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   Frederik Köster / Die Verwandlung: Homeward Bound Suite: Release-Informationen

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VÖ: 12.01.2018
EAN/UPC: 705304465721
Traumton CD: 4657

Frederik Köster / Die Verwandlung & Philharmonisches Orchester Hagen
Homeward Bound Suite


Dass Frederik Kösters Band Die Verwandlung ihrem Namen alle Ehre machen kann, weiß man seit ihrer Gründung vor rund fünf Jahren. Im September 2015 veröffentlichte sie mit Tension/Release ein herausragendes, weithin gelobtes Album. Beim NDR war es CD der Woche, dazu hieß es u.a.: „...selbstbewusst und sicher im Zentrum des zeitgenössischen Jazz. Best of made in Germany.“ Und Werner Stiefele konstatierte in Stereoplay: „Ein Highlight des kammermusikalischen Jazz.“ Zuletzt brillierte das Quartett der Preisträger (Köster, Sternal und Burgwinkel erhielten u.a. jeweils Jazz-Echos, Köster außerdem den Neuen Deutschen Jazzpreis und den WDR-Jazzpreis) auf Festival-Bühnen mit überraschenden Wendungen in Klangfarben und Grooves. Die stilistische Spannweite schließt neuerdings sogar arabische Einflüsse ein. Dennoch war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass Köster und Die Verwandlung als nächstes eine Produktion mit klassischem Orchester präsentieren würden. Damit begibt sich das weit gereiste Quartett aus Köln auf ein Terrain, das auch im internationalen Kontext vergleichsweise selten vermessen wird. Eine Jazz-Combo mit klassisch geschulten Streichern stimmig zu vereinen ist ungefähr so leicht, wie aus französischer und asiatischer Küche neue Gerichte mit ausbalancierten Aromen zu kreieren. Dass es geht, beweist Frederik Köster mit seiner Homeward Bound Suite.

„Ich bin mit großen Ensembles aufgewachsen“, erklärt der 1977 geborene Musiker, „meine ersten Bigband-Arrangements habe ich mit 14 geschrieben.“ Davor spielte er unter anderem im Blasorchester seiner Heimatstadt, später studierte Köster Trompete, Komposition und Arrangement in Köln. Seitdem arbeite er u.a. mit Albert Mangelsdorff, Randy Brecker, Ack van Royen, Lalo Schifrin, Trilok Gurtu, Nils Petter Molvaer, Biréli Lagrène & WDR Bigband und komponierte für diverse Orchester. Vor neun Jahren veröffentlichte er unter dem Namen Frederik Köster Jazz Orchester eine Bigband-CD. „Mit einem klassischen Orchester zu arbeiten stand schon lange auf meiner Wunschliste“, sagt Köster. Ein logistisch und finanziell ambitioniertes Vorhaben. Zu Hilfe kam schließlich das alljährliche Festival „Sauerland Herbst“. Über zwei Dekaden hinweg ist Köster dort unregelmäßig aufgetreten; schon in früheren Jahren initiierten die Veranstalter Kooperationen mit dem Philharmonischen Orchester Hagen und anderen Solisten. Für die Saison 2016/17 wurde der Kreis geschlossen.

 „Mir war wichtig, etwas neues zu komponieren“, beschreibt Frederik Köster seinen Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit. „Ich war schon immer Fan von Programm-Musik, etwa Mussorgskys Bilder einer Ausstellung. Während ich die Musik der Suite schrieb, dachte ich an meine alte Heimat und die Landschaft des Hochsauerlands.“ Fast unausweichlich mischt sich ein Hauch Wehmut ins Leitmotiv der Homeward Bound Suite. Das ist aber nur eine von vielen Facetten der atmosphärischen, zuweilen suggestiven Suite. Köster vermeidet direkte Zitate, etwa von traditioneller Musik aus der Region. Stattdessen illustriert er im Stück Land der 1000 Berge die sich dahin schlängelnde Ruhr mit Klavier und Streichern im Stil von Smetanas Moldau-Assoziationen, um dann mit immer heller strahlender Trompete und anschwellendem Orchester zum Gipfel zu streben. Der vielschichtige Titel Wurzeln und Flügel bezieht sich auf Dichterfürst Goethe, er beginnt mit Blechbläsern als Synonym für Kösters Wurzeln. Über eine Streicher-Passage changiert die Komposition zu einem schillernden Trompetensolo, das den Schwerpunkt in der Folge Richtung Quartett verlagert. Den weiteren Verlauf des Stücks prägt ein markantes rhythmisches Riff, das auch vom Orchester gespielt wird und über das Burgwinkel solistische Akzente setzt. Homeward Bound gibt Sebastian Sternal Raum, als Pianist zu glänzen; in Kyrill reflektiert Köster klangvoll und dynamisch über den gleichnamigen Sturm, der tiefe Spuren in der Natur hinterließ. Mit fast 12 Minuten ist es das längste, komplexeste und kantigste Stück der Suite. Darin verwoben sind ein Modus von Olivier Messiaen und ein eigenwilliges Kontrabass-Solo von Joscha Oetz, weiterhin rhythmisch akzentuierte, suggestive und lautmalerische Passagen, die auf ein fast kakophonisches Crescendo zulaufen.

Vor gut zweieinhalb Jahren fanden die ersten Vorgespräche für das Projekt statt. Schon während er an den ersten Skizzen arbeitete, entwickelte Köster klare Vorstellungen zur Instrumentierung. Neben den genannten Inspirationen gingen ihm Klangfarben-Maler wie Debussy, Ravel und Strawinsky durch den Kopf, außerdem Soundtrack-Komponisten. „Ich wollte etwas schreiben, das im Vergleich zur Musik der Verwandlung insgesamt relativ harmonisch ist“, erklärt Köster, „es darf in manchen Momenten auch ein wenig monumental klingen, aber eben nicht breit oder gar schwülstig.“ Zwei Monate hat Frederik Köster an Nuancen und umfänglicher Notation gearbeitet. „Die 60 Musiker des Orchesters sind natürlich weniger beweglich als die Verwandlung, daher muss alles akribisch festgelegt werden. Zudem haben wir unterschiedliche Ansichten zu Rhythmus, Timing und Phrasierungen.“ Für Details in der Ausformulierung zog Köster seinen langjährigen musikalischen Partner Sebastian Sternal zu Rate, der sich in seiner mehrfach preisgekrönten Sternal Symphonic Society als brillanter Arrangeur erwiesen hat.

Für das 1907 gegründete Philharmonische Orchester Hagen war es keineswegs die erste grenzüberschreitende Kooperation. In der Saison 2011/2012 arbeitete es mit Jon Lord, Gründungsmitglied und Keyboarder von Deep Purple, der als „Composer for Hagen“ in der Stadt weilte. Im Rahmen dieses Engagements entwickelten die Philharmoniker mit dem einstigen Vordenker des Klassik-Rock mehrere Projekte. Davor und danach gab das Orchester Konzerte mit den Rockbands Extrabreit und Luxuslärm, dem Jazzer Roby Lakatos, mit Musik-Kabarettist Hans Liberg und Jochen Malmsheimer. 2015 wurden die Philharmoniker unter GMD Florian Ludwig mit dem Preis  „Bestes Konzertprogramm der Saison“ des DMV (Deutscher Musikverleger-Verband e.V.) ausgezeichnet.   

Die Homeward Bound Suite fügt dem vielgestaltigen Werk Frederik Kösters eine neue, spannende Facette hinzu. Gekonnt vereint der Trompeter die Talente seines intuitiv interagierenden, hochmusikalischen Solisten-Quartetts mit der Fülle des großen Klangkörpers. Bisherige Konzerte zeigten, dass Kösters sehr persönliche und lebendige Musik über Genrationen und Geschmacksvorlieben hinweg begeistert. Zumal sie klug alle Fallen umgeht, die bei einer solchen Kooperation lauern. Stereotypen findet man hier ebenso wenig wie akademisch-sperrige Melodieverweigerung. Den Status als einer der interessantesten Trompeter und Komponisten mindestens seiner Generation kann Frederik Köster mit diesem Album zweifellos manifestieren.



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