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   Pär Lammers Trio: Komm doch vorbei: Release-Informationen

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VÖ: 27.11.2009
EAN/UPC: 705304453124
Traumton CD: 4531
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Pär Lammers - Komm doch vorbei

Musik kann so vieles sein. Gewollt oder unbewusst, sie ist in jedem Fall Ausdruck einer Lebenshaltung. Vor allem junge Jazzmusiker neigen oft dazu, in ihrer Musik eine Lebenshaltung zum Ausdruck zu bringen, die vielleicht noch nicht die ihre ist, ihnen aber auf lange Sicht vorschwebt. Es ist eine Frage der Reife, sich zu den eigenen Erfahrungen zu bekennen. Das Pär Lammers Trio aus Hamburg schöpft voller Lust aus dem bunten, prallen Leben. Schon mit seinen ersten beiden Platten „All Die Bunten Schafe“ (2007) und „Hinten Rechts, Der Regen“ (2008) haben die drei jungen Musiker zwei erstaunlich souveräne Statements abgeliefert, die einen ganz eigenen Kosmos zwischen zeitgenössischer Poperfahrung, klassischer Klarheit und der imaginativen Freiheit des Jazz absteckten. Mit der dritten CD „Komm Doch Vorbei“ beginnt jedoch ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Trios.

Pianist Pär Lammers, Bassist Marcel Krömker und Drummer Benni Wellenbeck arbeiten schon seit fünf Jahren miteinander. Waren die ersten beiden Platten noch Ausdruck einer verlängerten Annäherung aneinander und somit ein langer Anlauf auf sehr hohem Niveau, so ist „Komm doch vorbei“ nun die Punktlandung nach dem Absprung. Das Pär Lammers Trio ist angekommen, wo es immer hinwollte. Man spürt mit jedem einzelnen Ton, wie gut sich die drei Musiker mit dieser CD fühlen, wie sehr sie sich mit dieser Musik identifizieren. Die programmatischen Parameter waren schon auf den letzten beiden Alben gesetzt, aber auf der neuen Platte wird dieser elegante spielerische Anspruch noch ungleich überzeugender mit jener charmanten urbanen Beiläufigkeit versetzt, die sich immer deutlicher zum Markenzeichen des Pär Lammers Trios entwickelt. Die Musik ist von unübertroffener Alltagstauglichkeit. „Das hängt auch damit zusammen“, bestätigt Lammers, „dass wir uns gar nicht mehr so viele Gedanken über die endgültige Form gemacht und den Druck, dem wir uns früher selbst aussetzten, verringert haben. Wir konnten es zulassen, Unerwartetes nicht als Fehler von uns zu weisen, sondern als Inspirationsquelle zu verstehen. Auch privat sind bei uns viele Dinge passiert, die uns klare Entscheidungen und Bekenntnisse abverlangt haben. Diese Klarheit hat sich auf unsere Musik übertragen, ohne dass darüber groß diskutiert werden musste. Wir haben uns mehr Zeit im Studio gelassen und Dinge geschehen lassen, die mehr Spontaneität aufs Album brachten.“

Dieses positive Grundgefühl überträgt sich unschwer auf den Hörer. Das Trio konnte einfach loslassen und sich selbst spielen. Es gab keinerlei Vorgaben. Einige Sachen entstanden spontan im Studio, andere hatte man schon oft gespielt. Das gesunde Mischungsverhältnis zwischen Vertrautem und Unbekannten macht die menschliche Komponente auf der CD aus. Ein scheinbares Paradox besteht jedoch darin, dass der offensichtliche Reifeprozess und die wachsende Souveränität des Trios gleichzeitig mit einem immer unbekümmerteren Zugang zu seiner eigenen Klangwelt einhergeht. Lammers und seine Gespielen werfen allen nur denkbaren Ballast ab. Die Musik muss nichts mehr sein, sie steht einfach nur noch für sich selbst. „Wir stellten uns einfach nicht mehr die Frage, welche Stile wir bedienen müssen und was wir zu tun hätten, um gut zu sein“, erinnert sich der Pianist. „Als Musiker verleiht man zuweilen dem Wunsch, bestimmte äußere Kriterien zu erfüllen, zu viel Gewicht und vernachlässigt die eigenen musikalischen Bedürfnisse. All diese Fragen konnten wir diesmal jedoch frohgemut über Bord werfen und uns an dem erfreuen, was passierte. Wir kamen ohne jede Programmatik aus.“

Doch was bleibt unter dem Strich? Braucht die Musik des Pär Lammers Trios noch Benennungen? Sicher ordnet man Klang, Gerüst und instrumentale Aufstellung dieser CD unweigerlich im Jazzkontext ein. Ein improvisierendes Piano-Trio. Was sollte das sein, wenn nicht Jazz? Dennoch ist dem noch jungen Trio eine CD gelungen, die zwar alle landläufigen Anforderungen an den Jazz erfüllen mag, aber ganz anders funktioniert. Man kann diese Songs problemlos zwischen aktuellen Pop- oder Rock-Alben spielen und kaum jemandem würde auffallen, dass sich das musikalische Gesichtsfeld verändert. Vielleicht ist ja gerade dies die Stärke junger Jazz-Pioniere wie Lammers, die zwar verändern wollen, jedoch nicht gleich immer das Register der Destruktion ziehen müssen. „Wir wollen, dass die Leute uns nicht als Jazz Trio wahrnehmen, sondern denken, oh, was für ein schöner Song. Sicher spielt es eine Rolle, dass wir in einem instrumentalen Trio agieren, denn wir haben diesen Kontext ja selbst gewählt, aber das Ziel unserer Band war von Anfang an viel universaler. Dass dies jetzt aufgegangen ist, liegt wohl daran, dass wir dieses Ziel diesmal nicht mehr so drastisch formuliert haben.“

Die Songs sind das eigentliche Pfund des Albums. Pär Lammers ist ein Songwriter, der auf den angeblich unvermeidlichen Singer getrost verzichten kann. Seine Art, auf dem Klavier zu singen, klingt ganz neu und unverbraucht. Er selbst bleibt jedoch auf dem Teppich, weiß er doch um die Leistungen des Brad Mehldau Trios, von The Bad Plus und e.s.t. „Wir sind ja nicht die erste Band mit dem Anspruch, ein größeres Publikum als die Jazz-Klientel anzusprechen. Aber auch über diesen Aspekt haben wir uns letztlich keine Gedanken mehr gemacht. Die Frage, wen wir auf welchem Weg erreichen könnten, wich der Problemstellung, wie wir unsere Musik so umsetzen können, dass sie uns gefällt. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage. Mit dem neuen Album sind wir auch geschmacklich im Reinen, weil es wiederspiegelt, was wir selbst gern haben.“

Um dem Album mehr Nachdruck zu verleihen, arbeitete das Trio in einigen Stücken mit Bläsern. Das hatte beileibe nichts damit zu tun, dass man sich selbst nicht mehr genügen würde. Im Gegenteil. Lammers suchte nach Kontrasten, die das Ausdrucksspektrum des Trios schärfen sollten. Er selbst spricht vom „Kontrast dieser pompösen archaischen Sounds zu den kleinen, introvertierten Piano-Arrangements. Es sollte einfach mal brüllen. Das hat vielleicht auch auf unsere Spielweise als Trio abgefärbt.“

Ein Pop-Album im Jazzgewand oder ein Jazz-Album im Popgewand? Vielleicht beides zugleich, womöglich auch keines von beidem. Pär Lammers und sein Trio sind über sich selbst hinaus gewachsen. Was nun jeder einzelne Hörer daraus macht, liegt nicht mehr in ihrer Hand. Am Ende eignet sich „Komm doch vorbei“ genauso gut zum konzentrierten Hochgenuss unterm Kopfhörer wie zum geselligen Abend zu zweit oder mehr, als Soundtrack zum Schlendern und als vertrauter Begleiter für jede Lebenslage.



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