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   Florian Favre Trio: UR: Release-Informationen

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VÖ: 08.04.2016
EAN/UPC: 705304463123
Traumton CD: 4631

Florian Favre Trio - Ur

„Ein echter Hochkaräter der nicht nur Spass macht, sondern auch jede Menge Überraschungen bietet.“ (Jazz Podium) 

Verglichen mit ihrer Größe und Einwohnerzahl bringt die Schweiz seit Jahren bemerkenswert viele Jazztalente hervor. Und nicht wenige der dortigen Musiker eröffnen dem Genre durch individuelle Ideen neue Perspektiven. Ideen, die ansehnliche oder wunderbare Blüten treiben können, weit von den amerikanischen Wurzeln entfernt. Florian Favre, 1986 in westschweizerischen Fribourg geboren, gehört zu diesen hellsichtigen Charakteren. Wie viele seiner Generation ist er offen für unterschiedliche Stile, weiß sie aber genau zu sortieren und pointiert zu verarbeiten. Favres variable Kompositionen mögen zuweilen Einflüsse von europäischer Klassik, Rock oder Elektronik ahnen lassen, finden letztlich aber immer zu einer individuellen Sprache. So wirkt seine Musik gleichermaßen fokussiert und einem Generationen übergreifenden Publikum zugewandt. Zumal der reflektierte Pianist und Komponist nicht im Elfenbeinturm sitzen mag. Die Kommunikation mit den Zuschauern ist ihm ebenso wichtig ist wie das intuitive Verständnis innerhalb der Band. Hier wie da entstehen eindrucksvolle Funkenflüge, ganz ohne vordergründige musikalische Zitate.

Favres Naturell neigt eher zu Humor als zu großen Gesten. In seiner Musik flirtet er gern mit Unvorhersehbarem, schätzt gegen den Strich gebürstetes. Bisweilen spielt er sich mit seinem Trio scheinbar selbst in Ekstase, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Tempi oder Rhythmen können unerwartet wechseln, wuchtige Drum-Hiebe und hart angeschlagene Bass-Figuren die Dynamik zuspitzen, während Favres rechte Hand hakenschlagend durch Oktaven springt. Am anderen, lyrisch-kontemplativen Ende des Spektrums finden sich fein ziselierte Passagen, in denen die Musiker subtil mit Klangfarben spielen. Unverkennbar legt Favre viel Wert auf eine durchdachte, stimmige Dramaturgie, die Intuition und Intellekt ausbalanciert. Schönheit lässt sich auch im Einfachen finden, meint er, solange es nicht naiv wird. Andererseits interessiert ihn Virtuosität nur, wenn sie etwas auszusagen vermag. „Ich kann als Komponist extrem komplexe Dinge zu Papier bringen“, sagt Favre, „aber sie ergeben keinen Sinn, wenn ich sie später beim Spielen nicht innerlich hören kann. Weil dann beim Improvisieren nichts entsteht.“

Mit acht Jahren begann Florian Favre, klassischen Klavierunterricht zu nehmen. Sein Vater war Komponist einer Blaskapelle, hatte aber mit Jazz nichts im Sinn und so entdeckte Favre erst als Zwölfjähriger Blues-Skalen, die ihn bald zum Jazz wechseln ließen. Mit 21 hatte er ein Diplom mit Auszeichnung des Konservatoriums Fribourg in der Tasche und wechselte nach Bern, um an der dortigen Hochschule der Künste weiter Jazzpiano sowie Komposition zu studieren. In dieser Zeit beschäftigte er sich auch wieder intensiv mit klassischer Musik. Heute sagt Favre, dass er sich in bestimmter Hinsicht Strawinsky und Ravel verbunden fühlt, „besonders ihrem Gespür für Klang.“ 2008 gründete Favre sein Quartett Help!, mit dem er alsbald erste Auszeichnungen erhielt und zwei Alben veröffentlichte. 2012 war er mit Stephan Eicher und dem Spoken Poetry-Künstler Kutti MC auf Tournee, mit letzterem arbeitet Favre bis heute. Zu seinen Kooperationspartnern gehören auch die Sängerinnen Ann Malcolm und Pamela Mendez, zudem komponiert er für das Fribourg Jazz Orchestra. 2012 gewann Favre die „International Jazzhaus Piano Competition" in Freiburg im Breisgau. Nach Abschluss seines Masters (unter anderem bei Django Bates) hielt sich Favre eine Weile in New York auf. Sein Esprit beeindruckt selbst weit gereiste amerikanische Kollegen. So wurde Favre einmal von Joshua Redman auf die Bühne gebeten, nachdem der Schweizer das Konzert des Saxophon-Stars eröffnet hatte. Redmans öffentliches Lob würde wohl viele rot werden lassen: „He has something really, really special that blew us all away.” 

Sein Trio funktioniert, sagt Florian Favre, als Kollektiv und wie ein Organismus. Der intuitive, von einer natürlichen Präzision durchdrungene Fluss der Musik und die Gleichberechtigung der Instrumente sind nicht zu überhören und machen einen großen Teil der Magie der Band aus. 2011 wurde sie von Favre gegründet, 2013 kam der sechs Jahre ältere Kontrabassist Manu Hagmann dazu. Er hat ebenfalls in Bern studiert und bereits eine vielfältige musikalische Geschichte. 2007 gewann Hagmann mit seinem damaligen Quartett Red Planet den Wettbewerb „Tremplin Lémanique“ des Montreux Jazz Festivals. Weitere Auszeichnungen folgten, etwa mit der Jean-Lou Treboux Group bei den Stanser Musiktagen 2011 und mit der Band Orioxy, zu der neben anderen die Harfenistin Julie Campiche gehört. 2013 erhielt Orioxy den „Grand Prix“ der Avignon International Jazz Competition. Mit beiden Projekten nahm Hagmann jeweils zwei Alben auf, spielte bei Festivals und in mehreren europäischen Ländern.

2015 eröffnete der viel gefragte Schlagzeuger Arthur Hnatek neue Dimensionen für das Favre Trio. Wie Hagmann stammt der Mittzwanziger Hnatek aus Genf, beide sind schon länger befreundet. Zwischenzeitlich lebte Hnatek in New York und absolvierte dort seinen Bachelor unter anderem bei Kirk Nurock und John Hollenbeck. Schon mit 16 war er zum ersten Mal in der Jazzmetropole, seinerzeit dank eines Stipendiums für ein Sommersemester am Drummer's Collective. Mittlerweile ist Hnatek bei vielen großen Festivals aufgetreten (Montreux, North Sea, „La cité de la musique“ Paris, Montreal, Reykjavik) und hat auch als Elektronik-Musiker und Remixer gearbeitet. Mit Tigran Hamasyan spielte er dessen letztjähriges, gefeiertes Nonesuch-Album „Mockroot“ ein, mit Erik Truffaz dessen neues Werk „Doni Doni“. Beide Stars engagier(t)en Hnatek selbstverständlich auch für ihre Tourneen. Neben seinen vielen Einsätzen als Rhythmus-Rückgrat anderer verfolgt Hnatek auch eigene Projekte, etwa das Electro-Jazz-Quartett Melismetiq u.a. mit Shai Maestro. Darüber hinaus komponierte er im Auftrag von Festivals für Orchester, Bigbands und kleine Ensembles sowie für Filmproduktionen.

Schon das Debüt des Florian Favre Trios, T'inquiète pas, ça va aller, sorgte 2013 über die Schweizer Grenzen hinaus für Begeisterung. Verglichen mit den damaligen Stücken sind die neuen Kompositionen schlüssiger, findet Florian Favre. „Nach dem ersten Album habe ich mir viele Fragen gestellt und die Suche nach einer neuen Essenz als eine Art Reise empfunden. Diese Reise tragen nun alle Songs von Ur in sich.“ Der Album-Titel scheint ungewöhnlich, zumal bei einem Künstler, dessen Muttersprache Französisch ist. „Ich mag, dass man mit so wenig Buchstaben etwas so tiefes ausdrücken kann“, sagt Favre, der längst auch Deutsch beherrscht, „ich finde, das Wort hat Kraft und etwas echtes.“

Zwar komponiert Favre die Stücke alleine, lässt aber stets Räume für seine Bandkollegen. Etwa wenn sie im Proberaum gemeinsam neue Ideen oder Arrangements weiter entwickeln. Nicht nur live, sondern schon im Studio findet das charismatische Trio immer wieder zu interessanten Improvisationen. Dabei konzentrieren sich alle erfolgreich darauf, mit rein akustischen Mitteln individuelle Klänge zu kreieren. Verdichtet wird die Spannung durch das Gespür Favres und seiner Partner für infizierende Grooves und rhythmische Wendungen. Selbst in energiegeladenen Momenten bleiben sie auf dem Terrain des Jazz, verirren sich nie auf das dünne Eis plakativer Effekte. So zeigt das Florian Favre Trio eine erstaunlich perfekte Mischung aus Spielfreude und Treffsicherheit, juvenilem Verve und abgeklärter Souveränität.

„Favre hat eine Vorliebe für eine farbenprächtige Harmonik, die er jedoch stets aufs Neue in Brand setzt, um ad hoc dem Verlauf seiner Akkorde neue Richtungen zu geben.“ (Jazz Thing) 



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