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   Trio Schmetterling: Globus: Release-Informationen

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VÖ: 08.11.2013
EAN/UPC: 705304459225
Traumton CD: 4592

Trio Schmetterling - Globus

Von der beschaulichen Krämerbrücke im thüringischen Erfurt bis zur monumentalen Brooklyn Bridge im ununterbrochen pulsierenden New York ist es nicht weiter als ein Schmetterlingsflug. Das Trio Schmetterling führt den globalen Groove der großen Metropole mit der idyllischen Verklärtheit der mittelalterlichen Landeshauptstadt aus Deutschlands Mitte zu einer unwiderstehlichen Einheit zusammen.

Der Sound des Trios Schmetterling setzt sich auf Anhieb von landläufig Gehörtem ab. Tradierte Schubladen wie Jazz, Pop, Ambient oder Weltmusik greifen hier nicht. Die Musik ist instrumental, die Instrumentierung erinnert manchmal an Jazz, aber die Melodien sind so verführerisch und eindringlich wie in guten Pop-Songs. Sie beginnen ganz klein, bauen sich langsam auf, werden größer, detailreicher, bis aus einer einzigen Blüte eine ganze Blumenwiese wird, auf der bunte Käfer an Halmen auf und ab klettern, Ameisenströme sich zu bizarren Strömen verzweigen und sich allerlei Gesumm erhebt. All das wird aus der Schmetterlingsperspektive begutachtet, die dem bunten Gewimmel mit ihrem Flügelschlag die Krone aufsetzt.

Trio Schmetterling – der Bandname ist nicht zufällig gewählt. Hinter diesem Logo aus der Flatterwelt verbergen sich Gitarrist Keisuke Matsuno, Bassist Alexander Binder und Drummer Jan Roth. Ein Trio aus Gitarre und Rhythmusgruppe, wie es sie im Jazz zu Hunderten gibt, sind die Schmetterlinge deshalb noch lange nicht, denn die drei Musiker haben nicht nur auf ein ganzes Arsenal anderer Instrumente Zugriff, sondern sie lassen sich von der unbändigen Lust am Fabulieren und Ausprobieren antreiben, bis am Ende aus einem Stück etwas ganz anderes rauskommt, als am Anfang beabsichtigt war. Improvisation heißt für die drei Insektenfreunde nicht, einzelgängerisch die virtuosen Muskeln spielen zu lassen, um sich bei den solistischen Exkursen gegenseitig zu begleiten, sondern im Kleinen mit Nuancen zu spielen, als gelte es, an einem Spätsommermorgen große, mittlere und winzige Tautropfen auf einer Blumenwiese zu verteilen.

Kennengelernt haben sich die drei musikalischen Feinmechaniker auf der Musikhochschule Weimar. Man fand nicht nur Spaß am gemeinsamen Musizieren, sondern schloss auch privat Freundschaft, was dem starken Zusammenhalt innerhalb des Dreiecks sehr zustatten kommt. Sie fühlen sich einander geschmacklich verbunden, betont Alexander Binder, und angesichts ihres zweiten Albums „Globus“ fällt es nicht schwer, ihm das zu glauben. Denn der Sound des Trios offenbart in seiner kleinteiligen Synthese aus Avantgarde und Romantik guten Geschmack in Reinkultur mit Mut zum Rand. Inzwischen hat es Binder und Roth nach Erfurt verschlagen, während der Gitarrist sich ins ferne New York auf und davon gemacht hat, doch die innere Verbundenheit der drei Bandmitglieder ist ungleich stärker als ihre geografische Distanz.

Als die drei sich im Studio einfanden, um „Globus“ aufzunehmen, hatten sie keinerlei vorgefertigtes Konzept, dafür aber umso ausgelassenere Spiellaune, die sich jetzt unschwer auf den Hörer überträgt. Matsuno, Binder und Roth konnten es kaum erwarten, mit Klängen zu experimentieren und Stimmungen anzulegen, aus denen sich Melodien kristallisieren, die sie dann gemeinsam anreichern und nach Belieben ausbauen können. Mit Akribie und Leidenschaft machten sie sich an die Produktion eines komplexen Klangbildes, ohne bei der Arbeit auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, wie man das später live umsetzen könne. Da wimmelt es nur so von allen möglichen Klangpartikeln, die der Hörer zuordnen kann, aber beileibe nicht muss. Gerade das Verspielte, Unerklärliche, Staunen Auslösende macht die große hypnotische Kraft dieser Mini-Soundtracks aus.

Im luftleeren Raum stehen die Schmetterlinge mit ihrer Musik indes nicht. Im Gegenteil, die transatlantische Formation teilt sich die Speerspitze zeitgenössischer Klangsensibilität mit John Zorns aktueller Band The Dreamers, den Postrock-Veteranen Tortoise oder den Berliner Techno-Akustikern Brandt Brauer Frick, also mit lauter Gruppen, bei denen es ebenfalls zur Osmose zwischen Einzelnem und Ganzen kommt und bei denen sich die Leidenschaft für filigrane Klangerlebnisse zu keiner Zeit mit einem zielführenden Kalkül ausschließt:

„Globus“ mag in seiner unschuldig Verspieltheit für manche Hörer wirken, als wäre es aus der Zeit gefallen. Und doch trifft dieses Album präzise den Nerv einer Ära, in der es längst nicht mehr darauf ankommt, ob eine Sinfonie von der Festplatte oder ein Drum’n’Bass-Track tatsächlich von Drums und Bass kommt. Für dieses überaus lebensnahe und zugleich für jede geschmackliche Verortung leicht zugängliche Stück Klangkomplexität ist das Prädikat Komposition keineswegs übertrieben, und das mag in den erfindungsmüden Zeiten von „Copy & Paste“ etwas heißen. „Globus“ ist so rund wie der Erdball und so bunt wie ein Schmetterling. Wie gut, dass es eine derart unverstellte Freude am großen Krabbeln noch gibt.

TRIO SCHMETTERLING performing 'GLOBUS' on Vimeo.



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