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   Johnny La Marama: Bicycle Revolution: Release-Informationen

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VÖ: 24.04.2009
EAN/UPC: 705304452325
Traumton CD: 4523
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Johnny La Marama - Bicycle Revolution

" Johnny, komm bald wieder!" Dieser Ruf hallt seit Johnny La Maramas letzten Album "...Fire!" von den Mauern sämtlicher Metropolen dieser Welt wider. Der unwiderstehliche Charme zwischen Tom Waits, Sun Ra und Spahetti Western, dieser ansteckende ästhetische Ungehorsam, diese unbändige Lust am Tabubruch, diese aberwitzige Tour de Force durch die Grauzonen der Prämoderne, diese Mutter aller Bastarde zwischen Futurismus und Anachronismus musste jeden, der mit diesem Album je in Berührung gekommen war, einfach süchtig machen. Doch Johnny La Marama ist unberechenbar. Denn hinter seinem Namen verbirgt sich nicht etwa eine gewöhnliche Band, sondern der personalisierte Freigeist, der drei notorische Nonkonformisten der Berliner Szene vereint. Trotz allen Wartens sollte es dennoch drei lange Jahre dauern, bis Johnny den Ruf erhörte und zu seinen Fans zurückkehrte.

Ist Johnny auf seinem neuen Album "Bicycle Revolution" nun ein anderer geworden? Wieder manifestierte er sich über seine getreuen Jünger, Gitarrist Kalle Kalima, Bassist Chris Dahlgren und Drummer Eric Schaefer. Wieder ist es dieser unverkennbare Sound, der sich niemals festlegt, alles zulässt und nichts ausschließt. Vom Prinzip her hat sich also nicht geändert. "Wenn Johnny ruft, müssen wir uns treffen", hatte Eric Schaefer schon anlässlich des letzten Albums erklärt. "Johnny ist ein Kind, das wie ein Baby geboren wurde, und dann seinen Charakter ausprägte", ergänzt Chris Dahlgren mit Blick auf die neue Platte. "Wir folgten der Entwicklung dieses Charakters. Diese Band ist mehr als mein, Erics oder Kalles Kind. Wir alle haben unsere eigenen Projekte. Wenn wir zusammenkommen, bestimmt Johnny alles. Er trifft Entscheidungen, fliegt in eine bestimmte Richtung, und wir folgen ihm."

Der Vergleich mit dem Baby kommt nicht von ungefähr. Schaefer und Dahlgren sind seit dem letzten Album stolze Väter geworden, Kalima hat bereits zwei Kinder. Zog es Johnny auf der letzten Platte noch hinaus in die weite Welt, in bizarre Wüsten, imaginäre Metropolen und an exotische Strände – Orte, an denen er sein ungezwungenes Vagabundendasein hemmungslos ausleben konnte – so ist er jetzt sesshaft geworden. Die Heimat seiner dritten Platte in sieben Jahren ist Berlin. Nun sind die drei Protagonisten von Johnny La Marama ja schon seit Gründung ihrer Jazz-Guerilla an der Spree zuhause, doch bislang definierten sie sich hauptsächlich über ihre kosmopolitische Identität. Kalima ist Finne, Dahlgren Amerikaner und Schaefer Deutscher. Drei völlig unterschiedliche Temperamente, die aufeinanderprallen und in einer Art Kernschmelze Energie freisetzen. Auch heute wollen sie noch nichts von einem typischen Berliner Sound wissen. "Wir sind immer noch eine internationale Band, aber vielleicht haben wir begriffen, das es uns nirgendwo sonst als in Berlin geben könnte", meint Kalima und Dahlgren nimmt den Faden auf. "Wir haben den Blues. Das unterscheidet uns von vielen anderen Berliner Bands. Wir mögen es, stumpf zu sein und mit dem Hintern zu wackeln. Wir mögen den Groove. Ohne dieses Element wäre unsere Musik gar nicht denkbar. Vielleicht ist das Album wirklich etwas mehr geerdet als zuvor. Das haben wir uns aber vorher nicht vorgenommen. Johnny hat uns das diktiert. Er ist dieser Typ, der eine Menge Fehler macht und uns oft in die falsche Richtung führt. Und dann müssen wir eine Entscheidung treffen."

Womit er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Frönen Kalima, Dahlgren und Schaefer aufs erste Ohr ihrem typischen elektrischen Trio-Sound, der meist knapp unter und manchmal auch ein gewaltiges Stück über dem Limit angesetzt ist, jenem verwegenen Großstadt-Blues, der bis zur Detonation grooved, ist ihr Gebräu doch viel direkter und alltagstauglicher geworden. Statt des sehnsuchtsvollen Exotik-Fakes im Gangsterkostüm, den sie auf der letzten CD zelebrierten, verteidigen sie diesmal hartnäckig ihren urbanen Vorgarten. Drei Söldner im Dienste der grünen Revolution. "In den letzten drei Jahren hat sich viel Material angehäuft", seufzt Dahlgren. "Wir können jede nur denkbare Musik spielen, aber es hat uns eben drei Jahre gekostet herauszufinden, was Johnny will."

Die Troika unter dem Banner Johnny La Maramas besteht aus leidenschaftlichen Eklektizisten. Jeder der drei Musiker kommt aus seinen zahlreichen seperaten Projekten mit Ideen unterschiedlichster Beschaffenheit und Herkunft zu Johnny. Sie könnten spielend jeden Monat ein Album rausbringen. Doch das wäre nicht mehr Johnny, denn laut Dahlgren geht es ja genau um die heikle Frage, was passt und was nicht. "An diesem Punkt kommt Johnny ins Spiel. Wir können es nicht erklären, aber wir wissen, wann es soweit ist. Wenn alle drei Mitglieder zustimmen, dann ist das Johnny." Das sei aber leichter gesagt als getan, findet Kalima, "denn wir sind ja immer noch ausgeprägte Individualisten. Wir alle komponieren und wollen manchmal in ganz unterschiedliche Richtungen. Es gibt zwei Wege, ein Stück zu entwickeln. Entweder wir komponieren gemeinsam. Oder jemand ein Stück mit, über das die anderen die Nase rümpfen oder sich alles ganz anders vorstellen. Und doch entsteht immer etwas gemeinsames daraus."

Der Soundtrack zur "Bicycle Revolution" ist vollgestopft mit Tiefgründigkeiten, Assoziationen und Informationen. Doch wo andere Musiker zuerst über etwas nachdenken und es dann in Musik gießen, funktioniert es bei Johnny La Marama genau umgekehrt. Drei Intellektuelle, die sich mal so richtig in ihrer Musik gehen lassen und erst danach darüber nachdenken, was sie eigentlich ausgesagt haben. "Wenn wir als Johnny La Marama zusammenkommen", bestätigt Dahlgren. "Wir stöpseln einfach die Instrumente ein und beginnen zu jammen. Es ist ein Ritual, über das wir nicht reden."

Johnny La Marama ist eine Band, die keine Eile hat. Jede Idee hat die Zeit zu reifen, bis sie stimmig ist. Fehler, ja selbst Scheitern wird bewusst in Kauf genommen, um neue Konzepte zur Vollendung zu führen. Am Ende steckt Johnny selbst für seine drei Protagonisten voller Rätsel. "Wann immer wir glauben, ihn zu kennen, macht er das Gegenteil. Er hat einen Haufen Tricks darauf und löst stets riesiges Chaos aus. Man kann den besten Plan haben, er macht ihn zunichte. Hinter all seinen Plänen steckt die Katastrophe. Perfekte Auftritte überlassen wir anderen. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass es ist okay ist, wenn man mal total daneben liegt. Denn wenn man sich vornimmt, keine Fehler zu machen, dann macht man erst recht welche."
So kann man die "Bicycle Revolution" zu guter Letzt auf eine ganz einfache Formel bringen: Johnny La Marama feiert mit seinem neuen Album das Leben selbst mit all seinen Höhen und Tiefen und bricht vom Boden der Tatsachen auf zur Tour de Force durch die Vorgärten des ganz normalen Wahnsinns.




THE LA MARAMA REVOLUTION
by Dr. Feonard Leather

Die Veröffentlichung eines neuen Johnny La Marama Albums ist immer ein außergewöhnlicher und seltener Moment. Wobei "Selten" hat in diesem Zusammenhang drei Bedeutungen: 1. in unregelmäßigen Abständen erscheinend; sehr ungewöhnlich: eine seltene Krankheit; eine der wenigen Tankstellen weit und breit. 2. ….3. ungewöhnlich toll/großartig, außergewöhnlich: ein seltenes Zeichen von Mut. 4. Bewundernswert, beispielhaft; Sie zeigte beispielhaftes Taktgefühl, sie einzuladen. All diese Definitionen könnten unter Umständen zu diesem herausragenden Trio passen. Aber ihr aktuelles drittes Album ist nicht nur außergewöhnlich , sondern geradezu eine Revolution. A bicyle revolution. Eine Fahrrad Revolution. Das Wort Fahrrad bedeutet: 1. Ein Fahrzeug mit zwei Rädern hintereinander, zwei Pedalen um über eine Kette ein Rad anzutreiben, einem Lenker zum Steuern und einem Sattel. 2. Fahrrad fahren. Könnte das Fahrrad hier eine Metapher sein für eine kollektive selbstgenerierende Revolution eines sich in Bewegung befindenden Meta-Bewusstseins sein? Natürlich hat auch das Wort "Revolution mehrere Bedeutungen. 1. Der vollständige und gewaltsame Sturz und Auswechslung einer Regierung durch die Regierten. 2. Ein plötzliche, vollständige oder radikale Veränderung: eine soziale Revolution durch Automatisierung. 3. Eine Bewegung – einem Rundkurs gleich - zurück zum Ausgangspunkt. 4. Auf einer Achse drehen oder rotieren. 5. Das "sich umkreisen" zweier Himmelskörper. 6. Der Zyklus von Geschehnissen in einem wiederkehrenden Zeitraum. Der Schreiber dieses Textes ist sich sicher: Käme es zu einer Fahrrad-Revolution in einer zeitgenössischem , utopisch-musikalischen Konzeption, dann würden Antonin Artaud, Albert Ayler und Hermann Helmholtz – wären sie noch am Leben …., sich Johnny La Marama freudig anschließen. Gemeinsam würden sie die Küsten der heutigen Jazzszene bestürmen, sich durchschlagen bis ans Ende der Galaxien, des Tiergartens und der Vorstellungskraft. Ausgerüstet mit Fahrrädern und Gummibooten.

Unsere Mission beginnt mit einem Besuch bei Andy Summers, dem Gitarristen von Police, in einem Pub im Norden von London. Summers war mehr an Songstrukturen und dem Bandsound interessiert, als schnelle Gitarrenlicks zur Schau zu stellen; Für einen Rockgitarristen in den 70ern reichlich ungewöhnlich. In diesem Pub also schießt Johnny La Marama ein sonophysisches Foto von Summers Gehirn, der ein bis zwei Pints intus hat und schickt es durch einen Filter in dem Zenyatta Mondatta auf phi kappa Zappa trifft. Der sensible Hörer sei gewarnt: dieses Stück könnte sie in exotische Höhen versetzen, die man eigentlich nur mit einem offiziellen Kama Sutra-Lehrer aufsuchen sollte.

"Fellow earthlings- you six-Billion-plus CO2 exhalers- Join the Bicycle Revolution!” ( Erdlinge, ihr sechs Milliarden CO2 Ausatmer, schließt Euch der Fahrrad Revolution an!) JLM stellt uns Bob Denard (ein ehemaliger französischer Fremdenlegionär, der seine wahre Bestimmung darin fand, in kleineren afrikanischen Ländern krumme Dingers zu drehen) vor, hier gespielt von Charles Gil, dem franko-finnischen Freund der Band. Afro-beat liegt in der Luft, während die Truppen ihre Gummiboote aufpumpen und ihre Räder ölen. Wir hören die zweirädrige Guerilla, wie sie, begleitet von bombastischen Explosionen des Dahlgren-Alleingangs, in die Schlacht ziehen. Sie radeln immer weiter, nehmen mit ihren polyrhythmischen Rädern die Hauptstadt ein und schlagen in den Ruinen der Automobil-Fabriken ihr Basislager auf. "Solange sie radeln, wird die Revolution ihre Kinder nicht fressen. Radelt weiter, auch wenn Eure Hintern wund sind!"

Nachdem diese Schlacht geschlagen ist, können wir uns einem noch größerem Vorhaben widmen. Die Zukunft des selbstgerierenden Transports auf zwei Rädern ist gesichert, aber was ist mit seiner Funktion im Bereich Tanz, Musik, Literatur und den visuellen Künsten? In "Great Vision of People on Two Wheels" zeigt JLM, dass sich die Räder der kreativen Vorstellung auf immer und ewig um die Achse eines Funky Grooves drehen.

Als nächstes begeben auf eine epische Wüstenreise…Der Titel "Lawrence" bezieht sich natürlich auf die schillernde Persönlichkeit T.E. Lawrence "Lawrence of Arabia" (1888 – 1935): Ein britischer Verbindungsoffizier und Autor im zweiten Weltkrieg, der seine Zeitgenossen, die einen Helden aus ihm machen wollten, extrem verwirrte, als er sich in den 20ern wieder als gewöhnlicher Berufssoldat bei der Royal Air Force einschrieb. Dementsprechend ist auch die Musik enigmatisch: Sie dreht sich im Kreis, entwickelt sich zu Neuanfängen, wo viele eigentlich Lösungen vermuten…Das Ganze endet mit einem Sonnenaufgang am Roten Meer und einem Möwenschwarm .

" Du sollst kein Übergepäck mit an Bord nehmen", sprach wissend Lord Spakeshire vor seiner letzten Reise auf dünnes Eis. Daran hielt sich auch Eugene, Johnnys lange verschollener, Banjo spielender Vater und lehnt die Silberlinge (auch CDs genannt) seines Sohnes ab. In "Eugene’s Bastard Son" stechen wir mit einem entspannten Gene Krupa-beat in See, wo wir aber schnell von einem Fallwind verzerrter Gitarren weggepustet werden. Aufblitzender Free Jazz Eskapismus leuchtet uns den Weg in die morastigen Sümpfe North Carolinas, wo uns die Namen von einigen Reptilien und Amphibien vorgestellt werden, die als Synonyme für bewusstseinserweiternde Drogen stehen. Aber Johnny ist eine Katze, die immer auf den Füßen landet. So nimmt er die letzte Abkürzung / Abzweigung zu einem besonders gut verpackten grünen Meta-Choral.

*Lord Spakeshire (1665-1721), Kaledonischer Frachtexperte, lebte von Kräutern und folkloristischem Aberglauben in den Wäldern von Neukölln (Berlin).

Nachdem wir uns im letzten Stück diverse akustische Substanzen reingepfiffen haben (inklusive des abschließenden Acapella Gesangs des irgendwie eher instrumental beschlagenen Trios), ist es nun ein Genuss, die einfachen und verdauungsfördernden Freuden von Melodie und Harmonie wiederzuentdecken: Columbine and Mingus. Dieser freundliche Songtitel bezieht sich auf einen Traum, den der Komponist dieses Stücks hatte. In diesem läuft dessen 10 jährige Nichte an der Hand von Charles Mingus, der, von Zeit zu Zeit, mit den Waffen der Kreativität auf die Philister im Foyer des Museums of Modern Art feuert.

Aufgestanden und salutiert! "Hymn oft he New Five Year Plan!" Aus sicherer Quelle habe ich erfahren, dass JLM einen Remix dieses Stücks plant : Mit einem 5000 Mitglieder großen Kinderchor und einem 33.000 köpfigen Posaunen-Ensemble der Ex-Auto-Gewerkschaft . Dann ist das Stück auch laut genug, um bei gigantischen Fahrrad-Paraden in Asien gespielt zu werden. Bis dahin müssen wir uns allerdings mit der Trio-Version zufrieden geben. " Die Freude und Begeisterung über die revolutionären Entwicklungen wird hier ganz wunderbar dargestellt. Wie groß ist doch das Bemühen des Kollektivs der revolutionären Erlösung Ausdruck zu verleihen."

" Ladieees and gentlemen... pimps, players and hustlers, willkommen zur zweiten Runde unseres dreckigen Fights voller Atonalität und ungerader Takte. In der linken Ecke der wackere Johnny La Marama, in der rechten Ecke der großartige und allmächtige Space Skum. Begrüßen Sie die Kämpfer mit einem warmen Applaus und machen Sie sich gefasst auf harte Bandagen, üble Tricks, nuklear-akustische Hilfsmittel und wahnwitzige Gesangsstaccati. Werden sie es diesmal schaffen?!..."

Eine Herde (haariger) Dreiräder sammelt sich unter der erbarmungslosen Sonne der Nubischen Wüste. Einige haben seit Generationen ihre Reifen nicht gewechselt, andere lechzen nach einem Tropfen Öl; doch plötzlich ertönt der apokalyptische Akkord: Die elektrische Harfe erklingt scharf und die Herde setzt sich in (eine) (Dreh-)Bewegung. "Heute begehrt die Maschine gegen seinen Meister auf, bricht das Sigel des Unheils, rüstet sich mit Bass-Saiten und Trommeln, ja Trommeln!" Ein namenloses, entfesseltes Infernal fegt über den Schutt der Motorisierung und alles wird zertrampelt. Es ist ein Tricycle Evolution Stampede.

Was würde wohl passieren, wenn die Meters, Led Zeppelin und Johnny La Marama gleichzeitig mit ihren jeweiligen Flugzeugen auf eine einsame Insel abstürzen und das Unglück überleben würden? Während sie auf ihre Rettung warten, würden sie eine Runde jammen. Das würde dann etwa klingen wie dakaschae. Gibt es da eine Verbindung zur Tatsache, dass Dr. Chamal Dakaschae – manche Jazzkritiker erinnern sich womöglich – der revolutionäre Musiksoziologe war, der behauptete und mit mathematischer Genauigkeit bewiesen hat, dass die Summe aller Noten von J.S. Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner und Berg "Ba Ba Black Sheep" ergeben?

Weiter rauschen wir durch einen Strudel von 70er Fusion Sounds, die uns hinab ziehen zu den Back Alleys and Broad Boulevards", der letzten Zufluchtstätte dieser gefährlichen und hoffnungslos revolutionären Gang: Dem Mahavishnu Orchester. Aber just als wir denken, das unausweichliche Tausendsassa-Drum-Solo würde losgehen, rutscht JLM auf einer metaphysischen Bananenschale aus und landet auf einer musikalischen Müllhalde, genauer (im Wurmfortsatz) von Texas, um 3 Uhr morgens. Erst denken wir, dass kann nur Zufall sein, doch dann passiert dies nochmal und wir pfeifen: " …einsamer Cowboy, so weit weg von Zuhaus…"

Auf den windigen Hochebenen von Schaefers Besentechnik stehen wir mit Erstaunen und wandern in eisigen Flageolett-Skulpturen umher. Und aus dem Nebel erscheint Krysztal Palace und stellt uns Angst erfüllten mit einer geisterhaften Armada von Melodieembryonen nach.

Jede Revolution bringt auch Verluste mit sich. Im letzten Kapitel, Your Jazz Is Dead, wird ein alter Leichnam zur letzten Ruhestätte getragen. Nach dem anfänglichen Trauermarsch, getragen von Dahlgrens Crooning und den Backing Vocals der Band, driften die Drei in eine Art Bebop im 4/4 Takt (was , wie JLM Fans wissen, selten genug vorkommt) ab, um dann festzustellen, dass irgendjemand, irgendwo entschieden hat, im Verlauf des Stückes das Tempo anzuziehen… (der Autor kann sich das nur so erklären, dass da vor der Aufnahme irgendwas in die Getränke der Rhythmusgruppe geschüttet wurde. Kalima haut noch ein rasendes Solo raus, bevor an die Vergebung der Sünden erinnert wird und Schaefer die Nägel in den Sarg hämmert.

_FL



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