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   Sebastian Sternal: Sternal Symphonic Society: Release-Informationen

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VÖ: 05.10.2012
EAN/UPC: 705304457320
Traumton CD: 4573

Sternal Symphonic Society

Es ist nur ein Spiel, ein Spiel mit Begriffen und den Assoziationen und Bedeutungsfeldern, die sie hervorrufen. Wenn der Pianist Sebastian Sternal seinem neuesten Projekt, in dem er den feinen Klang seines Klaviertrios um einen vierköpfigen Bläsersatz und ein Streichquartett ausweitet, und dem Projekt dann den Namen „Sternal Symphonic Society“ gibt, dann weiß er genau, welche Reaktionen er zu erwarten hat: Man denkt an das ganz große Format, an das Mega-Kraftwerk der Gefühle, an seine aufwändige Maschinerie, die sorgfältig gezeichneten Baupläne mit ihrem Übermaß an Details. Ein wenig schwingt auch die Erinnerung an die Symphonischen Gesellschaften im Hintergrund, an jene bürgerlichen Zirkel, die einst mit ihrer Diskursproduktion halfen, dem Schaffen der Komponisten Gewicht und Bedeutung zuzuweisen. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist der Musiker Sebastian Sternal, 1983 in Mainz geboren, erster Klavierunterricht mit sechs, „How High The Moon“ mit zehn. Von da an ging es gradlinig in Richtung Jazz, aber nicht nur. Zur gleichen Zeit begeisterte er sich aber auch für die facettenreichen Filmmusiken, mit denen beispielsweise John Williams die Filme von Steven Spielberg emotional anreicherte und schrieb eigene Kompositionen für imaginäre Filme. An der Schule bot sich die Gelegenheit, sie als Dirigent mit der Jazz-Bigband oder dem großen Orchester einzuspielen, ein Frühberufener in seinem Element. Später studierte Sternal in Köln Jazzklavier und setzte dem pädagogischen und künstlerischen Doppeldiplom noch einige Semester Aufbaustudium im Fach „Komposition“ in Paris als Häubchen auf. Mittlerweile hat er eine Professorenstelle in seiner Heimatstadt Mainz. Als Jazzpianist kennt man Sternal als einen sensibel und formbewusst auf sein musikalisches Umfeld reagierenden Improvisator, einen gewieften Instrumentalisten mit einem breiten Ausdrucksspektrum, der nicht auf jede Vorlage mit einem Tonschwall antwortet, sondern seine Töne sprechen lässt und manchmal auch die Stille zwischen ihnen.

Auf „Sternal Symphonic Society“ beschränkt sich Sternal weitgehend auf eine Rolle als Komponist und außenstehender Dirigent, als eine quasi objektive Instanz, die die disparaten Klangschichten organisiert und auf eine gemeinsame Ebene bringt. Und letztlich versucht er sich damit an Ideen, die er schon lange mit sich herum trug; Ideen, die für die vertrauten Genre-Schubladen zu groß sind. Es geht um die Vision einer größeren Besetzung, in der die Stimmen der einzelnen Instrumente so sorgfältig und durchdacht verwoben sind wie in einem Streichquartett, die einen klanglichen Farbenreichtum entwickelt wie sonst nur symphonische Klangkörper und dabei die Beweglichkeit und Spontaneität einer Jazzband entwickelt. Mit einem Ensemble handverlesener Musiker und musikalischer Freunde aus seiner Studienzeit an der Kölner Musikhochschule, die vertraut sind mit seinen musikalischen Vorstellungen, mit dem Spiel der Grooves, den offenen Harmonien und seinen zarten melodischen Wendungen, setzt er die Pole unter Spannung: das Pablo Held Trio mit dem Bassisten Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug fungiert dabei als das Rückgrat der Musik, ein fast schon telepathisch zusammen wirkendes Jazztrio, in dem die Rollen zwischen den drei Musikern sich in einen großen Strom von gemeinsamer Energie aufzulösen scheinen. Manchmal spielt dieses Trio wie selbstvergessen, dann treibt es mit seinem lässigen Swing die Bläsergruppe den Trompeter Frederik Köster und den Posaunisten Klaus Heidenreich, sowie Christoph Möckel und Niels Klein an den Saxofonen (und der expressionistisch seine musikalischen Farbakzente setzende Sopransaxofonist Claudius Valk als weiterer Gast auf einem Stück) in immer höhere Sphären ihrer Expressivität oder lässt seinen Puls mit den flächigen Netzwerken der vier Streicher, Erik und Lisa Schumann an den Violinen, Ayako Goto an der Bratsche und dem Cellisten Mark Schumann zerfließen. Das Trio schafft den Brückenschlag, es sorgt dafür, dass sich die verschiedenen Teile nahtlos ineinander fügen, die Ton für Ton ausgearbeiteten und die darüber improvisierten, die wuchtigen und die zarten, die still verharrenden und die lebhaft groovenden. So rührt diese Symphonic Society eine außergewöhnlich vielfältige Palette von Klangfarben an, pastellene und pastose Farben; durchscheinende und deckende, fragile und leuchtende, und verbindet sie nach den kompositorischen Vorgaben von Sebastian Sternal zu prachtvollen Musikgemälde, in denen die Grenzen zwischen den Genres keine Rolle mehr zu spielen scheinen, weil sie sich ihrer Wurzeln im Jazz gewiss sind. Es ist in Vexierspiel mit unbegrenzten Möglichkeiten, in dem es darum geht, im Neuen immer wieder Bekanntes zu erkennen, und im Bekannten immer wieder neue Wege zu betreten. zu verknüpfen, was ohne es zu wissen, zusammen gehört. Die „Sternal Symphonic Society“ überbrückt durchaus einen Graben, sie führt den Beweis, dass Musik nur Musik ist, dass Genre kein Kriterium und nur die Klasse der Musik und der Musiker über ihre Qualität entscheidet. Schon insofern knüpft Sebastian Sternals neues Projekt an die diskursive Tradition der Symphonischen Gesellschaften an.



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