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   Fabienne Ambühl Trio: Glitterwoods: Release-Informationen

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VÖ: 20.03.2015
EAN/UPC: 705304461327
Traumton CD: 4613

 Fabienne Ambühl „Glitterwoods“

„Es gefällt mir, wenn eine Melodie schnell zu erfassen ist“, sagt Fabienne Ambühl, „deswegen sage ich mir, dass es manchmal etwas direkter klingen darf. Gleichzeitig liebe ich es aber, zu experimentieren.“ Kein Wunder, dass die 28-jährige Pianistin und Sängerin aus der Schweiz auf ihrem Album Glitterwoods ein recht weites Spektrum abdeckt. Dabei zeigt sie Substanz und klares Profil. Souverän lotet Ambühl lyrische Tiefen und die Schönheit luftiger Harmonien aus. Mit feinem Sinn für Nuancen transzendiert sie melodische Ideen, kleidet diese in detailgenaue Arrangements, die wiederum Räume für ihre versierten Begleiter Asaf Sirkis (Schlagzeug) und Yuri Goloubev (Kontrabass) öffnen.  

Fabienne Ambühls traumwandlerisch-tänzelndes Spiel verrät vielschichtige Erfahrungen. Zum Klavier kam sie durch einen Nachbarn. „Er spielte Boogie und Blues, was mich als Neunjährige so beeindruckt hat, dass ich das auch lernen wollte“, erinnert sich Ambühl. Vier Jahre nahm sie klassischen Unterricht, dann wurde ihr ein besonderes Talent zum Improvisieren bescheinigt und sie wechselte zum Jazz. „Mit vierzehn begann ich, in einer Bigband zu spielen, mit der ich später auch eine CD aufnahm“, skizziert Fabienne Ambühl ihre Jugenderfahrungen. Während ihres Studiums in Luzern spielte sie im Bläser-lastigen Souljazz-Oktett X-elle. Dem „Master of Arts in Music Performance Jazz“ folgte ein Umzug nach Kopenhagen, um am Complete Vocal Institute die Liebe zum Gesang zu vertiefen. Parallel zur stetigen Erweiterung des Horizonts schärfte sich Ambühls künstlerischer Blick, auch auf die eigene Musik. Vor einigen Jahren verwarf sie ein teilweise eingespieltes Album, „weil ich letztlich doch nicht ganz damit zufrieden war.“

Umso mehr überzeugt nun Glitterwoods. Strahlende, bisweilen großzügige Melodiebögen wechseln sich ab mit rhythmisch zupackenden Passagen, phantasievollen Motiven und einigen lautmalerischen Momenten. Ambühls Kompositionen sind fein austariert und trotzdem oft energiegeladen. Intensität und ein sicheres Gespür für Atmosphären zeigt sie zudem als Sängerin. Mit glockigem Klang und variablem Ausdruck changiert sie zwischen melancholisch angehauchten und verhalten euphorischen Stimmungen. In der expressivsten Komposition des Albums, dem dreiteiligen Titelstück, mäandert ihr Gesang erst in dunklen Registern, um dann jäh in die Höhe zu schießen.

Mit Asaf Sirkis und Yuri Goloubev hat Ambühl zwei starke Partner an ihrer Seite. Vor drei Jahren lernte sie die beiden während gemeinsamer Konzerte mit dem Marco Cortesi EU Project kennen und schätzen. „Asaf hat ein spezielles Formgefühl und experimentiert gerne mit meinen Kompositionen“, freut sich Ambühl, „bei Yuri liebe ich vor allem seine besondere Art, mit dem Bogen zu streichen, was man sonst im Jazz eher selten hört.“ Der in Italien lebende Russe Goloubev machte erst als Klassik-Virtuose (u.a. mit Rostropowitsch, Gidon Kremer), dann als Jazzer (Paolo Fresu, Michel Portal, Gwilym Simcock) auf sich aufmerksam. Sirkis wiederum kam von Israel nach London und brillierte bei Gilad Atzmon, in Tim Garlands Lighthouse Project sowie mit eigenen Produktionen. Auch bei Fabienne Ambühl agiert der flexible Drummer mal sensibel, mal druckvoll mit treibenden Grooves. Zudem spielt er die klangvolle Schweizer Steeldrum Hang.

Fabienne Ambühl vereint profunde Jazzhaltung und romantische Imaginationskraft zu einem unverkennbar persönlichen Stil. Sie liebt Johannes Brahms, hat den frühen Brad Mehldau ebenso oft gehört wie Alan Pasqua, zählt die versponnenen Konzeptpop-Musiker Efterklang ebenso zu ihren Favoriten wie diverse Singer/Songwriter. Die Stücke auf Glitterwoods reflektieren auch ihr Pendeln zwischen der alpenländischen Heimat und europäischen Metropolen. Gerne hält sie sich wochenweise in London auf, die Schweiz ganz zu verlassen kommt aber nicht in Frage. Letztlich fühlt sie sich zu sehr der Natur verbunden, geht gerne mit Pferden um und ist fasziniert „von der Stille und Stimmungen im Wald.“ Tatsächlich hat sie sich auch schon mal zum Komponieren in ein Bergdorf verzogen. Wer fragt da noch, was es mit der solo gespielten „Black Horses Suite“ auf sich hat? Auch „Sea Son“ ist von Natur inspiriert: „Ich hatte das Meer vor Augen, aber nicht nur dessen weites Panorama. Bis heute mag ich es, in den Bergen kleine Bäche zu stauen und zu sehen, wie das Wasser letztlich doch gewinnt, weil es sich irgendwie um mich herum schlängelt.“

Einige Stücke bereichert Ambühl mit poetischen Wörtern, die aber eher suggestiv als narrativ wirken. „Ich schreibe keine Songs im klassischen Sinn, meine Texte sind eher dazu gedacht, Stimmungen zu unterstützen oder zu verdichten. Trotzdem basiert manche Komposition auf einer gesungenen Linie. Vielleicht auch, weil ich mal Saxophon gespielt habe, ehe ich mit dem Singen begann.“

Fabienne Ambühls Musik changiert zwischen überlegter Reduktion und emotionaler Tiefe, zwischen Reife und Verspieltheit. Die Balance des Albums entspricht ihrem eigenen Lebensgefühl, sagt sie und erzählt von ihrer unerschütterlichen Liebe zu kleinen Dingen. „Das Stück 'Inchworms' ist ein wenig in diesem Geist entstanden“, lacht die ebenso charmante wie kluge Musikerin, „nämlich dass ich gerne losrenne, um jeden Regenwurm zu retten.“

 



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