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   Max Andrzejewski: Hütte und Chor: Release-Informationen

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VÖ: 06.06.2014
EAN/UPC: 705304460924
Traumton CD: 4609

Max Andrzejewski’s Hütte und Chor

Kaum eine andere junge Jazzband hat in den letzten Jahren in Deutschland so viel Aufsehen erregt wie Max Andrzejewskis Hütte. Mit Begriffen wie Newcomer, Geheimtipp, Talent oder Hoffnungsträger ist man bei Musikern unterhalb der dreißig schnell bei der Hand, doch das Quartett mit Backgrounds in Berlin und Köln war schon mit seinem Debütalbum ein gutes Stück über dem Empfehlungsstatus hinaus. Die Band des Drummers Max Andrzejewski nahm das deutsche Jazz-Parkett im Fluge.

Mit „Hütte und Chor“ holt Hütte jetzt zum zweiten Streich aus. Der Titel ist Programm. Hütte, das wissen wir bereits, sind Max Andrzejewski am Schlagzeug, Johannes Schleiermacher am Saxofon, Andrzejewskis siamesischer Zwilling Tobias Hoffmann an der Gitarre und Andreas Lang am Bass. Hinzu kommt der Chor, geleitet von Tobias Christl mit Friederike Merz, Sarah Whitteron, Zola Mennenöh und Laura Winkler. Dieser Chor ist nicht einfach nur ein Chor, sondern ein Zusammenschluss von fünf Vokalsolisten, die ihrerseits jede und jeder für sich, wie die vier Instrumentalisten dieser Konstellation ihre individuellen Spuren auf dem deutschen Jazzpflaster hinterlassen haben.

Andrzejewski gehört zu den wenigen begnadeten Trommlern, die gleichzeitig als fokussierte Komponisten beeindrucken. Er war immer an einer ganzheitlichen Musik interessiert, in der es nicht um die Befriedigung spielerischer Egos geht. Statt sich in den Vordergrund zu trommeln, besetzt er souverän das energetische Zentrum der Band. Was sich in dieser Hinsicht live auf den ersten Blick offenbart, muss auf einer Studioproduktion indes nicht mit der selben Sicherheit funktionieren. Doch Max Andrzejewski versteht es, spielerische Impulse zu setzen, ohne selbige stets persönlich auszuleben. Er ist in seinen jungen Jahren bereits ein brillanter Bandleader, der seine Gruppe mit allem versorgt, was eine Band benötigt: großartigem Material, Energie und Kraft, Motivation und Richtungssinn, vor allem aber mit einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl. Obwohl alle vier Musiker aus zahlreichen Formationen bekannt sind, kann man sich im unmittelbaren Kontext von Hütte nur schwer vorstellen, dass sie ihren Instrumenten außerhalb dieser hermetischen Einheit überhaupt einen Ton entlocken können.

Gesang und Musik gehen im Jazz eine oft unheilige Allianz ein. Oft stehen sich Stimme und Instrumente im Weg. Am auffälligsten ist dieser Antagonismus meist dann, wenn die Protagonisten sich nach Kräften bemühen, ihn zu überdecken. Max Andrzejewski und Co. gehen den entgegengesetzten Weg. Sie setzen auf die Gegensätzlichkeit von menschlicher Stimme und der entmenschlichten Beseeltheit des instrumentalen Klanges. In den ersten anderthalb Songs hören wir die Hütte und den Chor ohne das jeweils andere Element. Chor und Band werden einander gegenüber gestellt, müssen sich nicht miteinander beweisen, sondern suchen die Konfrontation. Der Anfang der CD erinnert an ein Völkerballspiel. Hier die einen, da die anderen, eine Durchmischung der beiden Teams auf derselben Arena scheint gar nicht vorgesehen. Doch das Spiel nimmt seinen Lauf. Ganz plötzlich erwächst aus dieser bewusst initiierten Separierung die Einheit.

Doch die gemeinsame Harmonie wird niemals zu weit beschworen. Wann immer die Band das Ohr mit ihrem hohen Grad an Intimität einlullt, kommt der Chor ins Spiel, um das straffe Gewebe ein paar Augenblicke später wieder aufzudröseln. Das verbindende Element zwischen den Musikern und dem Chor ist die unbändige Lust am Musizieren und Fabulieren. Der Regelbruch ist ja eine allzu abgedroschene Floskel im Jazz-Vokabular. Darüber sind Andrzejewski und sein Umfeld lange hinaus. Was sie antreibt und zusammenschweißt, ist die unglaubliche Wachheit, mit der sie auf ständig wechselnde Parameter reagieren können. Da wird munter durch die Gegend zitiert, Erinnerungen von den Swingle Singers über Frank Zappa bis zu den McGarrigle Sisters wachgerufen, vieles munter durcheinander gewürfelt und nach einer verblüffend neuen Logik zusammengesetzt. Und für leidenschaftlichen Unsinn bleibt auch jede Menge Platz.

Max Andrzejewskis Feingefühl ist es zu verdanken, dass bei alledem am Ende alles genau dort seinen Platz findet, wo es hingehört. „Hütte und Chor“ ist ein nüchterner, aber alles erklärender Titel für eine rasante Berg- und Tal-Fahrt durch die Höhen und Niederungen eines musikalischen Vergnügungsparks, in dem nur wenige Stationen das Jazz-Fähnlein hissen.



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