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   Michael Schiefel: My Home Is My Tent: Release-Informationen

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VÖ: 07.05.2010
EAN/UPC: 705304453926
Traumton CD: 4539

Michael Schiefel - My Home Is My Tent

„My Home Is My Tent“ ist Michael Schiefels fünfte Solo-Arbeit und seine vierte CD für Traumton. Es ist ein Album, das seinen schmalen Schultern eine konzeptuelle Doppelbelastung aufbürdet, und soviel sei schon verraten: Er trägt sie mit Leichtigkeit.

Zunächst ist es ein „Themenalbum“, das einen lyrischen und musikalischen Blick auf neun Großstädte wirft, die der Sänger (mit einer Ausnahme) in den letzten Jahren und Monaten bereist hat. Andererseits ist es ein Solo-Album im allerwahrsten Wortsinn, das zu 100 Prozent aus Michael Schiefels vokalen Äußerungen besteht. Das beschreibt, wie seine Fans und seine Kritiker wissen, ein weites Spektrum: vom generischen Jazzgesang zum expressiven Ausdruck, von feminin bis maskulin, von Naturschauspiel bis digital-effektiv, vom Scatgesang zum Beatboxing. Die einzigen Werkzeuge sind dabei ein für ihn entwickeltes Loopgerät, mit dem er seine Stimme auf sich selbst zurückwerfen und, je nach Bedarf, zu mehrstimmigen Chören oder ganzen Vokal-Ensembles schichten kann; und ein Laptop, dessen Software dem ausgeprägten Spieltrieb seines Benutzers unbegrenzte Möglichkeiten der Deformation, Dehnung, Streckung und Gestaltung der Stimmfragmente in die Hand gibt. Mit diesen Mitteln kann Schiefel komplexe, an außerweltliche Madrigale erinnernde Mehrstimmigkeit erzeugen, oder auch mal eine komplette Band mit Schlagzeug, Bass und Harmonieinstrumenten.

„My Home Is My Tent“ wurde im Traumton-Studio in Berlin aufgenommen. Zum Teil wurden Arrangements, die Schiefel bereits „on the road“ angefertigt hatte, mit neuen Lead-Stimmen versehen und finalisiert, andere Stücke entstanden als spontane Improvisationen. Einige Tracks, wie der emblematische Titelsong, basieren auf Texten (von Max Hirsh und Michael Schiefel selbst) und folgen ihrer ganz eigenen Form von Songformat. Andere bleiben nonverbal und abstrakt. Den ideellen Zusammenhalt stiftet eine Reihe von dreistelligen Akronymen, die wir alle von den kleinen Wimpeln an unseren Gepäckstücken kennen. In „TLV“ zum Beispiel tauchen wir direkt ein in das multilinguale Stimmengewirr von Tel Aviv mit seinen Discos, Hochhäusern, Mobiltelfonen und kurzen Zündschnüren, die den Besucher schnell ans Wasser treiben. Wie es im Text heißt: I prefer the beach. Und so geht es weiter, zum Beispiel nach Moskau, dessen Dunkelheit und Kälte mit langen, liegenden Tönen und einem frostigen Hall auf der einsamen Leadstimme spürbar wird. Ganz im Gegensatz dazu Hong Kong, das Michael Schiefel, trotz des Gewusels stets „wie eine warme Badewanne“ empfindet. Es folgen Stationen wie San Francisco, Karatchi, New York und Boston, welches den vielleicht berührendsten Song des Albums inspirierte: Titelheld „Benjamin“ ist mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegnet, behält sie aber lieber für sich. Die Geschichte enthält ein paar Motive, die uns in Schiefels bisherigen Songs schon häufiger begegnet sind: Außenseitertum, Entfremdung und die Kraft der Kreativität. Am Ende steht die Rückkehr auf den harten Boden der Tatsachen: „TXL (Back In Berlin)“ ist eine Meditation über das Ankommen in einer vertrauten, aber darin auch ganz schön deprimierenden Welt. Dahinter schließlich liegt nur noch Funafuti – der einzige Flughafen der Platte, auf dem Schiefel noch nie war. Und genau darum geht es ihm. Wie er im ersten Song singt: I think I should be in Funafuti / get lost in the sea. Funafuti wird zum idealisierten, fernen Ort, dessen Reiz sich noch dadurch erhöht, dass sein Flughafenkürzel FUN lautet.

Spaß ist, bei allem Tiefgang und seiner offenkundigen Virtuosität, ein Faktor, den man bei Michael Schiefel nie unterschätzen sollte. Spaß an klanglicher Fabulierkunst, Spaß am technischen Fortschritt, Spaß an der eigenen Stimme, am einsamen Basteln wie am kollektiven Musizieren, wie er immer wieder als Stammspieler in den Formationen Jazz Indeed und Nicolai Thärichens Tentett beweist. „Auf My Home Is My Tent“ verbindet er diese Leichtigkeit mit persönlichen Betrachtungen, Erfahrungen und musikalischen Ansätzen. Es ist eine Einladung an alle, die sich von Musik lieber herausgefordert fühlen als eingelullt, und die für eine außergewöhnliche Erfahrung kein Hotelbett brauchen, wenn doch manchmal ein Zelt ausreicht.



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