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   Erika Stucky: Princess: Release-Informationen

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VÖ: 15.04.2005
EAN/UPC: 705304575628
Traumton CD: 4481

Hippie-Picknicks im Golden Gate Park von San Francisco, dazu spielen die Monkees, Donovan und Nancy Sinatra den blumigen Soundtrack. Dann kreist plötzlich die Münze im Talerbecken, Jodelchöre und Trachtengruppen ziehen durchs Bild, am Horizont die Walliser Gipfel. Wie kind eine solche disparate Fülle an Idylle wegsteckt, wie schließlich frau daraus ein unikates vokales Universum erschafft, das konnten wir in den letzten Jahren erleben und genießen, wenn die Alpin-Amerikanerin Erika Stucky uns mit ihrer Bühnen- und CD-Präsenz beglückte. Nun lädt sie mit „Princess“ zur dritten Audienz – und wir vernehmen ein spleenig-spielerisches, royal-tiefgründiges Klanggemälde mit blau- und heißblütiger Prominenz en masse. Ein praller Gegenentwurf zur Prinzessin auf der Erbse.

Viel ist über diese verrückte transatlantische Biographie berichtet worden, die ein junges Maidli von der Bay Area nach „Wallis Wonderland“ entführte. Wie Erika Stucky ihren Kindheits-Kulturschock an der Pariser C.I.M. Jazzschule gesangsbildend nicht nur therapierte, sondern transformierte, mit George Gruntz und Ray Anderson das Jazz-Parkett machtvoll bestieg. Und wie sie schließlich mit ihrem ureigenen Projekt „Bubbles & Bones“ amorph bis metamorph den interkontinentalen Spagat hinlegte. Die staunende Presse beschrieb das mitunter so: “Changierend zwischen Alpen-Girlie und Jazz-Lady – eher herzzereißend als seriös avantgardistisch. Serious fun“ (Rolling Stone). „Vokale Aktionskunst zwischen Laurie Anderson, Meredith Monk und Tom Waits“, konnte Stereoplay ausmachen. Und ganz nüchtern protokollierte die FAZ: „Es gibt nicht viele Vokalistinnen von der Art Erika Stuckys.“ Welch nobles Understatement.

Denn in ihrem Soloprogramm wuchert das kreative Kraut in ungebremster Originalität. Sattes, aber auch genauso filigran elaboriertes Blaswerk aus Tuba, Posaunen und Trompeten bildet ein äußerst cleveres gehörntes Setting für ihre lautmalerischen, cineastischen Mini-Dramen, mal eigenes Stucky-Stückchen, mal von der reich gedeckten Spielwiese der Populärmusik unseres Planeten herausgepflückt, von Sting über Hendrix bis Nazareth.

Diese Klang-Philosophie spinnt die Nicht-Wahlwalliserin auf dem dritten Teil ihrer Solo-Reise fort. Und schlüpft dabei schelmisch in sämtlich für sie maßgeschneiderte Prinzessinnen-Kostüme, zeigt uns, wie’s „bei Königs“ so tönt. Das sind ihre Spielleute:

Wurde auf dem zweiten Album „Lovebites“ die Riege der blasenden Kombattanten - darunter Ray Anderson und Lew Soloff - schon ausgebaut, sind diesmal sage und schreibe neun Hörner an Bord. Der Wiener aus der Bronx , Jon Sass, Basstuba-Giant, (Hans Theessink, Henry Threadgill, Vienna Art Orchestra) gehört schon seit dem Vorgänger zum Inventar, genauso ist wieder Posaunist und Euphonium-Meister Bertl Mütter (Camerata Obscura, Haslinger-Mütter-Puntigam) von der Partie – sie sind die ständigen Companions der Chanteuse. Mit Mnozil Brass machen jedoch weitere sieben wilde Riesen aus Tu Felix Austria ihre blasende / vokale Aufwartung, und unter ihnen seilt sich Thomas Gansch auch mit solistischen Intermezzi ab. Knut Jensen besorgt kongenial mit Frau Stucky selbst das elektronische Zierwerk, der schlagwerkende Improvisator Lucas Niggli (Pierre Favre, Fred Frith, Butch Morris...) setzt erschütternde Akzente. Und mit Franz Treichler gesellt sich sogar ein leibhaftiger Young God von der gleichnamigen Schweizer Kultband Nummer 1 in einem recht ungewohnten Part ins Drehbuch. Und das sind nur die Akteure VOR den Kulissen des Palastes.

Wollte man alle Köpfe hinter den Songs fürs adlige Familienfoto zusammenbringen, es gäbe ein kurioses Panoptikum. Da säße der kleine Prince aus Minneapolis mitsamt seinen Gespielinnen Wendy & Lisa auf dem Thron. An seiner Seite lehnte der ungekrönte Grunge-Graf Kurt Cobain. Die „(Killer-) Queen“ höchstpersönlich in Gestalt von Freddie Mercury mimte die androgyne Diva. Ihr Gemahl, King Elvis, legte ein flottes Gefängnistänzchen auf die Fliesen des Schloss-Saales. Und als Gegenspieler zum finsteren Cobain schaute der böse Bube Michael von der Neverland-Ranch vorbei. Vornehme Contenance bewahrt man dabei selten, aber das zickige Erbs-Prinzesschen wird erst recht nicht markiert.

Denn trotz royaler Verankerung bleiben die Stuckyschen Frauengestalten gewohnt erdig und bodenständig: In „Fearless“, der markanten Auftaktfanfare, präsentiert sich über alphornhaft dröhnendem Blechbordun eine Amazonen-Prinzessin, mit „goldbereiften Armbändern und einem Schild aus Vertrauen“. Ähnlich selbstbewusst gibt sich die Heldin in ihrer Eigenkomposition „Untouchable“, lacht der Gefahr ins Gesicht und heult kalte Schauer erzeugend mit den Wölfen. In „You Know You’re Right“, dem posthum veröffentlichten Cobain-Song, setzen die Mnozils ein skurriles Backing und es scheint nicht mehr Kurt, sondern Gattin Courtney zu sein, die sich da lasziv ums Mikro räkelt. Jacksons „Bad“ ist mit Muhammad Ali-Schlachtrufen unterfüttert und setzt vokale Multi-Tracking-Glanzlichter. Im „Jailhouse Rock“ wird der Rock’n Roll-Machismo durch kreischende Hintergrund-Furien entlarvt. Und zwischendrin zwei Schmachtfetzen: Da wartet sie ganz unerschütterlich und einer Prinzessin standesgemäß, dass eines Tages ihr Erwählter kommen möge, mit hymnischem Erlösungs-Choral am Ende. Und dann lässt sich Young God Franz Treichler auf eine Duett-Exkursion ins Linda Ronstadt-Repertoire ein: „El Sol Que Tu Eres“ - wie trefflich sich doch die eidgenössische Seele und romantische Chicano-Mythen verbünden können! Als zentrales Highlight jedoch thront die „Domina“ inmitten der Stucky-Kompositionen, eine mehr als würdige Nachfolgerin der „Roxanne“ vom Debütalbum: Mit einem rapartigen Vorspiel lockt sie streng zum heißen Strip, den die sieben Jungs von Mnozil Brass - alle New Orleans-Register (aus)ziehend - anfeuern. Zum gluckenhaften Ausklang die Frage: Steckt nicht in jeder Mama eine Königinmutter, die ihren Bubi verhätscheln möchte?

Resolute Amazone, verschlingende S/M-Dame, cholerische Rock’n Roll-Queen und bemutternde Queen Mom der Herzen – Erika Stucky hat all ihre ganz speziellen Royalty-Rollen überzeugend im Griff.

© Traumton Records, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten



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