Alle News
Alle Künstler
Alle CDs
Alle Tourdaten



traumton.radio
   So.Weiss: Hunter / Dancer: Release-Informationen

[Tracks]   [Infos]    [Pressematerial]   [CD bestellen]



VÖ: 14.04.2006
EAN/UPC: 705304659328
Traumton CD: 4490

So.Weiss: "Hunter / Dancer"
Susanne Folk, Kristiina Tuomi, Roland Fidezius

Lyrik und Jazz - eine alte Liebesbeziehung, die im Laufe der Jahrzehnte viele erneuernde Nuancen erfahren hat. Ein Trio aus Blaswerk, Stimme und Bass schreibt die Historie dieses Flirts fort, lotet schaurig-romantischen Schimmer genauso aus wie gleißend helle Strahlkraft, fängt das tanzende Weiß der Schneeflocken treffend in Klängen ein, aber auch eine träge Sommerstimmung. Und dass sich das Dreiergespann um die Saxophonistin Susanne Folk So.Weiss nennt, hat mit englischer Poetry ebenso viel zu tun wie mit neuer deutscher Dichterschmiede oder nordischer Seele.

Wer sich noch angenehm an das Debüt der deutsch-finnischen Sängerin Kristiina Tuomi erinnert, wird mit "Hunter / Dancer" einen klanglichen Zwillingsbruder mit durchaus eigenem Willen entdecken. Wiederum präsentiert Traumton ein Dreiergespann, das die kongeniale Partnerschaft von Verskunst und Improvisation facettenreich kultiviert. So.Weiss ist das Brainchild der Braunschweiger Saxophonistin Susanne Folk, aus ihrer Feder stammen sämtliche Kompositionen. Als Mitglied des niedersächsischen Jugendjazzorchesters tourte sie durch Russland und spielte die CD "Wind Machine" ein. Ihre Studien in Essen (Folkwang) und Berlin (Universität der Künste) absolvierte sie u.a. bei Peter Weniger und David Friedman, Workshops - etwa bei Kenny Wheeler, Phil Woods und Joey Baron - ergänzten ihre Ausbildung. Mit Peter Herbolzheimers Bundesjugendjazzorchester sowie dem European Youth Jazz Orchestra führte sie die Linie der Bigbands fort. Heute zählt eine Fülle von Ensembles auf ihre Spielkunst: So etwa das internationale Bandkollektiv Kenosha Kid, das sich mit einer Mischung aus Klezmerpunk und Zirkusmusik auf die unorthodoxe Begleitung von Filmen spezialisiert hat und mit dem sie 2005/2006 durch Deutschland und die USA tourt(e). Des weiteren ist sie Mitglied im Berliner Kaktus Sechstett und im multinationalen Damenorchester Salome. Folk sammelte 2005 monatelange Jazzerfahrung in New York, wo sie u.a. bei Greg Osby, Ravi Coltrane, Chris Speed und Tony Malaby Unterricht erhielt, an Workshops mit Steve Coleman und Uri Caine teilnahm.

Ein Wiedererkennungseffekt mit sofortiger Wirkung bei der Stimme des Trios: "Kristiina Tuomi singt mit entwaffnender Klarheit und Schlichtheit - fernab von Jazzparametern", befand Jazzthetik über die 28jährige Tochter einer finnischen Mutter und eines deutschen Vaters zu ihrem letztjährigen erschienenen Opus "Tightrope Walker". Und "Jazzthing" urteilte: "Trotz dieser Lichtpartikel bleibt die Musik ... erfreulich dunkel, verwunschen und tönt mit ihren klaren, lyrischen Melodien und verklärten Harmonien liebreizend artifiziell." Lobeshymnen für eine vielseitige Absolventin der Universität der Künste zu Berlin, die von Electronica (Paloma) über Indiepop (Seazoo) bis zu akustischen Elegien, von Oper über Jazz bis Pop und Dancefloor während ihrer knappen künstlerischen Vita schon auf vielen "Hochzeiten" gesungen hat. Als Susanne Folk die Kollegin im Rahmen des Projekts "Fried Fly" hörte, war der Initialfunke für So.Weiss gezündet und sie begann ihre Stücke auf Tuomi zuzuschneidern.

Kontrabassist Roland Fidezius, gebürtig aus Wuppertal, studierte ebenfalls an der Universität der Künste in Berlin und entwickelte sich zu einem gefragten Allrounder: Er arbeitete u.a. mit Richard Howell, Owen Howard, Matthias Schubert und Don Pi (Gilberto Gil). Seine Eigenkompositionen pflegt er im Projekt Odd Shot, das 2005 die CD "Oscar & Emma" (Konnex Records) veröffentlichte. Seine Teilnahme am internationalen Jazzworkshop im kanadischen Banff führte zur Gründung von Kenosha Kid (siehe Folk!) und löste auch die Bildung eines Quartetts mit Peter van Huffel (NY) aus. Daneben zeigte er sich jedoch auch in der Klassik versiert, so in der Aufführung der Montezuma-Oper von Carl Heinrich Graun und Wolfgang Rihm, sowie den "12 Celan-Songs" von Michael Nyman. Engagements als Theatermusiker (Hansa Theater, Neuköllner Oper) und TV-Auftritte runden sein Spektrum ab.

"So.Weiss" - das ist natürlich kein begeisterter Werbeausruf für ein neues Vollwaschmittel. Vielmehr - und das verrät der Titel "So White" der vorliegenden Scheibe - leitet sich der Projektname aus einer Zeile im dramatischen Dialog zwischen Lady Macbeth und Macbeth her, just nachdem letzterer den Königsmord verübt hat und seine skrupellose Gattin ihn von schlechtem Gewissen reinwaschen will. Eine symbolische Szene für ebenjenes Wechselspiel von Licht und Schatten also, das im Verlauf des Albums zwischen Skandinavien, dem alten England und dem jungen Berlin hin und her oszilliert.

Das Faible für die Dichter der englischsprachigen Klassik und Romantik bildet einen roten Faden: So wurden der feinsinnige John Keats und der heroische Lord Byron neben Shakespeare zur Vertonung auserkoren. Rein und transparent, teils mit der Sanglichkeit eines Volksliedes hat Susanne Folk den Duktus der Briten aufgefangen. Doch - und das Wagnis ist gelungen- findet sich auch ganz aktuelle Lyrik in deutscher Zunge zu Tönen gesetzt: Die Gegenwartspoetin Monika Rinck aus Berlin (Debütband "Verzückte Distanzen", Ed. Postskriptum) steuerte zwei ihrer Gedichte bei, darunter fließende weiße Winterzeilen, die wie geschaffen sind für Tuomis Timbre. Folk selbst hat treffende Zeilen über das Gedränge in der U-Bahn geschrieben, die mit urbaner Hibbeligkeit gestaltet werden.
Das Trio erweist sich über die ganze Strecke als fast symbiotische Einheit: Folks agiles Saxophon und ihre vollmundige Klarinette sowie Fidezius' Tieftöner, mal mit großzügigem Strich, mal jagend gezupft, stehen immer im angeregten, vertrauten Zwiegespräch mit den Vocals, lösen sich dann und wann zu freieren Umspielungen, driften hinüber in improvisatorische Intermezzi, kehren schließlich zurück zur Grundidee des Songs, immer im Dienste der dichterischen Substanz. Mit diesem Album wird das Feuer der Leidenschaft zwischen Lyrik und Jazz frisch und wagemutig neu geschürt.

Anspieltipps:

- "When We Two Parted" (1): Das sehnsüchtige Abschiedslied des reisenden Dichters wird in intimer, skandinavisch-folkig angetupfter Zwiesprache mit dem Sax umgesetzt, jazzige Improvisationen brechen die transparente Anfangsstimmung.
- "Hunter / Dancer" (2): Im Titelstück malt die Klarinette in geheimnisvoll tiefen Lagen kreisende Spiralen unter der hellen Stimme Tuomis, tänzerisch-federnd grundiert der Bass
- "Die Richtung des Taus" (4): Das Schnee-Poem der Berliner Nachwuchsdichterin zählt schon per se zu den Kleinoden neuer deutscher Verskunst. In der Vertonung werden die Nuancen der wirbelnden Flockenlandschaft spielerisch vertieft.
- "La Belle Dame" (10): Die bekannte Keats-Ballade vom Ritter, der von einer Elfe in den Bann gezogen wird - dass pure Romantik auch heute noch unverkitscht und zudem hochdramatisch in Szene gesetzt werden kann, beweisen So.Weiss hier.

© Traumton Records, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten



[nach oben] [zurück]



© Traumton 1998 - 2007 ::: Impressum ::: ::: home