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   Zodiak Trio: Q-Train: Release-Informationen

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VÖ: 23.04.2010
EAN/UPC: 705304453827
Traumton CD: 4538

Zodiak Trio

Jeder Ton ein Treffer. Von welcher Jazz-Platte lässt sich das schon behaupten? Doch ist das zweite Album des Essener Zodiak Trios überhaupt Jazz? Die Besetzung Trompete, Gitarre, Schlagzeug legt dies unweigerlich nahe. Und sicher ist es nicht falsch, die Musik des Trios zumindest in die Nähe des Jazz zu rücken. Doch wer sich intensiv auf die schroffe Klangarchitektur der Band einlässt, wird darin ebenso viel Jazz finden wie Jazzfremdes. Da wird improvisiert, nicht nur mit Tönen und Motiven, sondern auch mit Sounds, Dichtegraden und Aggregatzuständen. Ungewöhnlich sind vor allem die kurzen Wege, um aufs Wesentliche zu kommen. Vom Jazz zum Rock und zurück muss man keine Umwege über ausgediente Jazzrock-Holperstraßen befahren. Das Zodiak Trio findet genau den richtigen Ton für ein neues Jahrzehnt, das nach seiner Klangkennung noch sucht.

Das Zodiak Trio besteht aus drei Musikern, die sich gesucht und gefunden haben. Die Funktionen sind zwar zwischen Trompeter John-Dennis Renken, Gitarrist Andreas Wahl und Schlagzeuger Bernd Oezsevim klar aufgeteilt, und doch verzahnen sich die Intentionen der drei Musiker derart dicht, dass sie kaum noch wie ein Kollektiv wirken, sondern vielmehr wie ein sechshändiges Individuum. Ihr Sound variiert von druckvoll kompakt bis assoziativ offen. In dieser Kombination scheint es nichts zu geben, das nicht ginge oder den Rahmen sprengen würde. Wenn Renken mit seinen Kompositionen ins Studio kommt, ist das Ideengerüst stets klar abgesteckt, aber kaum probiert er die Kompositionen im Trio aus, werden die drei Musiker mit ihrem gesamten Background sofort in eine ganz andere Richtung gerissen.

Besagte Offenheit führt jedoch zu keinem Zeitpunkt zu Beliebigkeit. Man braucht nur wenige Takte eines Stückes der Band zu hören, um es auf Anhieb dem Zodiak Trio zuordnen zu können. Zwischen kantigem Noise und gebrochener Romantik haben sie ihre ureigene Signatur gefunden. Im größeren Rahmen kann man zwar stilistisch verwandte Bands wie Naked City, Jim Black’s AlasNoExit oder Hilmar Jenssons TYFT abstecken und die Besetzung erinnert fraglos ans Tiny Bell Trio mit Dave Douglas, Brad Shepik und Jim Black, aber unter dem Mikroskop besehen gibt es keine Formation, die wie Zodiak klingt. Gerade ihr souveränes Klangdesign zwischen messerscharfer Kontur und flirrender Farbigkeit macht sie unverwechselbar. Die Band kann explosiv in ihren Motiven entschweben, ohne je den Überblick zu verlieren. Keine Note, kein Takt wird verschwendet, jeder Akzent ist präzise gesetzt, jeder Ton kommuniziert. Alles an dieser Band geht unglaublich nach vorn. Redundanz ist verboten. Wenn in einem Stück alles gesagt ist, dann ist es eben zu Ende. Und wenn noch etwas darüber gesagt werden muss, bleibt der Band ja noch das nächste Stück. Diese Verknappung auf das Wesentliche ohne Abstriche an Poesie und Energie macht die einzigartige Treffsicherheit von Zodiak aus.

„ Im Lauf der Jahre entwickelt man ein Gefühl dafür, nicht zu viel zu spielen“, betont John-Dennis Renken. „Man hört oft Bands, die zwar gut sind, aber dann doch zu viele Soli spielen und sich nicht wirklich auf ihre Stärken konzentrieren. Wir wollen unsere Hörer nicht verschrecken, indem wir sie mit zu vielen Informationen übersättigen.“ So wahrt das Zodiak Trio stets eine feine Balance zwischen Intensität und Disziplin, wobei die Schnittlinie zwischen beiden Prinzipien immer wieder einen überraschenden Verlauf nimmt. „Im Vordergrund steht bei uns stets die Musik und die Improvisation“, fährt Renken fort. „Persönliche Eitelkeiten müssen hinten anstehen. Es kommt nicht darauf an, dass jeder von uns in jedem Stück seinen Solospot hat, um ausreichend repräsentiert zu sein.“

Nun kann Improvisation heute ja sehr vieles sein. Gerade im Jazz ist Improvisation immer wieder das Synonym für einen Setzkasten vorgefertigter Spielschablonen, die je nach Bedarf semispontan montiert werden. Das Zodiak Trio hat mit derartigem Kalkül nichts am Hut, sondern schießt aus der Hüfte. „Diese Lick-Zockerei ist nicht unser Ding. Keiner von uns ist so aufgewachsen und hat Musik so erlebt, dass Improvisation durch das Abrufen von Vokabeln charakterisiert wäre. Bei uns ist Improvisation immer Kommunikation im Augenblick. Wir wissen vorher nie, was dabei passiert.“

Jazz oder improvisationsangereicherte High Energy Music – letztlich lässt sich ihr spezielles Gemisch nicht in Begrifflichkeiten fassen. Hier geht es um Relevanz, nicht um die Befriedigung von Erwartungen. Das Zodiak Trio hat das Ohr am Puls der Zeit mit seinen nicht immer logischen und oft verblüffenden Wendungen, Brüchen und Tempowechseln. Da kommt es zu Interferenzen, Dissonanzen und Reibungen. Das heißt nicht, dass es keine schönen und entspannenden Momente in ihrer Musik geben würde. Dabei nehmen sie auch in Kauf, den einen oder anderen Hörer vor den Kopf zu stoßen. Das Zodiak Trio macht keine Musik zum Nebenbeihören, sondern dafür muss man sich bewusst entscheiden.

Bleibt der Standortfaktor. Was aus New York kommend sofort als authentisch gilt, hat es in Deutschland zunächst einmal schwerer. Das Zodiak Trio gehört zu den neuen Helden einer pragmatischen Ruhrpottromantik. Ihre Stücke haben den inspirierenden Charme verrosteter Hochöfen. Vielleicht ist es tatsächlich von Vorteil, jenseits der europäischen Hochkultur beheimatet zu sein. Die Industriekultur spielt ihnen jedenfalls in die Rohre, Saiten und Sticks. Wenn man durchs Ruhrgebiet spaziert, trifft man auf extreme Gegensätze. Gesichtslose Nachkriegsfassaden neben wunderschönen Altbauten, hochmoderner Architektur und Industriekulisse. Genau so funktioniert die Musik des Zodiak Trios. Es ist Musik, die sich ihre eigenen kulturellen Schneisen und Bezugssysteme schafft und deshalb umso authentischer ist.



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