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   Carsten Daerr Trio: Insomniac Wonderworld: Release-Informationen

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VÖ: 26.10.2007
EAN/UPC: 705304450826
Traumton CD: 4508
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"... Berlin pianist Carsten Daerr's Trio transfixed the twentysomething audience with the energy of an indie rock band. Capable of creating the elegant and the profound, they settled for the latter. Showing new ways of thinking and feeling about things is the defining task of a true artist, and Daerr did it - whatever you wanted to call his music."
Stuart Nicholson, Guardian Unlimited 4 2007

Carsten Daerr Trio – Insomniac Wonderworld

Nach dem hochgelobten Debut PurpleCoolCarSleep (2003) und dem vom Magazin Rolling Stone zur „spannendsten Klaviertrio Platte des Jahres 2005“ gekürten Nachfolger Bantha Food (2005) liegt mit Insomniac Wonderworld nun das dritte Album des Carsten Daerr Trios in der unveränderten Besetzung Carsten Daerr (Piano, Orgel), Oliver Potratz (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug) vor. Gast bei zwei Tracks ist der Saxophonist Uwe Steinmetz.

Insomniac Wonderworld – dieser Titel lässt viele Assoziationen zu: Zum Beispiel die Welt der schlaflosen Nachtgestalten, wie sie in dem Spielfilm Unser Wunderland bei Nacht von Jürgen Roland 1959 portraitiert wurden. In diesem kombinierte der Regisseur Bilder aus dem Hamburger Nachtleben mit dem Erzählstil des amerikanischen Film Noir und schuf so seine eigene, unverkennbare Ästhetik. Mit der Musik des 1975 geborenen Pianisten Daerr verhält es sich ganz ähnlich: Auch er schiebt die Grenzen seiner Musik seit Jahren dadurch hinaus, dass er die genuin amerikanische Kunstform des Jazz mit seinen, eben deutschen, Wurzeln in Einklang bringt und so zu einem eigenen Ausdruck, einer individuellen Sprache findet.
Doch ist die Schlaflosigkeit auf Insomniac Wonderworld nicht von nervöser Unruhe geprägt, bedeutet "Insomniac" bei Carsten Daerr doch vielmehr einen Zustand überhöhter Wachheit, in dem das Staunen ständig in die Gegenwart ragt. Carsten Daerr hat sich die Fähigkeit, zu staunen, bewahrt und zudem hat er das seltene Talent, förmlich zwischen den Zeilen zu spielen. So fliessen auf Insomniac Wonderworld auch die Eindrücke seiner Südostasien Tournee nicht in Form folkloristischer Reminiszenzen , sondern als weiträumige Offenheit und spannende Dynamik in seine Kompositionen ein. Bei Titeln wie „Manila“, „Kuala Lumpur“,“Singapur“ und „Jakarta“ wird augenfällig, dass das Reisen ein thematischer Hauptstrang des Albums ist. Für fünf der zwölf Stücke dienten Daerr Reiseziele als Ausgangspunkte; Atmosphäre, Architektur und Klangkulissen dieser asiatischen Metropolen werden in diesen Kompositionen verarbeitet.

Daerr spielt mit der Strukturoffenheit des Jazz, verläßt ausgetretene Pfade und sucht neue Perspektiven, um Orte in Südostasien zu beschreiben. Das Ergebnis dieser kosmopolitischen Herangehensweise sind so einzigartige Stücke wie das energiegeladene „Manila“, das seltsam undurchdringliche, mystisch aufgeladene „Penang“ oder „Singapur“, das wie ein Sixties-Instrumental beginnt, zunehmend komplexer wird, um dann plötzlich in Reggae- und Dub-Anklängen zu münden. Carsten Daerr, so scheint es, ist musikalisch nichts fremd.
Den Kontrast zu diesen Stücken bilden die introspektiveren Kompositionen, allen voran der lyrische „Epilog (für meinen Vater)“ und die Piano-Solo-Komposition „Lucia“. Diese Hommagen an Menschen bilden quasi den Gegenpol zu den „Reisestücken“.
Eine weitere Zäsur bilden die Kompositionen, die Schlagzeuger Eric Schaefer dem Album beisteuerte. In dem wilden, zerhackten „Negative FX“ verarbeitet er allem Anschein nach seine Beziehung zum Hardcore der 80er Jahre, und in dem andersweltlich anmutenden Track „Flatus Voci“ verwendet das Trio u.a. Soundsamples einer Kirchenorgel. Und schließlich ist da mit „R2D2 Reloaded“ noch ein doppelter Rückgriff auf Vergangenes: Zum einen trägt das Stück den selben Namen wie der knuffige Roboter aus Sci-Fi-Kultepos Star Wars, zum anderen gab es bereits auf Bantha Food ein Komposition mit dem Titel R2D2 (Err-Zwo-De-Zwo). Gerade dieser musikalische Rückbezug macht klar, welchen Quantensprung das Trio in den letzten zwei Jahren gemacht hat. Und wie es, nach dem Bantha Food-Ausflug, deutlich geerdeter im Hier und Jetzt angekommen ist.

Nach zehnjähriger Existenz haben Carsten Daerr und sein Trio mit Insomniac Wonderworld nicht nur das in der Musikbranche proverbiale „difficult third album“ mit Bravour abgeliefert, sondern auch eine Tür in ein neues Klanguniversum aufgestoßen. Und überlassen das Staunen dem Hörer.



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