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   Frederik Köster / Die Verwandlung: Golden Age: Release-Informationen

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VÖ: 31.01.2020
EAN/UPC: 705304468623
Traumton CD: 4686

Frederik Köster / Die Verwandlung - Golden Age

„Sensible bis energiegeladene Interaktionen, die vom besonderen Klangverständnis aller Beteiligten leben und stilistische Grenzen hinter sich lassen.“ (FAZ)

Ein weiteres Mal macht Die Verwandlung ihrem Namen Ehre. Das hochkarätige Quartett der vielfach ausgezeichneten Musikerpersönlichkeiten (insgesamt sechs Jazz-Echos, Neuer Deutscher Jazzpreis, WDR-Jazzpreis) vollzieht auf seinem neuen Album wieder mal einen stilistischen und klanglichen Richtungswechsel. Vor allem im direkten Vergleich zu seiner 2018 veröffentlichten Homeward Bound Suite. Das spektakuläre Orchesterwerk wurde damals weithin gelobt, beispielsweise als „eine gelungene Verzahnung von Jazz- und klassischen Elementen mit emotionalem Tiefgang“ (Jazz Podium). Die Schweizer Zeitschrift Jazz'n'More befand: „Die Klangfarben des Orchesters setzt das Quartett stringent um und Frederik Köster legt sich mit seinen Soli schlüssig über rhythmische Muster.“ Und die Badische Zeitung positionierte den Bandleader an „die Spitze des deutschen Jazz. Kösters Trompete, elegant und eigensinnig mit gelegentlichen Loop- Echos unterfüttert, hebt sich klar ab von Ikonen wie Miles Davis und Chet Baker.“

Nach dem erfolgreichen Ausflug ins große Format konzentriert sich Die Verwandlung nun wieder auf sich selbst. Mit ebenso eindrucksvollem Ergebnis. So vielfältig wie auf Golden Age hat man die Band zumindest auf CD noch nie gehört. Schon im Aufmacher-Titel Fanfare – For The Right Reasons kombiniert Frederik Köster seinen strahlenden Trompetenton dezent mit elektronischen Effekten, schlägt elegant und clever eine Brücke vom orchestralen Vorgängeralbum zum aktuellen Sound des Quartetts. Beim folgenden Soudasi setzt die Elektronik, zu der hier neben Kaos-Pad, Loop-Effekten und Samples auch ein Ringmodulator gehört, prägnante Akzente. Das mehrteilige Stück vereint außerdem flackernde Trompetenfanfaren, knurrig gestrichene Kontrabass-Passagen, ruhige und aufstachelnde Momente. Nicht nur Soudasi basiert auf nahöstlichen Grooves (konkret auf einem libanesischen 6/4-Muster), die von Burgwinkels pointierten bis hochverdichteten Schlagzeug-Einsätzen befeuert werden. In Yalla wecken Kösters rasante Linien unwillkürlich Balkan-Assoziationen, tatsächlich liegt dem Stück aber ein arabischer Maqam Bayat zugrunde, der von der Band modifiziert wurde. Jimballa hingegen setzt auf einen 5/4-Takt, der auch in anderen Teilen der Welt geläufig ist. Darüber hinaus gibt es Kompositionen, die ganz andere Inspirationen verarbeiten. So lässt Leak zunächst die Harmonik Kenny Wheelers anklingen, ehe es sich plötzlich mit Beats und Synthesizersounds in Richtung Elektro wendet. Komplett ruhig und rein akustisch bleibt dagegen Cast Me From Your Spell, bei denen Kösters und Sternals Klangfarbenspiel eine Atmosphäre kreiert, die an ihr intimes Duo-Album Canada anknüpft.

Frederik Köster betrachtet Golden Age als Reaktion auf seine vorangegangenen Alben, die überwiegend oder ausschließlich akustisch arrangiert waren. Die Elektronik steht dem 1977 geborenen Wahl-Kölner nahe, seitdem er als Teenager in einer Rockband gesungen und Keyboards gespielt hat. In jüngerer Zeit habe er wieder viel Hiphop, Trap und andere elektronische Musik gehört, sagt Köster und verweist auf vor allem auf die Szene in Los Angeles. Parallel zu der Idee, der Band ein neues, von Elektrosounds durchwirktes Soundgewand zu schneidern, verfolgte Köster beim Komponieren ein weiteres Ziel. Zugunsten größerer Freiräume für seine Bandpartner ließ er manche Strukturen offen, brachte mitunter lediglich Skizzen ins Studio, die gemeinsam ausgearbeitet wurden. „Teilweise habe ich bewusst darauf verzichtet, Bögen zurück zu Leitmotiven zu schlagen“, erklärt Köster, „so kann es passieren, dass Ideen oder Stränge nicht weitergeführt werden, sondern einfach verebben. Solche Stilmittel sind heute in der Musik und in der Literatur völlig akzeptiert, während sie früher verpönt waren.“

Die bereits angesprochenen orientalischen Einflüsse, von ungeraden Metren bis zu arabischen Skalen mit ihren typischen Vierteltönen, hat Frederik Köster über geraume Zeit hinweg auf diversen Konzertreisen mit der Verwandlung und anderen Formationen eingesammelt. Zuletzt gastierte er beispielsweise in Izmir, Almaty (Kasachstan) und – gleich eine ganze Woche lang – in Beirut. Darüber hinaus spielt er seit acht Jahren in der internationalen Band des Osnabrücker Morgenland-Festivals, zu der jüngst auch hochkarätige Syrer, etwa Klarinettist Kinan Asme und Ney-Virtuose Moslem Rahal gehörten.

Den Albumtitel Golden Age versteht Frederik Köster einerseits als ironischen Kommentar zur Glorifizierung bestimmter Zeitspannen. Andererseits ist auch er fasziniert von der künstlerisch gesehen goldenen Epoche in Paris vor rund 100 Jahren, als sich Dali und Picasso, Satie und Debussy, Hemingway und Scott Fitzgerald begegneten. Selbstverständlich zeigt Kösters Musik keine Bezüge zum goldenen Zeitalter des Impressionismus. Stattdessen spielt sie gewitzt mit prägnanten Sound-Vignetten aus jüngeren Dekaden. So lässt das von Sebastian Sternal klug eingesetzte Fender Rhodes Piano an Funk und Soul der Siebziger denken, während der analoge Juno 6-Synthesizer für die Achtziger steht. Aktuelle elektronische Effekte repräsentieren das 21. Jahrhundert, der Ringmodulator wirkt wie eine Art Stammzelle elektronischer Musik. Zudem finden sich kleine Verweise auf die Blütezeit des Jazz in den fünfziger und sechziger Jahren und, ziemlich versteckt, Queens Sheer Heart Attack.

Eine Premiere hat sich Köster für das letzte Stück der Platte aufgehoben. (To The) Evening Star präsentiert den Trompeter erstmals auf CD als Sänger, wenn auch teilweise durch Looper und Effekte verfremdet. Auf der Bühne singt Köster bekanntlich schon eine Weile, vor Aufnahmen schreckte er lange Zeit zurück. Inzwischen sieht er sie aber als wichtige Bereicherung: „Für Musiker ist die Stimme natürlich stets interessant, immerhin ist das natürlichste Instrument.“ Der Text des Songs stammt übrigens von William Blake und ist mit rund 250 Jahren die älteste Poesie, die Köster bislang vertont hat.

Trotz mancher kunstvoll angedeuteten oder auch offenen Referenzen ist die Musik von Golden Age ganz in der Gegenwart zuhause. Allein schon, weil Köster und Sternal, Burgwinkel und Oetz in beseelten Interaktionen und inspirierten Soli konsequent ihrem eigenen Stil folgen, der sie allesamt längst ins Oberhaus des deutschen Jazz geführt hat. Mit ihrer Mischung aus individueller Virtuosität und vielfältigen, elektronischen wie akustischen Sounds kreieren Frederik Köster und Die Verwandlung einen unkonventionellen und hochaktuellen Jazz, der unterschiedliche Generationen ansprechen kann.



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