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   Florian Favre Trio: On A Smiling Gust Of Wind: Release-Informationen

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VÖ: 03.11.2017 CH
EAN/UPC: 705304465523
Traumton CD: 4655

FLORIAN FAVRE TRIO

On A Smiling Gust Of Wind

Die Presse in der Schweiz und Deutschland war sich schon früh einig: Pianist Florian Favre ist originell und charmant, hochtalentiert und künstlerisch eigenwillig. Geboren und aufgewachsen Im westschweizerischen Fribourg, hat Favre in Bern zunächst Klavier, dann Komposition studiert und dort auch 2011 sein Trio gegründet. 2013 kam Bassist Manu Hagmann dazu, hinterm Schlagzeug gab es für das jüngste Album mal wieder einen Wechsel. Doch dazu später mehr. Als alleiniger Komponist trägt Favre, inzwischen 31 Jahre alt, den größten Teil der künstlerischen Verantwortung, wenngleich er von je her Raum für seine Partner lässt. Favres Stücke zeichneten sich bislang durch „farbenprächtige Harmonik“ (Jazz Thing) und einen offenen Geist aus, ihre Melodien waren häufig mit rhythmischer Raffinesse und spontanen Interaktionen aufgeladen, was die Intensität noch verdichtete. Diverse Auszeichnungen, etwa der 1. Preis der International Jazzhaus Piano Competition 2012 in Freiburg i. Br., belegen die Qualität Florian Favres. Kollegen schätzen ihn als ebenso brillanten wie angenehmen Mitspieler.

Seit dem weithin gelobten Album Ur, das im April 2016 erschien, ist viel passiert. Das Trio feierte bei Festivals Erfolge (u.a. Amersfoort Jazz (NL), Jazz à Vienne (Frankreich), Palatia Jazz, Ethno Jazz Festival Dushanbe (Tadschikistan)), genießt bis 2019 prioritäre Förderung von Pro Helvetia und gewann den B-Jazz International Contest im Rahmen des Leuven Jazz Festivals in Belgien. Favre selbst wurde mit einem Stipendium ausgezeichnet, dass ihn nach New Orleans und New York bringen wird, unter anderem um ein Stück für Jazz Trio und Orchester zu komponieren.
Vorher präsentiert Florian Favre nun das nächste Werk seines feinsinnigen Trios, ganz ohne Gäste und elektronische Geschmacksverstärker. Schon der Titel On A Smiling Gust Of Wind signalisiert luftige, positive Stimmungen. „Ich habe das Gefühl, dass die Band während der Aufnahmen richtig geflogen ist“, erklärt Favre, „dass wir leicht, unverkrampft und ehrlich gespielt haben. Eben so, als ob uns eine Böe Rückenwind gegeben hätte.“

Eine unaufdringliche Leichtigkeit zog sich bereits durch den Vorgänger Ur, ist aber nun noch präsenter und prägnanter. Neben Favres strahlendem, unter anderem von europäischer Klassik inspiriertem Spiel ist eine absichtsvolle kompositorische Klarheit der zweite rote Faden. Im Vergleich zu früheren Produktionen habe er noch mehr Wert auf spontane Eingebungen gelegt, sagt Favre, Emotionen und einfache Ideen zugelassen, sie weniger stark abstrahiert. Es geht ihm um eine unprätentiöse Schönheit, die er selbst in beseelter Musik (er benutzt die englischen Begriffe „soulful“ und „uplifting“) hört und spürt. Nicht als geplantes Gegenmodell zu intellektuell aufgeladenen Konstrukten, sondern vielmehr als ein bewusst lebendiger Ausdruck. Das Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl mag auch mit Favres privatem Glück zu tun haben. Warum sollten nur Pop-Musiker die Euphorie einer neuen Liebe in erhebende Songs fassen dürfen?

Humor gehört ohnehin zu Favres Naturell, ebenso ein subtiles Spiel mit verschiedenen Einflüssen. Das Klangbewusstsein von Ravel und Strawinsky begeistert ihn ebenso wie die energische Emphase von Rockbands oder elektronische Sounds. Letztere setzt er aber bei anderen Projekten ein, in dieser Hinsicht weiß Favre klar zu trennen. Was ihm gar nicht liegt, ist der künstlerische Elfenbeinturm. Kommunikation in der Band und mit dem Publikum sind Favre wichtig. Auf der Bühne wirkt er stets beiden zugewandt und vermeidet dabei plakative Gesten oder gar vordergründige Anlehnungen. Auch deswegen erscheint Favres Musik fokussiert, heute wahrscheinlich mehr als jemals zuvor.

Mit acht begann Florian Favre, klassischen Klavierunterricht zu nehmen, vier Jahre später entdeckte er Blues-Skalen und bald darauf den Jazz. Am Konservatorium in Fribourg machte er mit 21 sein Diplom, alles weitere entwickelte sich in Bern. 2008 gründete er das Quartett Help!, 2012 war er mit dem Songpoeten Stephan Eicher und dem Spoken Poetry-Künstler und Autor Kutti MC alias Jürg Halter unterwegs. Nach Abschluss seines Klavier-Masters (unter anderem bei Django Bates) hielt sich Favre eine Weile in New York auf. Sein Können beeindruckte dort selbst prominente Kollegen. So wurde Favre einmal von Joshua Redman auf die Bühne gebeten, nachdem der Schweizer das Konzert des Saxophon-Stars eröffnet hatte. Redmans Ansage: „He has something really, really special that blew us all away.”

Bassist Manu Hagman hat ebenfalls in Bern studiert und bereits eine vielfältige musikalische Geschichte. 2007 gewann er mit seinem damaligen Quartett Red Planet den Wettbewerb „Tremplin Lémanique“ des Montreux Jazz Festivals. Weitere Auszeichnungen folgten, etwa mit der Jean-Lou Treboux Group bei den Stanser Musiktagen 2011 und mit der Band Orioxy, zu der neben anderen die Harfenistin Julie Campiche gehört. 2013 erhielt Orioxy den „Grand Prix“ der Avignon International Jazz Competition. Mit beiden Projekten nahm Hagmann jeweils zwei Alben auf, spielte bei Festivals und in mehreren europäischen Ländern.

Nun können wir den neuen Drummer der Band vorstellen: Arthur Alard, 28, aus Paris. Kennengelernt haben sie sich beim besagten B-Jazz Contest, wo Alard mit Laurent Coulondre auftrat. „Nach dem Wettbewerb gab es eine Jamsession, bei der Manu und Arthur erstmals zusammen spielten. Das hat sofort super funktioniert. Später brauchten wir einen Schlagzeuger für eine Belgien-Tour und ich fragte Arthur, ohne selbst je mit ihm gespielt zu haben. Er kam, hatte alle Stücke von der Platte auswendig gelernt und schon im ersten Konzert jederzeit verstanden, wohin ich gehen will.“ Favre schwärmt geradezu vom neuen dritten Mann. Alard beherrsche viele Stile, kenne sich in diversen Genre aus, diene dem Stück und verschmelze mit dem Bandsound. Wie perfekt die Verständigung in der Band klappt, macht er an einem Beispiel deutlich. „Das Stück Nanomélie habe ich in der Nacht vor dem letzten Studiotag komponiert. Als wir alles andere im Kasten hatten, legte ich den Jungs die Noten vor und wir haben nur vier Takes eingespielt.“ Favre freut sich, dass auch dieses Stück auf der Platte ist, weil es aus seiner Sicht symbolisch für Einfachheit und „hoffnungsvolle Musik“ steht.

„Das neue Album klingt mehr denn je nach mir“, resümiert Florian Favre. „Es spiegelt Charakterzüge wider, die meine Freunde von mir kennen, andere vielleicht noch nicht.“ Zudem findet der Schweizer, dass die Stücke einen starken Bezug zueinander haben. Tatsächlich wirkt On A Smiling Gust Of Wind geschlossen und rund, zugänglich und auf subtile Art unterhaltsam. Jazz am Puls der Zeit, mit starker persönlicher Note und einem großen Potential, auch außerhalb des Jazzzirkels viele Freunde zu gewinnen.



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