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   Veronika Harcsa & Bálint Gyémánt: Tell Her: Release-Informationen

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VÖ: 03.02.2017
EAN/UPC: 705304464229
Traumton CD: 4642

Veronika Harcsa - Bálint Gyémánt
Tell Her

Als im Frühjahr 2014 das erste Duo-Album von Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt erschien, löste es bei Presse und Publikum begeisterte Reaktionen aus. Die weitgehende Reduktion auf Gesang und Gitarre lassen die Songs von Lifelover ungewöhnlich transparent, direkt und intim klingen, gleichzeitig begeistert das Duo mit einer stilistischen Spannweite von Jazz bis zu kunstvollen Popfacetten. Vor allem aber fesselt Harcsas ungewöhnlich variable Stimme. Wenn sie durch Oktaven tänzelt, Tempi variiert oder halsbrecherische Scat-Kapriolen schlägt, vereint sie herausragendes Talent und juvenilen Esprit. „Harcsa is an amazingly versatile musician, a brilliant vocalist and gifted entertainer in the best sense. She has found her very own thing and performed it on a high level with great impact.” (allaboutjazz.com)

Zwischen der Veröffentlichung von Lifelover und dem neuen Album Tell Her ist eine Menge passiert. Wo mancher zunächst die erreichten Erfolge feiern würde, suchen Harcsa und Gyémánt beständig nach künstlerischem Fortschritt. „Wir haben sehr viel live gespielt, währenddessen über die Musik reflektiert und sie konstant weiterentwickelt“, sagt Veronika Harcsa, „so fanden wir zu einem noch umfangreicheren musikalischen Vokabular.“ Und, lässt sich hinzufügen, zu einer klugen Balance, die kraftvolle Aussagen trifft, indem sie ruhigere Momente zulässt. „Bei Lifelover experimentierten wir viel mit Klängen, die ich mit meiner Stimme erzeugen kann“, erinnert sich Harcsa. Inzwischen setzt sie ihre vielen Klangfarben noch pointierter und souveräner ein.

Die neuen Songs zeigen durch kompositorische Raffinesse und kluge Details eine Verfeinerung des Ausdrucks. Besonders fällt die couragierte Ausweitung der Dynamik auf. Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt loten jene substantielle Tiefe aus, die leisen Passagen und langen Noten inne wohnt. Darin spiegelt sich auch Harcsas Beschäftigung mit anderen Projekten, die im Klassik-Bereich angesiedelt sind. Der Song Give Time beispielsweise ist von J.S. Bachs Cello Suiten inspiriert. Gleichzeitig steuerte Jeremy Friedman als Produzent Ideen bei, erweiterte das Klangspektrum behutsam durch Schwebe-Sounds oder Loops. „Wir wollten mit jemand arbeiten, der mehr als wir selbst im Studio zuhause ist und sich daher ständig mit Soundmöglichkeiten beschäftigt“, erklärt Harcsa, „Jeremy lernte ich kennen, als ich während meiner Konzertserie in Berlin mit seinem Vater, dem Vibraphonisten David Friedman spielte.“ Auch Balint Gyémánt war schnell überzeugt: „Jeremy erfasste intuitiv unser Ziel, einen komplexen und modernen Sound zu kreieren.“

Obwohl Veronika Harcsa Musik und Texte der meisten Songs schreibt, legt sie Wert darauf, dass die Stücke letztlich eine Gemeinschaftsarbeit sind. Essentiell für den Sound des neuen Albums ist zweifellos, dass der virtuose Bálint Gyémánt nun ausschließlich akustische Gitarre spielt, wodurch Tell Her insgesamt ein wenig mehr Richtung Singer/Songwriter-Ästhetik rückt. Gyémánt hat klassische und Jazz-Gitarre studiert und erhielt 2007 als erster ungarischer Student ein Stipendium der Academy of Music Oslo.  Als Mitglied des Transform Quintet spielte der innovative Musiker ein Album mit Joey Calderazzo ein, dieser Tage nimmt Gyémánt mit seinem Trio ein neues Album auf, das Shai Maestro am Klavier featuren wird. Veronika Harcsa kennt er schon seit 10 Jahren. Anfangs erweiterte er als regelmäßiger Gast ihr damaliges Quartett, dann gründeten Harcsa und er die Band Bin-Jip, mit Pianist Zsolt Kaltenecker und DJ Andrew J. Ihr experimenteller Elektro-Jazz lebte auch von Gyémánts perfekter Beherrschung des Loopers; Bin-Jips Debüt Enter gewann 2011 den ungarischen Grammy als Alternative Album of the Year.
 
Auch Veronika Harcsa begann einst mit klassischer Musik. Als Siebenjährige lernte sie Klavier, als Teenager wechselte sie zum Saxophon. Archie Shepp's Down Home New York hat sie damals mit seiner puren Freiheit tief beeindruckt; darüber hinaus hörte sie The Doors, Janis Joplin und Pink Floyd. Etwa zwischen 17 und 18 beschloss Veronika Harcsa, selbst zu singen. 2004 entschied sie sich, ihr Studium der Informatik aufzugeben, zugunsten einer Gesangsausbildung an der Budapester Akademie. „Von diesem Moment an steckte ich alle Energie in die Musik.“ Das erste Album ihres Quartetts wurde zunächst in Japan ein Erfolg, der sich dann auch zuhause einstellte. Noch mehr Resonanz fand Harcsas zweite CD. „Wir hatten 2007 das Glück, auf einer Welle für improvisierte Musik surfen zu können, die bis in die Elektronik hinein reichte“, erzählt Harcsa. „Es gab plötzlich überall hippe Clubs, in denen Jazz gespielt wurde, hinzu kamen neue Radiostationen und -Sendungen von wirklich mutigen Redakteuren. Das nationale Radio wurde ja überall gehört, auch in den Dörfern, so konnten zuvor unbekannte Künstler populär werden.“

Veronika Harcsa ist eine passionierte Europäerin. Sieben Jahre vor dem Fall des eisernen Vorhangs in Budapest geboren, schätzt sie bis heute offene Grenzen. Seit Jahren pendelt sie zwischen Ost und West, spricht Ungarisch und Englisch, Französisch und Deutsch. In Serbien und Rumänien war sie länger unterwegs, am Brüsseler Konservatorium absolvierte sie ihren Master, arbeitete mit Musikern aus Belgien und der Schweiz. In Berlin initiierte sie eine monatliche Konzertreihe, für die sie immer neue Konstellationen auf die Bühne brachte, etwa mit Julia Hülsmann, Arne Jansen und David Helbock. Derzeit lebt Harcsa hauptsächlich in London und Budapest. In den vergangenen zehn Jahren trat sie in Clubs und bei Festivals in über 20 Ländern weltweit auf, arbeitete in unterschiedlichen Projekten mit Erik Truffaz, dem Franz Liszt Kammerorchester, Enrico Pieranunzi, Kris Defoort, Nicola Conte und aktuell mit dem Regisseur und Oscar-Preisträger JiĹ™i Menzel. Darüber hinaus komponierte Harcsa für Theater und Film. Dass auf Tell Her nun erstmals ein traditionelles ungarisches Stück zu hören ist, hat indirekt mit Harcsas vielen Beschäftigungen und Reisen zu tun. „Vetettem violát habe ich als Kind gelernt”, erklärt sie. „Ich verbringe viel Zeit im Ausland und liebe die vielfältigen kulturellen Einflüsse. Gleichzeitig fühle ich mich zunehmend mehr mit der Schönheit meiner ungarischen Wurzeln verbunden. Deswegen entschieden wir, dieses Lied aufzunehmen.“

Mit ihrem neuen Album Tell Her zeigen Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt entschlossenen Gestaltungswillen, der unmittelbare, lebendige Ausstrahlung und  strukturelle Gedanken vereint. Hinzu kommen Harcsas poetische, englische Texte. „Eigentlich hast du als Künstler zur Zeit kaum eine Chance, nicht auf die gesellschaftlichen und politischen Vorgängen zu reagieren. Trotzdem sind meine Songs diesmal vor allem von persönlichen Erlebnissen geprägt, die mich emotional stark beschäftigt haben“, sagt Harcsa. Dazu gehören Abschiede und Verluste in der Familie, aber auch glückliche Ereignisse. „Wenn man sich über so intensive Dinge mit anderen Menschen unterhält, kann man nicht drumherum reden. In der Musik lassen sich solche Themen dagegen verarbeiten und ausdrücken, ohne allzu konkret zu werden.“ Auch wenn Harcsas Texte nicht direkt politisch Stellung beziehen, ist die Haltung des kosmopolitischen Duos klar. Zuletzt engagierte sich die Sängerin in Budapest bei einem Projekt, das aktiv und spielerisch zum Abbau von Angst vor Fremden beitrug. Schließlich ist auch die Stile übergreifende Musik von Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt ein lebendiges Plädoyer für Offenheit und Modernität.



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