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   Heinz Ratz: Klabund - Leuchtet ihre Uhr des Nachts?: Release-Informationen

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VÖ: 27.10.2006
EAN/UPC: 705304449523
Traumton CD: 4495

Es ist kein Zufall, dass Heinz Ratz’ Liebe ausgerechnet auf den schillernden und nicht zu fassenden Dichter Klabund fällt. Wie Klabund ist auch Ratz ein Poet, der „abwechselnd zart und derb, sensibel und vulgär, demütig und herausfordernd, esoterisch und volkstümlich“ ist (Zitat Reich-Ranicki über Klabund), und wie bei Klabund sind auch Ratz’ Texte stilistisch ebenso perfekt wie nicht einzuordnen.Beide sind sprachlich geschliffene Chronisten der menschlichen Unarten und Leiden, die begeistern und berühren, beide sind aber auch nicht unumstritten in ihrer Schonungslosigkeit.

Beide, Klabund und Heinz Ratz wurden von schwerer, von lebensbedrohender Krankheit geprägt, und beide haben sich stets für ihre Weltanschauung weit aus dem Fenster gelehnt.Bei Klabund endete das glimpflich, mit einer Geldstrafe vor Gericht – nicht zuletzt, weil sich Frank Wedekind heftig für ihn eingesetzt hatte. Und Heinz Ratz initiierte und organisierte 2006 die „KonstantinWecker - Antifa-Tournee“ in den neuen Ländern, die in Halberstadt ein viel diskutiertes und unrühmliches Ende fand.Eine weitere Gemeinsamkeit sind die zahlreichen Reisen von Klabund und Ratz, die ein „zu Hause“ außerhalb der eigenen Sprache als Utopie erscheinen lassen.Und beide sind nicht nur als Autor hinter dem Vorhang tätig, sie rezitieren und singen ihre Texte auch selbst auf der Bühne.

Hier allerdings enden die Gemeinsamkeiten, denn Klabund galt als herzlich schlechter Vortragender, Heinz Ratz indes ist ein verblüffendes Mehrfachtalent. Mit seiner tiefen Stimme und sprachlichen Begabung braucht er den Vergleich etwa mit einem Harry Rowohlt nicht zu scheuen, packend und berührend liest er die Dichtung Klabunds als wäre sie heutig. Dazu kommt noch die Musik. Heinz Ratz ist ein Musiker von Tiefe und Einfühlungsvermögen, die Zeitlosigkeit der Schriften von Klabund wird durch die stimmige Musik unterstrichen, auch die Gefährlichkeit und Kraft beider Dichter ist stets spürbar.

Es scheint wie ein Treppenwitz der Geschichte: Zunächst Klabund, der so tief für Francois Villon empfand - welcher ja seinerseits ein Unruhestifter seiner Zeit war -, Klabund, der die literarische Vorlage lieferte für Bertold Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ und der dennoch für die elitäre Literaturwissenschaft immer zu sperrig, zu vielseitig, zu „kleinkünstlerisch“ war.Er lebt bis heute zu Unrecht mehr im Cabaret, im Chanson als in der Literatur, trotz seiner unbestrittenen Meriten, trotz seiner Theaterstücke, seiner Lyrik und Gedichte.

Und nun Heinz Ratz, nicht minder auffällig, nicht minder umstritten, der ebenso in der Gegenkultur, in der Subkultur, in den Kneipen und Cabarets zu Hause ist wie seinerzeit Klabund, und noch früher Villon.Ein weiterer Poet, der so nah an seiner Welt, an seiner Zeit ist dass er erst von den nachfolgenden Generationen wirklich gewürdigt wird?

Dieses Hörbuch jedenfalls ist durchaus nicht nur für Literaturfans ein Genuss, man kann hineintauchen wie in eine fremde Welt, nur um am Ende erschauernd zu begreifen, dass diese Welt die eigene, jetzt existierende ist.



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