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   Holler My Dear: Eat, drink and be merry: Release-Informationen

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VÖ: 13.03.2015
EAN/UPC: 705304462027
Traumton CD: 4620

Holler My Dear - Eat, drink and be merry

Ziemlich bald nach den ersten Songs drängt sich unweigerlich die Frage auf: Woher kommt diese ungewöhnliche Band? Mit ihren Melodien, deren hymnische Bögen und jubilierende Aufschwünge Gänsehaut erzeugen können; mit ihrer Leidenschaft und Grandezza, die man vor allem aus Süd- oder Osteuropa zu kennen glaubt; mit der Leichtigkeit, die  – wenn es um Pop geht – üblicherweise den Briten nachgesagt wird, ebenso wie dieser feine Humor, der auch tiefgründige Passagen vor Schwermut bewahrt? Und, vor allem: mit dieser wunderbar variablen Sängerin, deren Überschwang ein Lächeln ins Gesicht zaubert?

Des Rätsels Lösung: Der Sechser kommt aus vielen Richtungen, geographisch wie musikalisch. Die volltönende Stimme mit enormer Spannweite und unwiderstehlichem Enthusiasmus gehört Laura Winkler. 1988 in Graz geboren, studierte sie an der dortigen Hochschule Gesang und Komposition und zog im September 2011 nach Berlin. Hier traf sie recht bald ihre zukünftigen BandpartnerInnen, im März 2012 gaben Holler My Dear ihr erstes Konzert. Zu den MusikerInnen gleich mehr, bleiben wir noch kurz beim Gravitationszentrum des Ensembles. Denn es ist schon besonders, wie souverän und lebendig Laura Winkler durch Stile und Atmosphären changiert. Ihr Spektrum reicht von zarten Momenten über soulige Phrasierungen und rhythmisch verdichtete Zeilen bis zu Scat-Andeutungen und lange stehenden Tönen, die sie ohne jedes dramatische Vibrato strahlen lässt.

Ursprünglich aus London stammt der versierte Trompeter Stephen Moult. In England spielte er mit einer Hiphop-Band und beim Alternative Dubstep Orchestra, studierte außerdem zeitgenössische Musik; bei Holler My Dear bewegt er sich zwischen Jazz, Funk, Vaudeville und Balkan-Folk. Schlagzeugerin Elena Shams und Valentin Butt kamen einst aus Russland nach Berlin; mögliche slawische Mitbringsel lassen sich natürlich im Sound des Akkordeons eher finden als in Shams sensiblen bis kraftvollen Rhythmen. Butt spielte bereits bei den Berliner Philharmonikern und an vielen renommierten Berliner Theatern; bisweilen erinnert seine Harmonika-Ästhetik an französische Musette, manchmal geht der mehrfache Preisträger Richtung Jazz. Lucas Dietrich war ursprünglich im Vorarlberg zuhause, lebte drei Jahre in Paris und kreiert nun neben leichtfüßigen Basslinien auch den grafischen Look der Band, vom Artwork des Albums bis zur Website. Den kürzesten Weg nach Berlin hatte der Brandenburger Fabian Koppri. Neben Mandoline spielt er unzählige Gitarren und schreibt mitunter Filmmusik; Laura Winkler lernte er bei der gemeinsamen Arbeit für eine Tanzperformance kennen. „Wir sind alle ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, die aber prima zusammen passen“, freut sich Koppri, „wegen unserer diversen musikalischen Hintergründe denken wir nie über Genres nach. So können wir uns selbst immer wieder überraschen.“

Im Herbst 2013 erschien das Debütalbum von Holler My Dear, seitdem waren sie durch viele Länder bis nach Kairo auf Tournee. Für ihr neues Werk Eat, Drink And Be Merry haben sie sich mehr Zeit genommen, um die Songs mit ausgeprägtem Stilwillen und feinen Details auszustatten. „Der Grundsound der Band ist mit Trompete, Akkordeon und Mandoline eher hell“, sagt Laura Winkler, „daher haben wir nun auch mit Rhodes Piano und E-Gitarre noch einige dunklere Klänge eingespielt. Zudem luden wir uns Gäste an Violine, Bratsche, Cello und Vibraphon ein, für noch mehr komplementäre Klangfarben.“ Während der kreativen Arbeit im „Ballsaal“ des Traumton-Studios kamen weitere Sounds hinzu. „Letztlich haben wir das, was im Pop normalerweise erst in der Post-Production gemacht wird, schon live im Studio hergestellt“, erklärt Lucas Dietrich. „Das sphärische Intro ist nicht etwa elektronisch generiert, sondern komplett akustisch“, grinst Valentin Butt, „wir haben Geräusche von fallenden Plastiktüten eingefangen, Stimmen und Instrumente im Saal verteilt und mehrere Schichten übereinander gelegt.“ Zur Dramaturgie des Albums gehören aber auch live und direkt eingespielte Songs, die jene „uplifting“ Energie ausstrahlen, die Holler My Dear-Fans bei Konzerten immer wieder fesselt.

Ihre Texte beschreibt Laura Winkler als „optimistisch formulierte Nachdenklichkeit“; in Tiramisu kehrt sie lustvoll-sarkastisch Klischees um. Schon vor einer Weile entstand das hymnische Have You Seen The Troll, das sich mit einer Selbstfindung beschäftigt. „Obwohl ich noch nicht weiß, wie ich hin komme, habe ich das Ziel klar vor Augen und mache mich auf den Weg“, bringt die Autorin ihre metaphorische Geschichte auf den Punkt. Ganz bewusst fällt in diesem Zusammenhang das Wort „pride“. Ähnliche Gedanken stehen hinter dem Song Move On. Er kreist um die Kraft gesellschaftlicher Normen, die sich beispielsweise in konventionellen Geschlechterrollen manifestieren, aus denen mancher auszubrechen sucht. Laura Winklers Poesie ist persönlich, aber kein vertontes Tagebuch. Stets lässt sie Raum für Interpretationen der HörerInnen und nähert sich auf gewisse Art den von ihr sehr geschätzten QuerdenkerInnen Joni Mitchell und Antony Hegarty.

Was hat der Titel des Albums, Eat, Drink And Be Merry, mit all dem zu tun? „Er fängt den Geist der Band ein“, erklärt Laura Winkler, „das Stück selbst ist eine Liebeserklärung an Berlin, an diese verrückte Stadt, in der so viele Kulturen, Haltungen und Orientierungen  nebeneinander existieren können.“ Stephen Moult ergänzt: „Wir sind als Band sicher genauso bunt wie die Stadt. Davon abgesehen eint uns auch, dass wir alle einen Hang zum Genuss haben. Sind wir auf Tournee, geht’s meist darum, wo's gutes Essen gibt. Auf unserer Website führen wir sogar einen Blog über Cafés und andere kulinarische Sachen.“

Die Courage, auf eigene Ideen und Ideale zu vertrauen, macht die Frische von Holler My Dear aus. Programmatisch für ihren städtischen Songwriter-Gypsy-Folkpop, den die Band pfiffig als „handgerührte Feinmusik“ beschreibt, mögen die ersten Zeilen des Albums stehen: This is a new beginning, a brand new fearless start. Die fröhlich formulierte Zuversicht, take the risk to slip on the banana peel, reicht bis zum letzten Stück, You Can Be Anything. Wer wollte sich diesem Esprit verschließen? 



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