verwenden, der aber genau zur weltabgerückten, romantischen, poetischen Kunst des 32-jährigen Eigenbrötlers passt. Sein Zyklus aus 13 Liedern endet mit „Gute Nacht“ aus Franz Schuberts „Winterreise“ und beginnt mit dem Titel „In sich ruht die Welt“, der programmatisch für das Album stehen könnte, und dessen Text die Stimmung eines entrückten Augenblicks in der Nachmittagssonne beschreibt. Zwischen diesen Eckpfeilern singt Martin Klein mit sanfter, verträumter Stimme am Klavier seine lyrischen Songs, die fragil wirken und doch beim Hören ihre innere Kraft entfalten."



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