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   Sanagi: Sailing The Seven Seas: Release-Informationen

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VÖ: 21.09.2007
EAN/UPC: 705304450628
Traumton CD: 4506

Sailing The Seven Seas

Schluss mit den Wehklagen darüber, dass die frühe Björk viel zugänglicher war, dass sich Moloko aufgelöst haben und es nun schon ein Vierteljahrhundert her ist, dass Kate Bush über sich selbst lachen konnte (zur Erinnerung einfach deren „There Goes A Tenner“ anhören)! Im Hier und Jetzt gibt es nämlich ein Duo, das an die Glanztaten intelligenten Elektro-Pops endlich anzuknüpfen vermag: SANAGI

Die norwegische Sängerin Lene Toje (26) und der halbjapanische Elektronik-Tüftler Robin Sato (23) lernten sich bereits 2002 am Liverpool Institute For Performing Arts kennen und fanden schnell heraus, welch Synergien sie gemeinsam entwickeln können. Während ihres Studiums sollten aus dem Kokon (so die deutsche Übersetzung des japanischen Bandnamens) eine ganze Reihe Songs entschlüpfen, welche die Schnittstelle zwischen Joni Mitchell und Richie Hawtin raffiniert ausloteten.

Dank zweier Club-Tourneen durch Deutschland fanden diese bald auch außerhalb Liverpools Gehör. Die Resonanz war so beflügelnd, dass Lene und Robin Berlin als zukünftigen Arbeitsort auserkoren. Bevor im Sommer 2005 die Koffer gepackt wurden, stellten sie aber ihr Debüt Mish Mash (zugleich die LIPA-Abschlussarbeit!) fertig. Das Berliner Label Traumton fand großen Gefallen an den facettenreichen Songs und veröffentlichte sie schließlich letzten Herbst.

Mish Mash wurde darauf nicht nur auf der Popkomm und der Mediawave (dem größten osteuropäischen Festival für elektronische Musik) präsentiert, sondern auch im Deutschlandfunk und in der Fachpresse begeistert aufgenommen. So entdeckte die Jazzthetik „minimalistische Klangidyllen, die man sich auch kammermusikalisch vorstellen kann„ und „eine Gabe ansteckender Albernheit, die man bei Trip-Hop-Duos der vorangegangenen Dekade vergeblich suchte“. Der tip empfand hingegen den Begriff „Folktronic“ als zutreffend: "Obwohl Robin statt akustischen Instrumenten lieber tropfende Wasserhähne sampelt, haben Lenes Gesangsmelodien eindeutig Folksong-Charakter."

Nun sind Sanagi mit Sailing The Seven Seas in zweierlei Hinsicht in Berlin angekommen: nicht nur, dass die Songs alle in der neuen Heimat entstanden, sie wurden auch direkt im Label-eigenen Studio von Traumton aufgenommen. An den Reglern saß kein Geringerer als Wolfgang Loos, der Mitte der Achtziger die größten Hits des Elektro-Pop-Trios Alphaville („Big In Japan“; „Forever Young“) produzierte.
Dabei wurden besonders Lene Tojes Chöre auf ein Level gehoben, das sich vor der stilbildenden ABBA-Mehrstimmigkeit (besonders deutlich auf Track 3: "Sweetest Odour") nicht zu verstecken braucht. Doch auch Robins Vorliebe für theatralische Sound-Gimmicks, wie sie besonders in “Knock Knock“ und im „Sanagi Lovesong“ zutage tritt, hat eine weitere Genialitätsstufe erreicht.
Wie auf dem Vorgängeralbum beginnt auch Sailing The Seven Seas mit einer wundervoll transparenten Ballade: „See-Through-Me“ beschreibt mit poetischen Bildern („You’re my favorite blue with some green in it“) wie schön es sein kann, sich dem Liebesrausch wehrlos zu ergeben. Auch das Folgestück „Liquid LeNe" hat jenes Wonnegefühl frischer Verliebtheit, das einen plötzlich geschmeidig und aufgeschlossen werden lässt, brillant eingefangen - und enthält mit dem Versprechen, miteinander alle Liebespsychosen durchstehen zu wollen, eine Sanagi-typische Finte.
In „Sweetest Odour“ beschreibt Lene ihre ersten Erfahrungen in einer typischen Ostberliner Hinterhofwohnung und wie schwer es ist, sich dieser selten erbaulichen Atmosphäre zu entziehen. Darauf folgt der in „Sleepwalking“ zum Ausdruck gebrachte Wunsch, aus eingefahrenen Handlugen herausgerissen zu werden und nicht mehr halbnarkotisiert durch die Welt zu tappen.
Hierfür haben sich Lene und Robin mit dem „Sanagi Love Song“ ein prima Gegengift geschaffen: denn die freundlich vorgetragene Auflistung diverser Foltermethoden und Todesarten, die einer großen (Hass)Liebe gewünscht werden, geht mit ihrem Reggae-Rhythmus direkt in die Beine. Veredelt von Paul Brodys gestopfter Trompete erinnert das Stück an den Electro-Dub, wie er in den 80ern etwa durch Scritti Politti ("Flesh & Blood") in die Charts kam.
Auch die kleine Gewaltfantasie „She's A Beautiful Man“ mit genialer - von Lene selbst gesungener- Fado-Einlage lädt auf die Tanzfläche. Ebenso das extrem funky daher kommende Eingeständnis unbezwingbarer Neugier „Knock Knock“. Einmal mehr fasziniert hier Lenes Gabe zur Selbstanalyse, die schon auf Mish Mash Songs wie „Rabbit Hole“ und „Bang Bang“ auszeichnete.
Und auch Lenes Erfindungsreichtum im Erschaffen griffiger Metaphern kommt auf Sailing The Seven Seas nicht zu kurz. In „Thought-Spinner Tom“ wird das Durcheinanderwirbeln der eigenen Gedanken durch ein kleines Männchen (namens Tom) personifiziert, das alle Konzentrationsstörungen, Grübeleien und Stimmungsschwankungen zu verantworten hat. Kein Wunder, gönnte sich dieser doch sechsundzwanzig Jahre lang kein einziges Päuschen! Ohne ihn kann sich die Erzählerin aber ihr Dasein auch nicht vorstellen - selbst wenn Tom in seinem Übereifer schon so manch romantische Situation ruiniert hat.
In „What Do I Want?“ weist Lene auf sanfte, aber bestimmte Art die Forderungen eines egozentrischen Gegenübers zurück - im Wissen, dass gewisse Menschen oft nur Überdeutlichkeit aus ihrer Selbstgefälligkeit reißt. Und „Sailor, me!„ – quasi der Titelsong des Albums - ist Lenes Reaktion auf die mit Schrecken gemachte Beobachtung, wie viele Frauen ihres Alters plötzlich Freude daran finden, sich fest zu binden und ohne Not ins Familienleben zu stürzen. Da erklärt sich Lene in dem beschwingten Shanty lieber zur Matrosin, die erst die Sieben Weltmeere durchsegelt haben möchte, bevor sie an dergleichen Lebensentwürfe nur einen Gedanken verschwendet.
Nicht weniger gewitzt geht es in der Girly-Rap-Persiflage „You Know What I Hate?“ zur Sache, in der Lene eine Hitparade meistgehasster Begebenheiten erstellt. Und die beinhaltet jede Menge (meist männlicher) Ungehobeltheiten, über die gemeinhin gerne hinweggesehen wird: Lene lässt in ihren detailreichen Schilderungen aber keinen Zweifel daran, dass sie schon viele einfallslose Komplimente ertragen und graumelierte Kavaliere abwimmeln musste.

Doch zum Ausklang geben sich Sanagi mit ihrer Version des (durch Elvis und The Platters gleichermaßen berühmt gewordenen) Doo-Wop-Klassikers „Only You“ wieder versöhnlich – ist ihre Torch-Song–Variante doch lustig und anrührend zugleich. Eine Qualität, die das ganze Album auszeichnet. Und die auch live - nicht zuletzt dank Sanagis sympathischer Bühnenausstrahlung (die beiden haben inzwischen raffinierte Choreographien in petto) – bestes Entertainment verspricht!



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